DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose und die Gene: Unterschiede zwischen Mann und Frau

Eine spanische Studie hat gezeigt, dass bei Multipler Sklerose Schübe und deren Rückbildung durch RNA-Moleküle beeinflusst werden, deren Regulation bei Männern und Frauen unterschiedlich verläuft.

Ein spanisches Forschungsteam hat versucht herauszufinden, ob ein bestimmter Typ von Genregulation Schübe und Rückbildungen bei schubförmiger MS (RRMS) beeinflussen kann. Dazu entnahmen sie Blutproben bei 24 RRMS-Patienten und der gleichen Anzahl gesunder Kontrollpersonen. Bei den MS-Erkrankten wurden jeweils zwei Proben genommen: eine in der Schubphase und eine weitere während der Rückbildung. Aus diesen Proben isolierten die Forscher RNA aus Immunzellen und schauten, in welchen Mengen die sncRNA`s darin enthalten waren. Die Ergebnisse wurden nach Männern und Frauen getrennt analysiert, aber auch für Krankheits- und Kontrollgruppe als Ganzes. Um auszuschließen, dass Veränderungen in den RNA-Konzentrationen durch Änderungen in den Therapien verursacht werden, wurden für Vergleiche jeweils Personen herangezogen, die in beiden Krankheitsphasen, also während Schub und Remission, die gleiche Medikation erhalten hatten.

Wissenschaftler finden zunehmend Ergebnisse dazu, dass bestimmte kleine RNA-Moleküle, sncRNA`s genannt, bei der Genexpression eine wichtige Rolle spielen. Mit dem Begriff ‚Genexpression‘ wird beschrieben, wie die Information eines Gens (bestimmten DNA-Sequenzen) letztendlich umgesetzt wird, zum Beispiel durch die Biosynthese von Proteinen, die ihrerseits dann verschiedene Stoffwechselreaktionen beeinflussen. Verschiedenste Arten von RNA-Molekülen spielen dabei ebenfalls mit, indem sie sich an die DNA anheften und die Genexpression so verstärken oder hemmen können.

Bei der Therapie sollen die hormonellen Unterschiede der Geschlechter Beachtung finden

Mit Hilfe spezieller molekularbiologischer Techniken identifizierte das Forscherteam zahlreiche Unterschiede in der Ausprägung von sncRNA`s bei Schub und Rückbildung, insbesondere auch zwischen Männern und Frauen. Bei Frauen wurden viel häufiger Veränderungen in der Ausprägung der sncRNA`s gefunden und zum Beispiel in der Rückbildungsphase auch viel komplexere Netzwerke von Genen und sncRNA`s beobachtet als bei Männern.

Die Forscher bringen dieses mit der unterschiedlichen Ausstattung mit Geschlechtshormonen bei Mann und Frau in Verbindung und betonen, dass diese Unterschiede bei der Therapie der MS viel stärker beachtet werden müssten. Zusätzlich bieten die unterschiedlichen Ausprägungsmuster in den zwei beobachteten Krankheitsphasen die Möglichkeit, die Mechanismen von Schubauslösung und Rückbildung noch genauer untersuchen zu können.

Quelle: multiplesclerosisnewstoday - 15. Februar 2016

- 16.03.2016