DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Ein möglicher Biomarker für Multiple Sklerose in Fettgewebe

Bereits in vergangenen Jahren wurde berichtet, dass Übergewicht bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, speziell bei Frauen, möglicherweise das Risiko, an MS zu erkranken, steigern könnte: Nun wird eine regulatorische Aktivität des Fettgewebes auf Entzündungsprozesse als mögliche Ursache in Betracht gezogen.

Forscher aus Finnland entdeckten jetzt, dass der Adipsin-Blutspiegel bei MS-Erkrankten mit dem Behinderungsgrad und der Zahl der Läsionen korrespondiert. Bekannt ist bereits, dass die Gruppe der so genannten Adipokine, das sind den Zytokinen ähnliche Hormone, die vom Fettgewebe abgegeben werden, zahlreiche physiologische Prozesse regulieren – einschließlich Entzündungsprozessen. Über eine Freisetzung von Adipokinen bei Übergewicht und Autoimmunerkrankungen wurde bereits berichtet. Ihre genaue Rolle bei Multipler Sklerose ist allerdings noch ziemlich unklar.

Welche Rolle spielen die Adipokinen?

Um dieser Frage näherzukommen, haben Wissenschaftler eine zweijährige prospektive Studie durchgeführt, in der sie die Adipokin-Konzentrationen in Blutproben von MS-Erkrankten untersuchten. Sie konzentrierten sich dabei auf die am besten bekannten Adipokine – das antientzündliche Adiponectin und die entzündungsfördernden Verbindungen Leptin und Adipsin - und schauten darauf, ob deren Gehalte im Blut mit der Krankheitsaktivität in Verbindung standen.

80 MS-Erkrankte waren in die Studie eingeschlossen worden; 65 von ihnen hatten bereits eine klinisch definierte MS (CDMS), 15 hatten vorerst die Diagnose ‚CIS‘ erhalten, die für ein erstes neurologisches Ereignis steht, das auf eine MS hindeuten kann. In der CDMS-Gruppe waren sowohl Patienten mit schubförmiger MS (RRMS, 34 Patienten), als auch mit sekundär progredienter MS (SPMS, 15 Patienten) und primär progredienter MS (PPMS, 16 Patienten).

Neben der Entnahme von Blutproben und der jährlichen Durchführung neurologischer Untersuchungen zum Beginn der Studie und über zwei Jahre hinweg registrierten die Forscher auch den Body-Mass-Index, die vor Beginn der Studie vorhandene Krankheitsaktivität (bestimmt durch die Anzahl der Schübe in den zwei Jahren vor Studienstart), Veränderungen im Läsionsvolumen, die Schubanzahl innerhalb der zweijährigen Studiendauer und den EDSS-Wert, der für die Behinderung steht, zu Beginn und am Ende der Studie.

Das Team fand in der gesamten CDMS-Gruppe bereits zu Beginn der Studie einen Zusammenhang zwischen den Adipsin-Konzentrationen und dem EDSS-Wert. Bei der Gruppe der schubförmigen Patienten gab es über diesen Zusammenhang hinaus auch einen Zusammenhang mit der Zunahme von Läsionen über den Beobachtungszeitraum hinweg. Entsprechende Zusammenhänge mit anderen Vertretern der Adipokine wurden nicht gefunden. Die Forscher ziehen nun die Schlussfolgerung, dass Adipsin in der Pathophysiologie der Multiplen Sklerose eine Rolle spielen könnte. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob diese Substanz als Biomarker zu Aussagen hinsichtlich einer Neurodegeneration geeignet ist.

Quelle: www.multiplesclerosisnewstoday.com vom 10. Dezember 2015

- 21.12.2015