DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

ACTRIMS Forum 2016: Arbeitstreffen zur Multiple Sklerose-Forschung

Die Mitglieder des ‚Americas Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis‘ (ACTRIMS) haben sich in New Orleans zu einem aktuellen Forum getroffen: Schwerpunkt waren die progressiven Verlaufsformen der Multiplen Sklerose.

Neben dem routinemäßigen Jahrestreffen, das dieses Jahr vom 15. bis 21. April 2016 in Vancouver, Kanada, stattfinden wird, war diese Veranstaltung neu bei der ACTRIMS. Im Forum stellten etablierte MS-Forscher, Kliniker und insbesondere junge Wissenschaftler neue Ergebnisse vor, tauschten Erfahrungen aus und bildeten Netzwerke, um die Forschung voranzubringen. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen der MS-Progression und der progressiven Formen der Erkrankung.

Die Einführungsveranstaltung beschäftigte sich insbesondere mit dem Thema Therapie und der Frage, wie kontinuierlich durchgeführte Therapien das Voranschreiten der Erkrankung beeinflussen können. Nathaniel Lizak von der Universität Melbourne präsentierte wichtige Erkenntnisse zur Wirkung von immunmodulatorischen Therapien auf die Krankheitsprogression.

Drei große vorangegangene Studien hatten darauf hingewiesen, dass, wenn der Krankheitsverlauf ein mittleres Stadium erreicht hat (mit EDSS-Werten von 3 oder 4 bis 6), insbesondere die Neurodegeneration beginnt, eine wichtige Rolle zu spielen. Geschlussfolgert wurde, dass eine Therapie in diesem fortgeschrittenen Krankheitsstadium kaum noch Wirkung auf die Progression hat. Allerdings waren die Ergebnisse dieser früheren Studien widersprüchlich. Dies sollte nun überprüft werden, sowohl hinsichtlich von Variabilität und Vorhersagefähigkeit der Krankheitsprogression in den mittleren Stadien als auch der Beeinflussbarkeit durch immunmodulatorische Therapien.

Verläufe variieren stark

Grundlage für die Ergebnisse waren Daten aus ‘MSBase’, einer großen, internationalen MS-Beobachtungsstudie (MSBase). Die Daten wurden aus MSBase extrahiert und zum Startpunkt der Studie mehrere tausend Patienten mit schubförmigem Krankheitsbeginn in drei Gruppen aufgeteilt: solche mit einem EDSS 3, 4, oder 6 (Baseline). Ihr Krankheitsverlauf vor und nach dieser Baseline wurde analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Verläufe stark variierten und keine Zusammenhänge gefunden werden konnten, wie sich Behinderungen vor und nach der Baseline entwickelten. Eine höhere jährliche Schubrate resultierte in der Regel in einer stärkeren Behinderungsprogression. Stärkste Triebkraft bei der Entwicklung von Behinderungen bei mittleren Stadien der MS waren Entzündungen.

Dabei erreichten auch Patienten, die nur über kürzere Zeitspannen hochwirksame immunmodulatorische Therapien, wie Natalizumab, Fingolimod, Alemtuzumab etc. bekommen hatten, mit größerer Wahrscheinlichkeit höhere EDSS-Werte als solche mit längerzeitigen Therapien.

Kein Therapieabbruch angezeigt bei steigenden EDSS-Werten

Insgesamt wird aus der Studie geschlussfolgert, dass die Behinderungszunahme in mittleren Stadien der MS bei den Patienten stark variiert und nicht davon abhängig ist, wie die Erkrankung in den früheren Stadien verlief. Die Daten widersprechen auch der oft realisierten Praxis, die Therapie abzubrechen, sobald ein Patient höhere EDSS-Werte erreicht hat. Sie zeigen deutlich, dass eine immunmodulatorische Behandlung einer Behinderungszunahme entgegentreten kann.

Quelle: www.multiplesclerosisnewstoday.com - 18. Februar 2016

- 22.02.2016