DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Können Videospiele Gehirnfunktionen verbessern?

Vergesslichkeit, Verwirrtheit und Konzentrationsprobleme sind häufige Symptome bei Multipler Sklerose (MS). Diverse Trainingsmöglichkeiten sind beschrieben–aber hilft auch "Daddeln"?

"Ja" sagt eine aktuelle Studie: Videospiele können die Hirnfunktionen bei MS-Erkrankten verbessern. In einer Veröffentlichung im Journal "Radiology" wird gezeigt, dass solche Spiele die Verbindungen zwischen Nervenzellen im Thalamus verstärken können. Der Thalamus ist eine Hirnregion, die eine besondere und zentrale Rolle in der Informationsverarbeitung spielt. Daneben zeigen die Ergebnisse auch wieder deutlich, dass das Gehirn lebenslang dazu fähig ist, neue Verbindungen und Vernetzungen aufzubauen.

Spielerisch gegen den "Brain Fog" vorgehen

Bei Multipler Sklerose treten zusätzlich zu körperlichen Symptomen, oft auch unabhängig von diesen, kognitive Probleme auf. Das Denken ist erschwert; Vergesslichkeit, kurzzeitige Verwirrtheit und Konzentrationsprobleme treten auf und machen zum Beispiel alltägliche Vorgänge plötzlich kompliziert. In der englischsprachigen Literatur wir dieses oft auch als "Brain Fog" bezeichnet und beschreibt Schädigungen im Thalamus und seinen Verbindungen zu anderen Hirnregionen.

Wissenschaftler um Dr. Laura De Giglio von der Universität Rom in Italien schlossen 24 MS-Erkrankte mit kognitiven Problemen in ein Rehabilitationsprogramm ein, das auf speziellen Videospielen basierte. Diese Spiele werden auch als "Dr. Kawashima`s Hirntraining" bezeichnet, nach einem japanischen Neurowissenschaftler, der sie entwickelte. Inhalte sind Puzzles, Worterinnerungsspiele und andere mentale Herausforderungen. Die Studie lief über 8 Wochen, die Teilnehmer wurden in eine Trainingsgruppe und eine Kontrollgruppe unterteilt. Getestet wurden 30-minütige Spielezeiten, jeweils fünfmal pro Woche, die die Studienteilnehmer bei sich zu Hause absolvierten.

Mit dem MRT der Wirkung im Gehirn auf der Spur

Vor Studienbeginn und nach Ablauf der 8 Wochen wurden die Patienten sowohl mittels herkömmlicher kognitiver Tests als auch mit Hilfe einer speziellen MRT-Technik untersucht, die den Zustand der Verbindungen zwischen den Neuronen im Gehirn (auch Konnektivität genannt) messen kann. Die Methode wird als "Resting state functional MRI” (RS-fMRI) bezeichnet, auf Deutsch etwa "Funktionelles MRT im Ruhezustand” und ist eine relative neue und aussagekräftige Möglichkeit zur Bestimmung regionaler Wechselwirkungen im Gehirn.

"Ein funktionelles MRT erlaubt Untersuchungen dahingehend, welche Hirnareale gleichzeitig aktiv sind und gibt Informationen zur Beteiligung bestimmter Areale an speziellen Hirnverbindungen," sagt Dr. De Giglio in einer Presseerklärung: "Wenn wir über verstärkte Verbindungen sprechen, meinen wir, dass diese verändert worden sind – und dass möglicherweise mehr Areale zusammenarbeiten."

Teilnehmer verbesserten ihre kognitiven Fähigkeiten

In der Studie konnte nachgewiesen werden, dass die Patienten in der Video-Spiel-Gruppe am Ende der Trainingsphase eine wesentlich bessere Konnektivität im Thalamus aufwiesen. Sie schlossen auch besser ab bei entsprechenden Tests zu kognitiven Fähigkeiten, die für die Organisation des täglichen Lebens und verschiedene Verhaltensweisen ausschlaggebend sind.

"Diese verbesserte Konnektivität spiegelt die Tatsache wider, dass Erfahrungen aus Videospielen die Arbeitsweise unterschiedlicher Hirnstrukturen verändern," sagt Dr. De Giglio. "Das bedeutet, dass auch ein inzwischen allgemein viel verwendetes Tool wie Videospiele die Plastizität des Gehirns verbessern und somit hilfreich in der Rehabilitation von Menschen mit MS und kognitiven Problemen sein kann."

Die Forscher wollen nun weiterhin untersuchen, ob die verbesserten Konnektivitäten sich auch auf andere Aspekte des täglichen Lebens der Patienten auswirken und wie Videospiele gemeinsam mit anderen, etablierten, Techniken in ein Rehabilitationsprogramm für MS-Erkrankte einbezogen werden können.

Willkommen bei MS Kognition - das Internet-Projekt der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) zur Stärkung der kognitiven Fähigkeiten für Menschen mit MS und alle anderen Interessierten. Viel Vergnügen beim Trainieren!

Quelle: PM von medicalxpress, multiplesclerosisnewstoday - 10. März 2016

- 14.03.2016