DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Haben "hyperaktive" Immunzellen Einfluss auf die Multiple Sklerose?

Ein neues Jahr hat begonnen, und wir sind gespannt, was es an Neuem und Interessantem zum Thema Forschung und Therapie bringen wird. Ein schneller Durchbruch wäre wünschenswert, aber auch kleinere Schritte werden letztlich dazu führen, die Geheimnisse der Erkrankung MS aufzuklären. Hier schon einmal etwas Interessantes zum Jahresanfang.

In einer aktuellen Studie berichten australische Forscher, dass sie bei noch unbehandelten MS-Erkrankten und solchen, die an einem chronischen Erschöpfungssyndrom (auch myalgische Enzephalomyelitis genannt, abgekürzt CFS/ME) leiden, eine Gruppe spezifischer überaktivierter Immunzellen gefunden haben. Es handelt sich um CD8+ Zellen, die zu den T-Zellen gehören und bei Entzündungen eine wichtige Rolle spielen. Dass diese Zellen bei beiden Erkrankungen gefunden wurden, weist möglicherweise auf Gemeinsamkeiten bei deren Entstehung hin. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Journal of Immunology Research.

Den Volltext der Studie finden Sie hier

Die bereits erwähnten CD8+ - T-Zellen üben Schlüsselfunktionen bei der Regulierung des Immunsystems, wie es zum Beispiel im Falle von Infektionen nachgewiesen werden konnte, aus. Gefunden wurden sie aber auch in Läsionen im zentralen Nervensystem von MS-Erkrankten. Man nimmt an, dass sie dort dazu beitragen, ein entzündungsförderndes Umfeld zu schaffen.

Neuere Studien haben auch berichtet, dass MS-Erkrankte zusätzlich zu ihrer Grunderkrankung ein chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS/ME), infolge schwerer Fatigue, entwickeln können, dass sich insbesondere durch eine starke Beeinträchtigung der körperlichen Aktivität äußert. Sowohl bei MS als auch bei CFS/ME geht man von einer Fehlregulation des Immunsystems aus. Unter dieser Annahme untersuchten die Forscher in ihrer Studie die Konzentration und den Reifungszustand von CD8+ T-Zellen in Blutproben bei 23 CFS/ME Patienten, bei 11 bisher noch nicht mit immunmodulatorischen Therapien behandelten MS-Patienten sowie bei 30 Kontrollpersonen, die unter keinerlei Fatigue litten.

Im Ergebnis fand das Team bei den CFS/ME und MS-Erkrankten beträchtliche Veränderungen diverser CD8+- T-Zellgruppen. Bei MS-Erkrankten fiel besonders eine sehr unterschiedliche Ausprägung diverser Oberflächenrezeptoren dieser Zellgruppen auf. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass unbehandelte MS-Erkrankte Träger von überaktivierten CD8+ T-Zellen sind. Diese Überaktivierung sei ein Resultat schwerwiegender Defizite bei der Ausprägung von Rezeptoren und Anheftungsmolekülen in diesen Zellgruppen. Bei den CFS/ME-Patienten wurde Ähnliches beobachtet, auch wenn es bei den MS-Erkrankten letztlich zu einer stärkeren Fehlregulation des Immunsystems kommt. Möglicherweise sind die genannten Zellgruppen an der Entstehung beider Erkrankungen beteiligt. Nun sind weitere Untersuchungen, vor allem auch mit größeren Patientenzahlen, vonnöten, um diese Zusammenhänge weiter aufklären zu können.

Quelle: www.ms-uk.org (07.Januar 2016); www.multiplesclerosisnewstoday.com (06. Januar 2016)

- 08.01.2016