DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Forschung auf dem Weg zur individualisierten Therapie

Beim Kongress der European Academy of Neurology (EAN) diskutierten in Berlin rund 6.500 Experten aus aller Welt aktuelle Trends und Fortschritte in der Forschung und Therapie der Multiplen Sklerose: "Zu den wichtigen aktuellen Entwicklungen gehören die ständige Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten, die Bemühungen um eine maßgeschneiderte, individualisierte Therapie und neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Antigen-spezifischen Immunisierung", erklärt Prof.Xavier Montalban, Präsident des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) in einer Pressemitteilung.

Die Zahl der MS-Erkrankten in Europa wird auf mehr als 500.000 geschätzt. Die zahlreichen Sitzungen und Präsentationen zum Thema Multiple Sklerose auf dem EAN-Kongress seien auch Beleg für die enormen Fortschritte, die in der Forschung zur Multiplen Sklerose derzeit zu beobachten sind,betonte Prof. Montalban vom Vall d’Hebron Krankenhaus in Barcelona. Anliegen vieler MS-Experten sei es, verfügbare Therapien zielgerichteter einzusetzen. Die Wissenschaftler hoffen, dass Antigen-spezifische Therapien die unerwünschten Immunantworten, die für die MS typisch sind, unterdrücken, ohne die normale Immunfunktion zu beeinträchtigen, die zur Abwehr von Infektionen und Krebszellen benötigt wird.

Auf großes Interesse stieß beim EAN-Kongress die Präsentation von Ergebnissen der ETIMS- Studie (Etablierte Toleranz bei MS). "Kurz gesagt geht es bei diesem Ansatz darum, körpereigene Blutzellen mit unterschiedlichen Myelin-Peptiden zu verbinden, um dadurch eine Antigen-spezifische Toleranz zu erzielen", fasste Prof. Montalban zusammen. "Die Machbarkeit, Verträglichkeit und Sicherheit dieses neuen therapeutischen Ansatzes konnten damit gezeigt werden. Jetzt ist eine multizentrische Phase-IIa-Studie in Vorbereitung."
Der DMSG-Bundesverband berichtete über die Phase-1-Studie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).

Myelin-Peptine per Pflaster

Ein anderer Ansatz ist es, Myelin-Peptide über ein Pflaster zu verabreichen, wie Prof. Montalban berichtete: "Eine beeindruckende Studie, die ein polnisches Forscherteam aus Lodz durchgeführt und auf dem EAN-Kongress präsentiert hat, zeigt das immun-regulierende Potenzial einer transdermalen Immunisierung von MS-Patienten mit MS-Peptiden. In einer Phase-I-Doppelblindstudie mit 30 Patienten, die an schubförmig-remittierender MS litten, wurde eine deutliche Reduktion der Krankheitsaktivität gemessen. Das eröffnet den Weg zu neuen Verabreichungsformen von Peptide, immer auf der Basis eines Immunisierungskonzeptes."

Quellen:
BrainFacts.org, Brain Disease in Europe, November 2013; EAN Abstracts: Steinmann, Antigen-induced tolerance: Highly selective intervention in MS treatment; Barkof et al, Alemtuzumab Decreases New Lesion Formation and Slows the Rate of Brain Atrophy in Relapsing-Remitting Multiple Sclerosis Patients Previously Treated With Subcutaneous Interferon Beta-1a; Martin, Antigen-specific Tolerance in MS with Myelin Peptide Coupled Cells; Sellebjerg, MS Pathogenesis – where is it heading now?; Raftopoulos et al, Neuroprotection with phenytoin in acute optic neuritis: Results of a phase II randomised controlled trial; Tourbah et al, Effect of MD 1003 (high doses of biotin) in progressive multiple sclerosis: results of a pivotal phase III randomized double blind placebo controlled study.

Die EAN entstand im Vorjahr durch eine Zusammenführung der beiden europäischen neurologischen Fachgesellschaften, der European Federation of Neurological Societies (EFNS) und der European Neurological Society (ENS).

Quelle: Pressemitteilung der EAN - 23. Juni 2015

- 24.06.2015