DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Voraussage des Verlaufes möglich?

Amerikanische Wissenschaftler haben ein statistisches Modell entwickelt, um den Grad einer möglichen Verschlechterung der Erkrankung prognostizieren zu können.

Multiple Sklerose ist eine chronische, bisher unheilbare Erkrankung, deren Verlauf für den einzelnen Erkrankten nur schwer vorhersagbar ist. Insbesondere zu Beginn der Erkrankung ist das für die Betroffenen eine große Belastung, die sie ihr ganzes Leben lang begleitet. Wissenschaftler in aller Welt beschäftigen sich damit, mögliche Vorhersagefaktoren zu finden, zum Beispiel in Form von Biomarkern oder mit Hilfe des MRT. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. berichtete:

Eine Studie amerikanischer Wissenschaftler, die kürzlich im Journal ‚Statistical Methods in Medical Research’ veröffentlicht wurde, zeigt eine neue statistische Methode, um den Verlauf der Erkrankung bei MS-Patienten zu ermitteln. Sie entwickelten ein Modell, das vorhersagen soll, ob die Erkrankung weiter voranschreitet – und zwar für einen individuellen Patienten. Dabei stützt sich die Methode sehr stark auf die Krankheitsgeschichte des jeweiligen MS-Erkrankten.

"Unser Ziel war es, personalisierte Wahrscheinlichkeiten für MS-Erkrankte zu erstellen, in Hinsicht darauf, wo im Krankheitsverlauf sie sich zum gegebenen Zeitpunkt befinden und wohin sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft entwickeln werden", so der leitende Autor der Studie, Dr. David Engler.

Das Modell basiert auf Daten von Patienten, die alle 6 Monate ihren behandelnden Arzt aufsuchen. In den aufeinander folgenden Besuchen werden jeweils der Behinderungsgrad in Form der EDSS-Skala sowie Informationen zu erlebten Schüben erhoben. In dem neu entwickelten Modell trägt der behandelnde Arzt jeweils die Daten zu EDSS und Schüben der letzten beiden aufeinander folgenden Besuche ein. Dazu einige demographische Daten des entsprechenden Patienten. Dafür gibt der Patient an, ob er in den vergangenen 6 Monaten seit dem letzten Besuch einen Schub gehabt hat - und wenn ja, gewichtet er die Schwere der Schubsymptome auf einer 21-stufigen Skala (0, 0.5, 1.0…..9.0, 9.5, 10).
Das Modell kann dann, basierend auf den gelieferten Informationen, Aussagen dazu treffen, wie die Chancen stehen, dass die MS sich in einem milderen Maße weiter entwickeln wird, dass sie in ein aggressiveres Stadium übergehen wird oder bis zum nächsten regulären Arztbesuch in 6 Monaten in dem derzeit bestehenden Stadium verbleiben wird.

Therapie anpassen - Ängste abbauen

"Wenn das Modell darauf hinweist, dass sich der Krankheitsverlauf eines Patienten in den kommenden 6 Monaten verschlechtert, könnte der Arzt die Therapie entsprechend anpassen", erklärt Dr. Engler. Im entgegengesetzten Fall kann das Modell auch dazu beitragen, Ängste bei MS-Erkrankten abzubauen.

Das Modell wurde an einer Kohorte von 1.123 MS-Patienten in Boston getestet und als gut geeignet eingeschätzt, um den Krankheitsverlauf zu beurteilen. Darüber hinaus gab es Hinweise auf Vorhersagefaktoren für einen Übergang von der schubförmigen Phase der Erkrankung hin zu einem sekundär progredienten Verlauf.

Quelle: multiplesclerosisnewstoday.com - 06. August 2015

- 18.08.2015