DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Funktionen wiederherstellen – Wellness und Rehabilitation

Lesen Sie hier den zweiten Teil unseres Berichts von der AAN 2014. Zahlreiche Veranstaltungen beschäftigten sich mit Themen wie Diät, Kognition, und Aktivierung von Fähigkeiten. Es gibt viele Ansätze, um die Lebensqualität für MS-Erkrankte zu verbessern.

Kognitive Fähigkeiten bei Kindern

Dr. Lauren Krupp (State University of NY, Stony Brook) und Wissenschaftler vom Netzwerk der Pädiatrischen MS Center untersuchten bei 67 Kindern mit MS über einen Zeitraum von zwei Jahren, ob und welche kognitiven Veränderungen auftraten. Am häufigsten wurden bei einigen Kindern Schwierigkeiten bei visuellen oder motorischen Anpassungsreaktionen, bei der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und bei der Aufmerksamkeit beobachtet. Bei den meisten Kindern verschlechterten sich die kognitiven Fähigkeiten in dieser Zeit allerdings nicht. Die Gesamtproblematik sollte nicht aus dem Fokus verloren werden.

Vegane Diät

Dr. Vijayshree Yadav (Oregon Health & Science University) und Kollegen untersuchten den Einfluss einer veganen und fettarmen Diät bei 61 Studienteilnehmern mit schubförmiger MS. Sie berichteten über die 1-Jahres-Ergebnisse bezüglich Krankheitsaktivität, Mobilität, Fatigue, Cholesterinwerten, Körpergewicht und Compliance. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt für 10 Tage ein Diät- und Kochtraining, die Kontrollgruppe nicht. Die Ergebnisse wiesen keine signifikanten Veränderungen bei den MRT-Bildern, bei EDSS und Mobilität auf. Fatigue-Werte dagegen verbesserten sich deutlich. Die Teilnehmer zeigten eine gute Compliance, d.h. sie hielten die Diät auch gut durch. Sie verloren an Gewicht und ihre Cholesterinwerte verbesserten sich. Obwohl größere Studien unbedingt noch vonnöten sind tragen diese Ergebnisse schon dazu bei, zu verstehen, ob und wie eine Diät für MS-Patienten unter Umständen hilfreich sein könnte.

Das Gehirn aktivieren durch erzwungene Bewegung

Dr. Victor Mark (University of Alabama, Birmingham) berichtete über eine Bewegungstherapie, bei der der von einer Person bevorzugte besser bewegliche Arm immobilisiert wird, z.B. stillgelegt durch eine Schiene. Der durch die MS stärker geschwächte Arm wird dann gefordert, Übungen und bestimmte Bewegungen durchzuführen, um den Gebrauch dieses Arms im täglichen Leben anzuregen. Diese Therapie nennt man auch "Forced use" (erzwungener Gebrauch). 20 an progressiver MS erkrankte Versuchspersonen wurden in die Studie eingeschlossen, wobei eine Gruppe die oben beschriebene Therapie erhielt, während die Kontrollgruppe Aktivitäten wie Aquatherapie, Massage und Yoga ausführte. Der Gebrauch des schwächeren Armes verbesserte sich in der Versuchsgruppe und das Hirngewebe im Kortex (der äußeren Schicht des Gehirns) nahm signifikant zu. In der Kontrollgruppe war das nicht der Fall. Wenn sich diese Ergebnisse bestätigen lassen, könnte durch eine sehr einfache Methodik eine große Wirkung erzielt werden.

Salsa für Jedermann?

Rosalind Mandelbaum, Dr. Albert Lo und Kollegen (Brown University/Providence VA Medical Center) schlossen acht MS-Erkrankte in ein vierwöchiges Salsa-Tanz-Programm ein. Geübt wurde zweimal wöchentlich. Deutliche Verbesserungen beim Gehen und beim Gleichgewicht wurden beobachtet – sowohl sofort nach dem Programm als auch nach weiteren drei Monaten. Es ist jetzt eine größere Studie geplant, die letztlich dazu führen soll, dass vermehrt Tanzen als Therapie zur Verbesserung von Funktionen bei MS eingesetzt wird.

Magnetstimulation bei Depressionen

Depressionen sind ein häufiges Symptom bei MS-Erkrankten. In den USA ist die so genannte "Repetitive Transcranielle Magnet Stimulation (rTMS)" zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Durch ein Gerät, das elektromagnetische Impulse erzeugt und auf den Kopf aufgesetzt wird, sollen spezifische Hirnaktivitäten angeregt werden. Ein Team um Dr. Sven Schippling (Universität Zürich) wählte auf Zufallsbasis 18 MS-Erkrankte in eine Gruppe, die über 6 Wochen rTMS-Behandlungen erhielt, und 10 MS-Erkrankte, die Scheinbehandlungen erhielten. Die Hälfte der Versuchspersonen aus der Behandlungsgruppe, bei denen der Bereich des Motorcortex (derjenige Bereich der Hirnrinde, der für die Motorik zuständig ist) behandelt worden war, zeigte eine signifikante Abnahme der Depressionen sowie eine leichte, jedoch nicht signifikante Abnahme ihrer Fatigue während der Behandlung. Die Verminderung der Fatigue wurde in der Nachbeobachtungszeit dann aber noch deutlicher. Neun Teilnehmer, die die Magnetstimulation in einer anderen Hirnregion erhalten hatten sowie die Gruppe mit der Scheinbehandlung verbesserten sich nicht. Nun sind größere Studien vonnöten, um die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Behandlung für MS-Symptome zu untersuchen.

Sie haben den ersten Teil unseres AAN-Berichtes noch nicht gelesen? Hier finden Sie ihn:
Neues von der AAN 2014: Multiple Sklerose aufhalten – neue Therapien

Quelle: Research News NMSS, 14. Mai 2014

- 06.06.2014