DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose Forschung: Neues von der AAN

Ergebnisse aktueller Studien und neue Erkenntnisse zu den Themen "Progrediente Multiple Sklerose", "Diäten", "Lebensqualität" und "Myelin-Reparatur", standen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Erfahrungsaustausches auf dem 67.Jahrestreffen der American Academy of Neurology’s (AAN), in Washington, DC: Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.stellt in einer Serie interessante Ergebnisse vor-Teil 1 "MS aufhalten–Therapien".

Knapp 13.000 Kliniker und Forscher haben an diesem weltumspannenden Experten-Treffen teilgenommen. In den meisten Fällen sind die Ergebnisse der präsentierten Studien vorläufiger Art. Vieles muss noch weiter analysiert und auch in den Fachmedien veröffentlicht werden. Eine endgültige Sicherheit bei Studien ist erst dann erreicht, wenn andere Forscher in eigenen Studien zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

MS aufhalten – Therapien

Zahlreiche Studien zeigten einen andauernden Nutzen und die Sicherheit der verfügbaren Therapien und auch, dass eine frühe und kontinuierlich weitergeführte krankheitsmodifizierende Therapie einen Langzeitnutzen hinsichtlich der Krankheitsaktivität hat. Die Zunahme der Behinderung kann verlangsamt und die Lebensqualität bestmöglich erhalten werden.

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, eine krankheitsmodifizierende Therapie zu beenden?

Diese Frage stellten sich Dr. Ilya Kister von der New York University und das internationale MSBase Register Team. Sie beobachteten 181 Personen, die mit ihrer MS-Behandlung aufgehört hatten, nachdem sie fünf Jahre lang keine Schübe und keine Verschlechterungen mehr verspürt hatten. 24% von diesen MS-Erkrankten zeigten nach der Beendigung der Therapie wieder Schübe, bei 32% schritt die Erkrankung erneut voran und bei 10% war beides der Fall. 77 Patienten, das waren 42%, begannen wieder mit einer Therapie, was sich letztendlich in einem um 59% reduzierten Progressions-Risiko widerspiegelte. Die Autoren betonten, dass weitere, größere und besser kontrollierte Untersuchungen notwendig seien, um die Frage zu beantworten, wann es wirklich sinnvoll ist, eine Therapie zu beenden. (Abstract P5.192)

Wirkt ein Epilepsiemedikament schützend?

Eine Studie, die teilweise durch die MS-Gesellschaften der USA und Großbritanniens gefördert wurde, untersuchte, ob Phenytoin, ein Medikament gegen Epilepsie, schützend bei Nervenzerstörungen wirken könnte. Die Ergebnisse lieferten erste Hinweise auf einen schützenden Effekt, der aber noch bestätigt werden muss.
Wir berichteten

Biotin bei progredienter MS?

In einer klinischen Studie in Frankreich wurde 154 Personen, die eine primär oder sekundär progredient verlaufende MS hatten, mit einem experimentellen Wirkstoff namens MD1003 oder einem Placebo über 48 Wochen behandelt. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um hochkonzentriertes Biotin, das zur Gruppe der B-Vitamine gehört. Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass 12,6% derjenigen, die den Wirkstoff erhalten hatten, eine Verbesserung hinsichtlich der Behinderung erfuhren. Gemessen wurde dieses mit Hilfe der EDSS-Skala bzw. über Verbesserungen bei der Gehzeit. In der Placebogruppe wurde keinerlei Wirkung gefunden. Auch hier sind weitere Untersuchungen notwendig, um festzustellen, welche Patienten wirklich von einer solchen Behandlung profitieren. Die Herstellerfirma gab bekannt, dass eine weitere Studie bereits läuft, deren Ergebnisse später in diesem Jahr veröffentlicht werden sollen. (Abstract PL2.002)

Enttäuschende Ergebnisse für Fingolimod bei PPMS

Dr. Fred Lublin (Corinne Goldsmith Dickinson Center for MS at Mount Sinai Med. Ctr., New York) und seine Kollegen führten eine dreijährige Studie zur Behandlung der primär progredienten MS (PPMS) mit Fingolimod durch – aber die Behandlung konnte das Fortschreiten der Erkrankung nicht stoppen.
Wir berichteten (Emerging Science Abstract 006)

Warum wirken Immuntherapien bei progredienter MS nicht?

Dr. Mika Komori und sein Team untersuchten Proben des Nervenwassers (der Rückenmarksflüssigkeit) von 386 Patienten mit progredienter und schubförmiger MS im Vergleich zu Personen, die keine MS hatten. Dabei analysierten sie die Anzahl und speziellen Eigenschaften verschiedener Immunzellen. Sie beobachteten bei Patienten mit progredienter MS Indikatoren für Entzündungen im Nervenwasser und die Tatsache, dass deren Immunzellen mit größerer Wahrscheinlichkeit im Gehirn und Rückenmark eingelagert werden. Dagegen zirkulierten die Immunzellen der Patienten mit schubförmiger MS eher im Blut- und Lymphsystem. Diese Ergebnisse könnten ein Hinweis darauf sein, dass eine Therapie für die progredienten Formen der MS in das Gehirn hineinkommen muss, um dort wirken zu können. (Abstract S12.001; gerade veröffentlicht)

Quelle: Research News NMSS, USA - 04. Mai 2015

- 08.05.2015