DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

ECTRIMS: Forschung auf dem Gebiet der Progressiven Multiple Sklerose vorantreiben

Gegenwärtig sind diverse neue orale Medikamente für die schubförmige Multiple Sklerose zugelassen oder stehen kurz vor einer Zulassung. Die Progressiven Formen der MS geben der Forschung dagegen weiter Rätsel auf.Renommierte MS-Forscher sind sich einig: Das nächste Ziel muss sein, die progressiven Formen der MS besser zu verstehen, um einer effektiven Behandlung näher zu kommen.

Viele Therapeutika haben ihre Wirksamkeit für die schubförmige Form der MS nachgewiesen. Die progressive MS steht jedoch heute noch an einer Stelle, wo sich die schubförmige MS vor 30 Jahren befand – das heißt, noch einige Jahre weg von einer wirksamen Therapie oder zumindest von einem grundlegenden Verständnis dessen, was bei dieser Form der MS im Körper passiert. Diese Einschätzung belegen die zahlreichen Präsentationen und Diskussionen auf der diesjährigen ECTRIMS.

Internationale Kooperation formuliert fünf Hauptziele auf dem Weg zur Therapie der progressiven MS

In einer ausschließlich den progressiven Verlaufsformen der MS gewidmeten Veranstaltung auf der ECTRIMS 2013 berichtete Dr. Robert Fox von der Cleveland-Klinik in Ohio in seinem Eröffnungsvortrag über internationale Bemühungen, diesem Ziel näher zu kommen: Der Internationale Aktionsplan zur progredienten MS. Wir berichteten

Erste Treffen dieser Initiative formulierten fünf Hauptziele, die die Forschungen zur progressiven MS voranbringen sollen. Die Liste dieser Ziele macht deutlich, wie weit entfernt man noch davon ist, eine mögliche Therapie für diese Verlaufsform auch wissenschaftlich korrekt prüfen zu können. Problematisch in solchen Studien sind immer der langsam fortschreitende Verlauf und die geringe Anzahl der Probanden im Vergleich zur schubförmigen MS. Etablierte Medikamente, die für die schubförmige MS eingesetzt werden, zeigen in der Regel bei den progressiven Formen keine Wirksamkeit. Und es wäre nicht überraschend, wenn das auch im umgekehrten Falle so wäre, da man inzwischen annimmt, dass die Gegebenheiten grundlegend unterschiedlich sind.

Gegenwärtig noch fehlend, aber unbedingt erforderlich für die Entwicklung von Therapien für die progressiven Formen der MS sind:

- Ein experimentelles Modell (z.BTiermodell) für die präklinische Forschung
- Hochleistungsfähige Suchstrategien für das Finden von Wirkstoffen
- Geeignete Messparameter für die Studienziele in Phase II
- Geeignete Messparameter für die Studienziele in Phase III
- Zielparameter für die Testung symptomatischer Therapien.

Pilotstudie mit Natalizumab

Dr. Finn Sellebjerg von der Universität Kopenhagen berichtete, dass in der nahen Zukunft Ergebnisse einer Pilotstudie mit Natalizumab veröffentlicht werden, an der er selbst beteiligt war. Es zeigte sich dabei, dass der Wirkstoff in einigen Zusammenhängen positive Wirkungen zeigte, dass aber z.B. die Abnahme des Hirnvolumens weiter voranschritt. Auch das Ausmaß der Wirkungen auf die Behinderung sei "klinisch zweifelhaft".
Sellebjerg ging darauf ein, dass die progressive MS sehr verschieden sein kann. Sein Vortrag ging über die übliche Unterscheidung zwischen primär und sekundär progredienter MS hinaus und schloss auch diejenige Form mit ein, die manchmal als progressiv-schubförmige MS bezeichnet wird und bei der noch sporadisch Schübe auftreten – über eine sich stetig langsam verschlechternde MS und zunehmende Behinderung hinaus.

"Echte" Progression oder "inkomplette Remission"?

Sellebjerg erörterte auch, dass der Begriff "progressive MS" in einigen Fällen eine unzutreffende Bezeichnung sein kann. Bei vielen Patienten kann ihr spezieller Krankheitsverlauf besser als "inkomplette Remission nach Schüben" charakterisiert werden und nicht als eine echte Progression.

Progressiv versus schubförmig: Auch Wirkung von Alemtuzumab und Natalizumab bei progressiver MS auf dem Prüfstand

Andere Sprecher in dieser Vortragsveranstaltung diskutierten unterschiedliche Aspekte der progressiven versus der schubförmigen Formen wie zum Beispiel Messungen des axonalen Untergangs, der Proteinspiegel in der Cerebrospinalflüssigkeit und mögliche Unterschiede bei den Genen. Aber keiner dieser Ansätze kann die unterschiedlichen Formen der MS klinisch zuverlässig und sicher unterscheiden - geschweige denn therapeutische Ziele für die Entwicklung von Medikamenten für eine die Erkrankung aufhaltende Therapie bieten.

Andererseits stellten Fox und Sellebjerg dar, dass derzeit zahlreiche Wirkstoffe in klinischen Tests zur Therapie der progressiven MS getestet werden. Einige dieser Studien laufen, andere sind geplant. Für einige dieser Stoffe weisen präklinische Tests oder Ergebnisse bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen auf einen möglichen Nutzen hin, als Beispiele genannt wurden Simvastatin, Natalizumab und Alemtuzumab sowie auch Kombinationen aus Ibudilast, Amilorid und Riluzol. Letzteres hatte bei einer Monotherapie jedoch keinen Erfolg zeigen können.

Insgesamt ist der Stand der Dinge also noch nicht sehr ermutigend. Aber die weltweit zunehmenden Bestrebungen renommierter MS-Forscher, Licht in die Zusammenhänge der progressiv verlaufenden MS-Formen zu bringen und wirksame Therapien zu entwickeln, machen Hoffnung. Mehr

Quelle: www.ms-uk.org

- 06.11.2013