DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Erhöht Vitamin D-Mangel in der Schwangerschaft das Multiple Sklerose-Risiko für Kinder?

Besonders bei Vitamin D-Mangel im ersten Drittel einer Schwangerschaft kann das Risiko für Kinder steigen, später eine Multiple Sklerose zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Zeitschrift ‚JAMA Neurology‘ veröffentlicht worden ist.

Bereits die Ergebnisse aus vorangegangenen Studien ließen vermuten, dass eine unzureichende Versorgung mit Vitamin D ein möglicher Risikofaktor dafür ist, an Multipler Sklerose (MS) zu erkranken.

Gezeigt wurde zum Beispiel, dass höhere Konzentrationen von 25-Hydroxyvitamin D (25[OH]D), einem Marker, mit dem der Vitamin D-Status gemessen werden kann, bei gesunden Erwachsenen mit einem geringeren MS-Risiko in Zusammenhang steht.

Risiko schon vor der Geburt nachweisbar?

Andere Studien nahmen Bezug auf die Schwangerschaft und wiesen darauf hin, dass bereits die Versorgung des Ungeborenen mit diesem Vitamin das MS-Risiko im Erwachsenenalter beeinflusst. Dieser Spur gingen Dr. Kassandra L. Munger und ihre Kollegen von der Harvard T.H. Chan School für Public Health in Boston nach. Sie untersuchten, ob die Konzentration von 25[OH]D im Serum der Mütter während des ersten Schwangerschaftsdrittels mit einem Risiko für das Kind verbunden ist, im Verlauf ihres Lebens eine MS zu entwickeln.

Die Forscher identifizierten 193 MS-Erkrankte, deren Mütter in einer finnischen Mutterschafts-Kohorte erfasst waren und von denen es in einer entsprechenden Biobank Serumproben aus den ersten drei Monaten der Schwangerschaft mit dem jeweiligen Kind gab. Insgesamt 176 Fälle wurden mit 326 Kontrollen verglichen, wobei sich ein 90% höheres MS-Risiko für diejenigen Kinder ergab, bei deren Müttern ein Vitamin D- Mangel im Serum nachweisbar war (25[OH]D Konzentrationen geringer als 12,02 ng/ml).

Fazit

Die Forscher schlossen aus diesen Ergebnissen, dass eine Unterversorgung mit Vitamin D in der Schwangerschaft für den Nachwuchs das Risiko erhöht, später einmal MS zu entwickeln. Als begrenzend für ihre These betonen die Forscher jedoch, dass die Konzentration im mütterlichen Blut nicht wirklich eine Aussage darüber zulässt, wie hoch die Konzentration des Vitamins letztendlich im fetalen Blut, also im Blut des Ungeborenen, ist. Auch seien keine Aussagen dazu möglich, ob und wie es hier dosisabhängige Effekte geben könnte. Dazu sind weitergehende Forschungen notwendig.

Zu betonen ist, dass diese Untersuchungen nur möglich waren, da es in Finnland eine umfangreiche Dokumentation zu Mutterschaften gibt, zu der auch mit die Aufbewahrung von Proben in Biobanken gehört. Diese wurde natürlich nicht aus dem Grund angelegt, um explizit der MS-Forschung zu dienen. Ihr Bestehen betont aber die Bedeutung solcher Biobanken - auch für die Erforschung noch unheilbarer Erkrankungen.


Quelle: medicalxpress, multiplesclerosisnewstoday - 18. März 2016

- 23.03.2016