DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Neue Ansätze bei MS-Therapie

Dem Wissenschaftler Prof. Wolfgang Brück vom Institut für Neuropathologie der Berliner Charité ist ein großer Schritt zum besseren Verständnis der Krankheit MS geglückt. Bislang galt die MS hauptsächlich als Autoimmunerkrankung und so wird sie auch therapiert.

Der Forscher fand nun heraus, daß die durch MS verursachten Gewebeschäden verschiedener Patienten unter dem Mikroskop ganz unterschiedlich aussehen. Dies interpretierte er so, dass MS vermutlich nur ein Sammelbegriff für verschiedene Variationen der Erkrankung ist und diese somit auf sehr unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein könnte.

Neben Autoimmunreaktionen scheinen auch andere Faktoren die klinischen Symptome einer MS zu verursachen. In einigen Fällen kann die Zerstörung der Gehirnzellen durch Schäden oder Störungen im Zellstoffwechsel bedingt sein, welche wiederum vermutlich auf Gendefekte zurückzuführen sind. Die Wissenschaftler fanden auch Marker (d.h. spezifische Substanzen in den Körperflüssigkeiten) im Körper, die auf die jeweilige Krankheitsursache hinweisen könnten. So fanden sich im Nervenwasser Verbindungen, die mit einer Stoffwechselstörung der Oligodendrozyten im Zusammenhang stehen, während bestimmte Stoffe im Blutserum eine Autoimmunreaktion anzeigen können.

Die Experten versuchen nun die unterschiedlichen Krankheitsarten genauer voneinander zu trennen um gezieltere Therapien entwickeln zu können. Dies würde einen enormen Fortschritt in der Behandlung darstellen und gleichzeitig erklären, warum derzeit nur etwa ein Drittel der Patienten auf die gängige Behandlung mit Interferonen anspricht.

So wird bei den jetzt entdeckten MS-Varianten versucht werden, den Stoffwechsel der Gehirnzellen etwa mit Wachstumsfaktoren zu verändern.

· "Neue Erkenntnisse zur Ursache der Multiplen Sklerose"

- 13.11.2002