DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Minocyclin - ein Antibiotikum gegen MS?

Das Antibiotikum Minocyclin, das zur Gruppe der Tetracycline gehört, wird derzeit von amerikanischen Forschern am Mausmodell auf seine Wirkung auf die Multiple Sklerose getestet. Doch nicht die antibiotische Wirkung ist Ziel der Untersuchungen. Man hat inzwischen herausgefunden, dass dieser Stoff auch eine entzündungshemmende Wirkung hat und zudem das Immunsystem günstig beeinflussen kann.

Bei den getesteten Mäusen wurde experimentell eine Autoimmunenzephalomyelitis (EAE) ausgelöst, die einer MS ähnelt und wie diese zum Abbau der Nervenscheiden führt. Erhalten nun diese Mäuse kurz vor dem Auftreten erster klinischer Symptome, also in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung Minocyclin, so führt dies zu einem wesentlich leichteren Verlauf – die Anzahl und auch die Schwere der Schübe sind wesentlich geringer als bei der Vergleichsgruppe, die kein Minocyclin erhielt. Bei den behandelten Mäusen wurden nur geringe Anzeichen von Entzündung und Demyelinisation gefunden.
Auch kurze Zeit nach dem Auftreten erster Symptome konnte der Zustand der erkrankten Mäuse noch stabilisiert werden.

Der entzündungshemmende Effekt von Minocyclin hängt nach neueren Ergebnissen damit zusammen, dass der Wirkstoff die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für autoaggressive T-Lymphozyten, einem der auslösenden Faktoren für die Entstehung von Läsionen an den Nervenfortsätzen, vermindern hilft. Der Eintritt dieser Zellen ins zentrale Nervensystem wird unter anderem durch die Ausbildung von Matrix-Metalloproteinasen (MMP`s) gefördert. MMP 9 ist im Liquor von MS - Erkrankten zu finden, nicht jedoch bei Gesunden. Interferon – Beta kann zwar die Produktion und Ausschüttung dieses Proteins hemmen, nicht aber dessen enzymatische Aktivität (siehe auch AKTIV 1/02 Nr.194). Minocyclin dagegen kann sowohl die Produktion als auch die Aktivität von MMP 9 hemmen.

Natürlich sind diese Erkenntnisse, die an Versuchstieren gewonnen wurden, noch nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Jedoch sollen in der nächsten Zeit erste klinische Versuch mit MS – Patienten, die sich in einem frühen Stadium ihrer Erkrankung befinden, beginnen. Wären sie erfolgreich hätte dies den Vorteil, dass hier ein Medikament zur Verfügung stünde welches bereits (wenn auch in anderen Zusammenhängen) erprobt ist, wenig Nebenwirkungen hat und oral aufgenommen werden kann.

November 2002

- 26.11.2002