DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose und Sehnerventzündung: Hilft Anti-LINGO bei der Reparatur?

Eine Entzündung des Sehnervs gehört zu den häufigsten Symptomen der Multiplen Sklerose (MS). Ein neuer Wirkstoff, Anti-LINGO, kann möglicherweise bei der Reparatur zerstörter Sehnerven helfen. Das fand eine aktuelle Phase II Studie heraus.

Dieser Wirkstoff, über den auch unter der Bezeichnung BIIB033 berichtet wurde (Wir berichteten), zielt auf ein Protein im zentralen Nervensystem, das die Myelinproduktion beeinflusst. Bei Anti-LINGO handelt sich um einen experimentellen monoklonalen Antikörper, der das Myelinwachstum wieder anregen und damit möglicherweise auch die Progression der Erkrankung verhindern kann.

Die Studie, zu deren Ergebnissen die Herstellerfirma kürzlich erste Informationen veröffentlichte, untersuchte mögliche Wirkungen von Anti- LINGO auf die Optikusneuritis, eine Entzündung des Sehnerven, die oftmals bei Multipler Sklerose auftritt; häufig auch als Erstsymptom. Es handelt sich um eine randomisierte, doppelt geblindete und Placebo-kontrollierte Studie mit insgesamt 84 Teilnehmern (RENEW Studie).

Die RENEW Studie untersuchte den Einfluss von Anti-LINGO, indem die Dauer der Weiterleitung eines Reizes zwischen der Retina (der Netzhaut) und dem Sehzentrum im Gehirn gemessen wurde. Dazu wurde eine spezielle Technik verwendet, ähnlich der Messung der uns bekannten visuell evozierten Potentiale (siehe auch in der Virtuellen MS-Klinik unter www.dmsg.de), die als Vollfeld – visuell evoziertes Potential (FF-VEP) bezeichnet wird. Gemessen wurde im Endeffekt die FF-VEP-Latenz (die Zeit, die ein Signal braucht um von der Netzhaut zum Sehzentrum im Gehirn zu gelangen) 24 Wochen nachdem der Ausgangswert beim noch unbehandelten Patienten bestimmt worden war. Ab dem Beginn der Studie hatten die Patienten in der Wirkstoffgruppe Anti-LINGO (BIIB033) in einer Dosierung von 100 mg/kg Körpergewicht mittels Infusion einmal alle 4 Wochen über insgesamt 20 Wochen erhalten; die Placebogruppe eine entsprechend gleiche Behandlung mit einer inaktiven Substanz.

Im Ergebnis konnten laut Aussagen der Herstellerfirma mit 34% statistisch signifikante Verbesserungen gefunden werden. Inwieweit dieses wirklich mit Reparaturvorgängen in Zusammenhang gebracht werden kann, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen. Ebenso, ob die Ergebnisse, die bei der Optikusneuritis gefunden wurden, auch auf das Vollbild der Multiplen Sklerose übertragen werden können.

Wenig Nebenwirkungen

Der Wirkstoff erwies sich insgesamt als gut verträglich. Zwei Patienten zeigten Infusionsreaktionen und bei einem wurde eine Erhöhung der Leberwerte gefunden, die sich nach Beendigung der Therapie wieder normalisierten.
Untersucht wird der Wirkstoff auch bei schubförmiger und sekundär progredienter Multipler Sklerose derzeit in Phase II.
(Was bedeutet Phase II?)
Die Studie läuft unter der Bezeichnung SYNERGY – erste Ergebnisse werden im Jahr 2016 erwartet.

Weiterführende Links

 

Quelle: www.ms-uk.org - 08. Januar 2015, www.clinicaltrials.gov

- 12.01.2015