DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Entzündungen durch natürliches Protein vermindert?

TTP (Tristetraprolin) ist ein körpereigener Stoff. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass er in erhöhten Konzentrationen vor entzündungsbedingten Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schuppenflechte oder rheumatoider Arthritis schützen kann: Möglicherweise ergibt sich daraus ein neuer therapeutischer Ansatz.

Eine aktuelle Studie zeigt in verschiedenen Tiermodellen, dass immunbedingte Entzündungen durch ein Protein, TTP genannt, bekämpft werden könnten. Die Ergebnisse wurden aktuell in der renommierten Zeitschrift ‚Proceedings of the National Academy of Sciences‘ (PNAS) veröffentlicht.

Entzündungen im zentralen Nervensystem, dadurch entstehender Myelinabbau und Zerstörung von Axonen sind Kennzeichen einer Multiplen Sklerose. Eigentlich sind Entzündungen wichtig im Kampf des Körpers gegen eindringende Krankheitserreger – wenn diese Prozesse allerdings aus dem Ruder laufen, können Autoimmunerkrankungen wie MS entstehen. Viele gegenwärtig verfügbare Therapien beruhen auf der Injektion von Wirkstoffen, die entzündungsfördernde Komponenten wie z.B. Zytokine, blockieren.

TTP greift in genetische Prozesse ein

Vorangegangene Studien im Tiermodell hatten gezeigt, dass ein Fehlen von TTP bei Mäusen in entzündlichen Erkrankungen resultierte. Basierend auf dieser Beobachtung generierten die Forscher eine Veränderung im TTP-Gen, die auf eine erhöhte Produktion dieses Stoffes hinauslief, und testeten dieses in Tiermodellen entzündungsbedingter Erkrankungen. Im Ergebnis stellten sie fest, dass diese Erkrankungen bei höheren TTP-Konzentrationen zurückgingen. Noch genauer: Sie konnten zeigen, dass dieser Effekt tatsächlich durch TTP zustande kommt, indem es in genetische Prozesse der Zytokinproduktion eingreift, deren Konzentrationen im Blut dadurch herabsetzt und so vor Entzündungen schützt.

"Viele derzeitige Therapien für entzündungsbedingte Erkrankungen sind teuer und müssen per Injektion oder Infusion in den Körper eingebracht werden. Ein körpereigener Stoff als Pille oder Tropfen wäre ideal", so die führende Studienautorin Dr. Sonika Patial in einer Presseerklärung.
Natürlich muss an dieser Stelle wieder einmal betont werden, dass die Ergebnisse aus dem Tierversuch bei entsprechender Eignung erst einmal auf klinische Tests am Menschen ausgeweitet werden und der zeitaufwändige Prozess der Medikamententestung entsprechend den Zulassungsanforderungen durchlaufen werden müsste.

Quelle: www.multiplesclerosisnewstoday.com - 05. Februar 2016

- 09.02.2016