DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Neue MRT-Technik kann Läsionen besser zuordnen

Läsionen im Gehirn können auch bei anderen Erkrankungen als Multiple Sklerose auftreten. Eine neue MRT-Technik eröffnet eine Möglichkeit für eine sichere und schnellere Diagnose.

Über dieses Ergebnis berichten Wissenschaftler von der Universität Nottingham in einer Studie, die aktuell im ‚Multiple Sclerosis Journal‘ veröffentlicht wurde.

Die Erstellung von MRT-Aufnahmen ist eine Methode, die aus der Diagnostik von Hirnerkrankungen nicht mehr wegzudenken ist. Sie dient insbesondere der Sichtbarmachung von Anomalien im Gehirn und ist besonders sensitiv dafür, Läsionen in der weißen Substanz aufzuspüren. Zumeist sind solche Läsionen das Ergebnis einer zerebralen Mikroangiopathie, einer Schädigung der kleinsten Blutgefäße im Gehirn. Wie wir aber wissen, sind Läsionen in der weißen Substanz auch ein diagnostisches Kennzeichen der Multiplen Sklerose. Bei dieser Erkrankung entstehen sie durch autoimmun bedingte Zerstörung des Myelins. Ein herkömmliches MRT, das routinemäßig in der Diagnostik eingesetzt wird, kann nicht immer exakt unterscheiden, welche Ursache zu einer Läsion geführt hat.

Ist es MS? Was hat die Läsionen verursacht?

Um hier möglicherweise die Genauigkeit einer Diagnose verbessern und eine klarere Unterscheidung finden zu können, testeten die Wissenschaftler einen speziellen MRT-Typ, 3-T T2*-gewichtetes MRT genannt. Dieser Typ eines bildgebenden Verfahrens kann speziell Läsionen in der weißen Substanz aufzeigen, die sich um eine Vene herum konzentrieren – ein charakteristisches Merkmal bei MS.

Im ersten Teil der Studie wurden 10 MS-Patienten und 10 Patienten mit Läsionen anderer Herkunft getestet. Die anonymisierten Scans wurden hinsichtlich der klinischen Daten verblindet analysiert, das heißt, diejenigen, die sie auswerteten, hatten keine Kenntnis über das jeweilige Krankheitsbild der Versuchsperson. Um die Vergleichbarkeit zu optimieren, wurden einfache diagnostische Regeln aufgestellt, die dann wiederum an einer weiteren Gruppe von 20 Patienten (13 mit MS und 7 mit anderen Läsionen) überprüft wurden.

Die Ergebnisse zeigten, dass bei allen 10 MS-Patienten in der ersten Gruppe in mehr als 45% ihrer Hirnläsionen mittig gelegene Venen zu sehen waren; bei den 10 Patienten mit anderweitigen Läsionen waren es weniger als 45%. Bei der dann folgenden, den aufgestellten Regeln entsprechenden und geblindeten Überprüfung der zweiten Versuchsgruppe konnten alle Patienten schnell und korrekt diagnostiziert werden. Die Wissenschaftler glauben, so eine Methode gefunden zu haben, die Läsionen in der weißen Substanz besser unterscheiden und eine MS-Diagnose verbessern kann.

Hilfreiche Ergänzung für die MRT-Diagnostik

Der leitende Studienautor, Dr. Nikos Evangelou, sagte in einer Presseerklärung: "Uns ist natürlich bekannt, dass die großen und starken MRT-Geräte, die in der Forschung verwendet werden, den Anteil der Läsionen, die mit Venen in Zusammenhang stehen, leicht herausfiltern können. Diese Geräte sind aber in der täglichen Routine nicht verfügbar. So haben wir versucht herauszufinden, ob ein Scan eines normalen Klinikgerätes bei entsprechender Untersuchungstechnik ebenso unterscheiden kann, ob eine Läsion eher auf MS oder auf eine andere Ursache hindeutet. Wir freuen uns, mit der Anwendung dieser Technik eine Möglichkeit gefunden zu haben, die herkömmliche MS-Diagnostik zu ergänzen."

- 04.03.2016