DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Frühzeitig handeln ‒ Schäden begrenzen: Die Zeit drängt bei Multipler Sklerose

Der Report "Gehirngesundheit" zeigt, welche zentrale Rolle der Faktor Zeit bei Multipler Sklerose spielt und wie wichtig eine frühe Diagnose und ein schneller Therapiebeginn sind. Darüberhinaus fordert der Bericht politische Veränderungen, die darauf abzielen, bestmögliche Ergebnisse zu erreichen für Menschen mit MS und diejenigen, die für sie sorgen.

"Zeit ist Gehirn": Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale und interdisziplinäre Gruppe von Experten unter der Leitung von Professor Gavin Giovannoni. Ihr englischsprachiger Bericht "The Brain health: time matters in MS” unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose und Intervention. Er empfiehlt, klare Therapieziele zu setzen und die Gesundheit des Gehirns regelmäßig zu überwachen, um die Behandlungsergebnisse für Menschen mit MS zu verbessern.

Was an Hirnleistung verloren ist, kann nicht wiederhergestellt werden

Zwar kann sich das Gehirn bis zu einem gewissen Grad selbst regenerieren und eine altersbedingte Verringerung des Hirnvolumens tritt bei jedem Menschen auf, bei unbehandelten MS-Erkrankten kann dieser Verlust jedoch deutlich schneller verlaufen.

Die ersten Schäden im Gehirn und im Zentralen Nervensystem bleiben meist unbemerkt. Umso wichtiger sind eine frühzeitige Diagnose und ein früher Therapiestart und eine konsequente Überwachung des Behandlungserfolgs. Hier setzt der Bericht an und dokumentiert mit Zahlen, Grafiken, Tabellen und Bildern anschaulich die Zusammenhänge. Ziel der MS-Behandlung ist es, durch eine Verringerung der Krankheitsaktivität das Gewebe im Zentralen Nervensystem und damit die Gesundheit des Gehirns möglichst lange zu erhalten.

Auch die Eigenverantwortung des Patienten ist gefragt

Schon erste Symptome, wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle und Blasenschwäche, sollten ernstgenommen werden und zu einem Besuch beim Neurologen führen. Bei Verdacht auf MS können die Experten in einem MS-Zentrum zuverlässig Klärung schaffen.

Zudem raten die Experten zu einer " Gehirn -gesunden" Lebensweise, die auch die Überwachung und Behandlung von zusätzlichen chronischen Erkrankungen (Komorbiditäten), wie Herzkrankheiten und Bluthochdruck beinhaltet, die sich ebenfalls auf die MS auswirken können.
Vor dem Hintergrund, das immer mehr Therapien entwickelt worden sind und das Wissen über MS stetig wächst, ist es wichtig, diese Fortschritte in die Praxis umzusetzen, so dass Menschen mit MS davon profitieren können.

Zugang zu MS-Therapien erleichtern und sichern

Die Multiple Sclerosis International Federation (MSIF), zu deren Mitgliedern auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. gehört, unterstützt die Empfehlungen aus diesem Report. Die Empfehlungen können im Detail auf den Seiten 11 bis 13 in dem Bericht nachgelesen werden:

  • Setzen Sie sich Ziele für die Behandlung
  • Verzögerungen bei der Diagnose und die Zeit bis zum Beginn der Behandlung sind zu minimieren, da diese zu einer irreversiblen Progression der Krankheit führen können.
  • Wenden Sie sich an MS-Experten und informieren Sie sich gründlich, um gemeinsam mit Ihren Ärzten gute Entscheidungen über therapeutische Strategien zu treffen.

Die Erkenntnisse aus dem "Atlas der MS" haben gezeigt, dass es erhebliche Ungleichheiten auf der Welt gibt beim Zugang zu MS-Behandlungen und fachärztlicher Versorgung. Der Bericht plädiert für wichtige politische Änderungen, die darauf abzielen, bestmögliche Ergebnisse zu erreichen für Menschen mit MS und diejenigen, die für sie sorgen. In dieser Forderung nach einer Verbesserung des Zugangs zur MS-Behandlung werden durch eine Reihe von Berufsverbänden und Interessengruppen unterstützt.
In den Bereichen, in denen die Empfehlungen nicht in vollem Umfang in die Praxis umgesetzt werden können, bietet der Bericht Unterstützung für medizinisches Fachpersonal, MS-Gesellschaften, politische Entscheidungsträger und andere Akteure, um für eine bessere Versorgung von MS-Erkrankten zu werben.

Quelle: MSIF, MS Brain Health -  Februar 2016

- 29.02.2016