DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Genvariante entdeckt, die vor Multiple Sklerose schützt

Eine kolumbianische Studie hat herausgefunden, dass eine bestimmte Genvariante vor Multiple Sklerose schützen kann, während eine andere das Risiko um das Dreifache erhöht.

Untersucht wurde eine Gruppe MS-Erkrankter aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotà. Möglicherweise können die Ergebnisse einer der Schlüssel dazu sein, warum Multiple Sklerose in Kolumbien seltener auftritt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift ‚Neuroimmunologa & Neuroinflammation‘.

Welche Rolle spielen die Gene?

Die Ursache der Multiplen Sklerose ist bisher noch weitgehend unbekannt. Es gibt aber zunehmend Hinweise darauf, dass die Erkrankung bei Menschen auftritt, die eine genetische Vorbelastung haben – und dass dann Umwelteinflüsse den Ausbruch auslösen können. Ein Gen, das schon lange mit der MS in Verbindung gebracht wird, ist das HLA-DRB1-Gen. Der DMSG-Bundesverband berichtete

Dieses Gen gehört zu einer Gruppe von Genen, die mit der Immunantwort im Zusammenhang stehen. Besonders eine Variante dieses Gens, bezeichnet als HLA-DRB1*15, ist einer der am häufigsten vermuteten genetischen Risikofaktoren. Eine andere Variante, HLA-DRB1*14, wurde mit einem geringeren MS-Risiko in Verbindung gebracht. Solche Genvarianten werden wissenschaftlich als ‚Allel‘ bezeichnet und stellen Veränderungen in vererbten Genen dar. Im Ergebnis finden sich dann veränderte Funktionen oder Wirkungen des Gens.

Gene geben Informationen über die Vererbung

Wenn man untersuchen möchte, inwieweit ein spezifisches Gen ein genetisches Risiko für z.B. eine Erkrankung darstellt, geht man am besten erst einmal daran, die Abstammung zurückzuverfolgen. Das kann mit Hilfe von Untersuchungen mitochondrialer DNA oder spezieller Marker in den Zellkernen gemacht werden und ist besonders dann von Bedeutung, wenn ‚durchmischte‘ Bevölkerungsgruppen, wie es die Lateinamerikaner sind, untersucht werden sollen. In der Bevölkerung Kolumbiens zum Beispiel findet man je nach Region Menschen, die von Europäern, Amerikanischen Ureinwohnern oder Afrikanern abstammen. Durch genetische Untersuchungen kann man so auch Informationen über die Vererbung spezifischer Eigenschaften gewinnen.

Das Forscherteam der Studie, über die hier berichtet wird, wurde von Jaime Toro von der El Bosque Universität in Bogota geleitet. Eingeschlossen waren 100 MS-Erkrankte und 200 gesunde Kontrollpersonen. Die Forscher fanden dabei das HLA-DRB1*15 Allel bei 31% der MS-Erkrankten, aber nur bei 13,5% der Kontrollen. Unter Einbeziehung demographischer und klinischer Aspekte schlussfolgerten die Autoren der Studie, dass dieses Allel mit einem dreifach erhöhten Risiko für MS verbunden ist. Das HLA-DRB1*14 Allel dagegen, das mit einem geringeren MS-Risiko in Verbindung gebracht wird, fand sich bei lediglich 5% der MS-Erkrankten, jedoch bei 15,5% der Kontrollpersonen.

Im Vergleich mit anderen Regionen – wie zum Beispiel Europa oder Neuseeland, die MS-Raten von bis zu 200 pro 100.000 Einwohner haben –verzeichnet die Stadt Bogotà eine relativ geringe Prävalenz mit 4,4 Fällen pro 100.000 Einwohner. Dass das genannte schützende Allel in der Bevölkerung gefunden wurde, könnte – zumindest teilweise – die geringere MS-Häufigkeit in Kolumbien erklären. Um diese Vermutung weiter zu belegen, wären jetzt aussagekräftige Vergleiche mit anderen Regionen in der Welt wünschenswert.

Quelle: www.multiplesclerosisnewstoday.com - 20. Januar 2016

- 25.01.2016