DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Augenscheinlich Multiple Sklerose? Neue Wege zur Diagnose

Eine kurze, schmerzlose Augenuntersuchung eignet sich möglicherweise zur Frühdiagnose von Multipler Sklerose. Bei Menschen, die bereits an der fortschreitenden Nervenschädigung leiden, verrät der Blick in die Augen, wie effektiv die laufende Behandlung ist, melden Forscher der Universität Texas.

Bei der Optischen Kohärenztomografie (OCT) lässt sich mithilfe von Laserstrahlen der Zustand der Nervenzellen in der Netzhaut (Retina) beurteilen. Dies erlaube eine Beurteilung von strukturellen Veränderungen im Zentralen Nervensystem, stellt Prof. Dr. Elliot Frohman, Co-Autor der Studie, in Aussicht. Diese Einschätzung wäre nicht nur hilfreich für diagnostische Zwecke, sondern erlaube zudem, im Rahmen von klinischen Studien beurteilen zu können, ob neue Therapien eine Verschlechterung der Nervenfunktion verhindern oder diese sogar wiederherstellen können. Der Direktor des Multiple Sclerosis Clinical Center und sein Forscherteam berichten in der Juni-Ausgabe des Fachmagazins "Annals of Neurology" (10.1002/ana.22005) über ihre Studienergebnisse.

Ausdünnung der Netzhaut als Indiz für Nervenschädigungen durch MS

Bei der Optischen Kohärenztomografie wird das Auge mit Infrarot-Licht untersucht. Diese Wellenlänge ist für das menschliche Auge unsichtbar, sie durchdringt aber die Netzhaut und ermöglicht dabei eine Messung der Dicke. Die Untersuchung dauert wenige Sekunden pro Auge. Dabei registrieren die Sehzellen in der Netzhaut die ins Auge einfallenden Lichtstrahlen und senden die Informationen über den Sehnerv ans Gehirn. Eine Ausdünnung der Retina kann auf Nervenschädigungen im Zuge einer MS-Erkrankung zurückzuführen sein.

Studie belegt: Bei 299 Patienten Netzhaut dünner und Sehkraft schwächer

Die Forscher haben in ihrer Studie erstmals diese Ausdünnung bei einer Gruppe von 299-MS-Patienten über einen längeren Zeitraum verfolgt: Sie untersuchten die Retina der Studienteilnehmer mittels OCT in regelmäßigen Abständen über einen Zeitraum von sechs Monaten bis viereinhalb Jahren.
Das Ergebnis: Die Netzhaut der Patienten wurde im Lauf des Beobachtungszeitraums signifikant dünner. Parallel dazu verschlechterte sich die Fähigkeit der Betroffenen, Dinge scharf zu sehen. Die OCT erwies sich als einfache und verlässliche Technik, um solche Netzhautveränderungen im zeitlichen Verlauf zu beobachten.

Einsatz in der Praxis ist noch Zukunftsmusik

"Vielleicht setzen Augenärzte eines Tages OCT im Rahmen von Routineuntersuchungen ein, um eine Ausdünnung der Retina erkennen zu können, und ziehen dann eine MS-Erkrankung als Ursache in Erwägung", hofft Professor Elliot Frohman. Bis zur Routineuntersuchung mittels OCT sei es aber noch ein weiter Weg, betont er. Weitere Studien sind nötig, um sicherzustellen, dass dieses Verfahren die Effekte von Behandlungen nachweisen kann.

Quelle: UT Southwestern Medical Center – 08. Juni 2010

- 21.06.2010