DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Veränderungen des Geschmackssinns bisher unterschätzt

Die Beeinflussung des Geschmacksempfindens kommt bei MS-Erkrankten häufiger vor als bisher angenommen: Dieses Studienergebnis haben Wissenschaftler von der Universität Pennsylvania in der Zeitschrift ‚Journal of Neurology‘ veröffentlicht.

MS-Erkrankte berichten sehr häufig über sensorische Probleme (Störungen in den Sinnesempfindungen) als Symptome ihrer Erkrankung. Solche Defizite stehen darüber hinaus eng in Verbindung mit dem Ausmaß der Hirnläsionen. Zumeist werden Taubheitsgefühle in den verschiedensten Körperbereichen, Kribbeln oder Sehprobleme angegeben. Symptome, die sich auf den Geschmackssinn beziehen, werden seltener genannt, wurden wesentlich seltener untersucht und sind bisher noch weitgehend unverstanden. Insbesondere ist kaum etwas darüber bekannt, wie Veränderungen des Geschmackssinns mit dem Myelinabbau im Gehirn in Zusammenhang stehen.

Der Zusammenhang von Hirnläsionen und Geschmackssinn

Bisher verfügbare Daten geben an, dass zwischen 5 und 20% der MS-Erkrankten unter diesem Symptom leiden. Es ist auch nicht so leicht fassbar: oft ergeben sich Schwierigkeiten bei der Selbsteinschätzung der Betroffenen daraus, dass Geschmacks- und Geruchsempfinden in engem Zusammenhang stehen – das macht eine Einschätzung weniger starker Veränderungen beim Geschmack schwierig und führt oftmals zu irrtümlichen Eindrücken.

Wissenschaftler von der Universität Pennsylvania haben nun versucht, Geschmacksstörungen bei MS-Erkrankten im Vergleich mit gesunden Kontrollpersonen besser zu bewerten. Darüber hinaus widmeten sie sich der Frage, ob und inwieweit diese Störungen mit der Anzahl und der Größe von Hirnläsionen in Zusammenhang stehen.

Einschränkungen bei Menschen mit MS

In die Studie wurden 73 MS-Erkrankte und 73 gesunde Kontrollpersonen eingeschlossen. Sie wurden anhand spezieller Messzahlen (Scores) hinsichtlich ihrer Empfindlichkeit gegenüber 4 Geschmacksrichtungen untersucht: süß (Zucker), sauer (Zitronensäure), bitter (Koffein) und salzig (Natriumchlorid; Kochsalz). In jeweils 96 Einzeltests wurden unterschiedliche Regionen auf der Zunge getestet. Darüber hinaus wurden mittels MRT Anzahl und Größe von Läsionen in verschiedenen MS-betroffenen Hirnregionen untersucht.

Im Ergebnis fand sich, dass Menschen mit MS in ihrer Fähigkeit, Geschmacksrichtungen zu identifizieren, beträchtlich eingeschränkt waren – und das in höherem Maße als erwartet. Die entsprechenden Scores, die zur Messung des Geschmacksempfindens eingesetzt worden waren, lagen bei allen Geschmacksrichtungen im Vergleich zu den Kontrollpersonen beträchtlich niedriger – besonders aber bei ‚süß‘ und ‚salzig‘. Insgesamt waren 15 bis 32% der untersuchten MS-Erkrankten von Geschmacksveränderungen in den unterschiedlichen Richtungen betroffen – das sind nahezu doppelt so viele als aus bisherigen Untersuchungen angenommen.

Darüber hinaus fanden die Wissenschaftler, dass sich die Scores für das Geschmacksempfinden umgekehrt proportional zur Anzahl und zum Volumen der Läsionen in den verschiedensten Hirnbereichen verhielten. Das heißt: je geringer die Punktzahlen, desto mehr und größere Läsionen und umgekehrt.
"Es handelt sich hier um die umfangreichste Studie, die den Einfluss der MS auf das Geschmacksempfinden untersucht hat. Es scheint so, dass eine beträchtliche Zahl dieser Patienten hier Defizite hat - mehr als ursprünglich gedacht. Das weist darauf hin, dass veränderte Geschmacksfunktionen auch ein häufiges Symptom bei MS sind – auch wenn diese nicht immer so deutlich spürbar sind wie zum Beispiel Störungen des Sehvermögens", so Dr. Richard Doty, der leitende Studienautor. "Die Ergebnisse geben uns auch erste Einblicke in die Hirnbereiche, die dieses Symptom beeinflussen."
Insgesamt ein sehr interessantes Ergebnis, von dem viele MS-Erkrankte sagen werden: "Das ist auch bei mir der Fall."

Weitere Untersuchungen sind notwendig, um den Zusammenhang zwischen Veränderungen im Geschmackssinn und Multipler Sklerose noch genauer aufzuklären.

Quelle: www.multiplesclerosisnewstoday.com - 09. Februar 2016

- 10.02.2016