DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

"Gutes" Cholesterin wirkt Läsionsbildung bei Multipler Sklerose entgegen

Schädliche Cholesterinwerte werden vorrangig im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Krankheiten und Arteriosklerose diskutiert. Welchen Zusammenhang gibt es mit MS?

Studien haben bereits früher gezeigt, dass ein hoher Cholesterinspiegel bei Multipler Sklerose einen negativen Einfluss auf die Bildung von Läsionen haben kann. Wir wissen: Es gibt das so genannte "gute" und "schlechte" Cholesterin. Ist das "gute", das HDL (high-density lipoprotein), auch bei MS der wirkende Faktor? Ein Team von der Universität Buffalo hat herausgefunden, dass das "gute" Cholesterin schützend auf die Blut-Hirn-Schranke wirkt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Journal Of Lipid Research.

 

Um den Einfluss von HDL auf die MS besser zu verstehen, begleitete das Team eine Patientengruppe über vier Jahre, nachdem bei den jeweiligen Patienten erste Symptome (ein erstes demyelinisierendes Ereignis) aufgetreten waren. Eingeschlossen waren 154 Patienten, die an einer Studie zu Beta-Interferonen teilnahmen. Untersucht wurden Blutproben und das Nervenwasser; die Cholesterinspiegel wurden analysiert und anhand bestimmter Marker der Zustand der Blut-Hirn-Schranke und die Immunaktivität im Gehirn festgestellt.

Das "gute" HDL-Cholesterin bremst die Schäden

Im Ergebnis fand das Team, dass ein höherer Gehalt an HDL-Cholesterin mit weniger Schädigung der Blut-Hirn-Schranke in Verbindung stand. Die Autoren schlussfolgern, dass das HDL den Beginn und/oder die Aufrechterhaltung einer Schädigung der Blut-Hirn-Schranke bereits nach einem ersten demyelinisierenden Ereignis hemmen kann.

Schutz für die Blut-Hirn-Schranke

"Unsere Ergebnisse sind besonders wichtig, da wir diese schützende Wirkung bereits sehr früh im Krankheitsverlauf gefunden haben”, sagt der führende Autor der Studie, Dr. Murali Ramanathan, Professor für pharmazeutische Wissenschaften an der UB School für Pharmazie und Pharmazeutische Wissenschaften und Professor für Neurologie an der Jacobs School für Medizin und Biomedizinische Wissenschaften an der Universität Buffalo. Das kann sehr bedeutsam sein, nicht nur für die Entwicklung neuer Therapien, sondern auch hinsichtlich Krankheitsprävention und –bewältigung. Zum ersten Mal konnte klar nachgewiesen werden, dass HDL die Blut-Hirn-Schranke vor einer Zerstörung schützt, so Dr. Ramanathan. Diese Zerstörung ist der erste Schritt, damit Hirnläsionen entstehen können: Sie erlaubt den schädigenden Immunzellen, ins Gehirn einzudringen, Läsionen und Gewebeschädigungen zu verursachen.

Progressions-Risiko senken

Die Höhe des Cholesterinspiegels wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst: eine Rolle spielen genetische Faktoren, die Ernährungsweise, das Rauchen und körperliche Aktivitäten. Ein besseres Verständnis dieser Faktoren kann auch für die Beratung von MS-Erkrankten von Nutzen sein, die das Risiko einer Progression senken wollen – oder auch für Menschen mit bereits bekannten MS-Risikofaktoren.

Wissenswertes zu Cholesterin:

Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die vielfältige Aufgaben im Organismus erfüllt. Es ist z.B. am Aufbau der Zellmembran und an vielen Stoffwechselvorgängen des Gehirns beteiligt. Es ist Ausgangsstoff für die Produktion von Gallensäuren, die der Fettverdauung dienen, sowie für die Bildung von Vitamin D und bestimmten Hormonen (z.B. Östrogen, Testosteron und Cortisol). Das meiste Cholesterin stellt der Körper selbst her. Zusätzlich wird es über die Nahrung aufgenommen.

In der Medizin unterscheidet man zwischen "gutem" und "schlechtem" Cholesterin: Die Substanz, da fetthaltig, ist schlecht wasserlöslich und kann im Blut allein nur schwer transportiert werden. Deshalb verpackt der Körper das Cholesterin in zwei Formen einer Eiweißhülle aus Lipoproteinen. Sogenannte LDL-Teilchen (Low Density Lipoprotein) transportieren Cholesterin in den Körper hinein und lagern sich in den Wänden der Blutgefäße ab. Dadurch steigt das Risiko einer Arteriosklerose. Diese LDL-Partikel werden deshalb auch als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet.

Die zweite Transportform ist das High Density Lipoprotein (HDL). Dieses löst das Cholesterin aus den Wänden der Blutgefäße heraus und transportiert es aus dem Körper. Dieses "gute" HDL-Cholesterin schützt die Blutgefäße vor Arteriosklerose.

Insgesamt allerdings sind konkrete Werte zu den Cholesterinspiegeln immer noch umstritten. Einig sind sich Experten allerdings darin: Während die Konzentration von HDL-Cholesterin hoch sein darf, muss die Konzentration von Low Density Lipoprotein gering gehalten werden.

Quelle: Multiple Sclerosis News Today © 2015 BioNews Services, LLC, www.ms-uk.org vom 08. Oktober 2015 Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 12. Oktober 2015

- 12.10.2015