DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Neues aus der Multiple Sklerose-Forschung: Reparatur im Nervensystem

Kann der Wirkstoff anti-Lingo das Myelin in den Nervenzellen reparieren und was können Stammzellen bewirken? Das waren nur zwei Fragen zu den zahlreichen Studien, die beim 67.Jahrestreffen der American Academy of Neurology’s (AAN) in Washington, DC präsentiert worden sind: Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.stellt im 2.Teil ihrer Serie Ergebnisse zum Schwerpunkt "Wiederherstellen von Funktionen " vor.

Multiple Sklerose: Wiederherstellen von Funktionen:

Knapp 13.000 Kliniker und Forscher haben an diesem internationalen Experten-Treffen teilgenommen. Die Ergebnisse der präsentierten Studien sind zumeist vorläufiger Art. Vieles muss weiter analysiert und in den Fachmedien veröffentlicht werden. Endgültige Sicherheit ist bei Studien erst erreicht, wenn andere Forscher in eigenen Studien zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Kann anti-Lingo Myelin reparieren?

Vielversprechende Ergebnisse wurden auf der AAN von einer Phase-II-Studie berichtet, in der anti-LINGO hinsichtlich seiner Fähigkeit zur Myelin-Reparatur untersucht wurde. Die Behandlung wurde mittels Infusionen des Wirkstoffes oder eines Placebos alle 4 Wochen über insgesamt 20 Wochen geführt. Eingeschlossen waren 82 Personen, die eine erste Episode einer Optikusneuritis, einer Sehnervenentzündung, hatten. Eine Optikusneuritis umfasst die Nerven, die die Verbindung von Auge und Gehirn realisieren. Die Gruppe, die mit anti-LINGO behandelt worden war, zeigte im Vergleich zu den Ausgangswerten vor der Behandlung eine Verbesserung in der Nervenleitgeschwindigkeit. Bei der Placebo-Gruppe trat dieser Effekt nicht auf.
Die Verbesserung in der Nervenleitgeschwindigkeit weist möglicherweise auf Reparaturvorgänge hin, so die Autoren. Eine weitere Phase-II-Studie bei Patienten, die bereits eine diagnostizierte schubförmige MS haben, läuft derzeit noch. (Abstract S56.008)

Stammzellen und Myelin-Reparatur

Schon im Vorfeld dieses Jahrestreffens untersuchte eine kleine Phase-I-Studie, geleitet von Dr. Jeffrey Cohen (Cleveland Clinic), die Sicherheit bei der Anwendung körpereigener mesenchymaler Stammzellen aus dem Blut. Sie hatten diese vermehrt und dann wieder intravenös verabreicht. Dahinter steht der Gedanke, sowohl Immunmechanismen zu hemmen, als auch die natürlichen Reparaturprozesse im Gewebe zu unterstützen. Im vergangenen Jahr erzielte Ergebnisse zeigten, dass dieser Ansatz sehr sicher war. Um nun zu sehen, ob diese Zellen auch die Myelin-Reparatur angeregt haben, schaute das Team mittels moderner bildgebender Verfahren auf spezifische Läsionen im Gehirn - sowohl vor, als auch nach den Stammzell-Infusionen. Im Vergleich mit den Ausgangsdaten zeigten sich Hinweise darauf, dass die Stammzellen Reparaturvorgänge angeregt haben oder schützend auf das Nervengewebe einwirkten. Zumindest wurde eine Stabilisierung des Axon-Verlustes erreicht. Weitere Studien sind nun in der Planung. (Zum Abstract P1.152)

Zwischenresultate einer weiteren Stammzell-Studie

Wissenschaftler vom Tisch MS Forschungscenter in New York präsentierten erste Ergebnisse ihrer noch laufenden Studie zu mesenchymalen Stammzellen. Die Zellen werden gereinigt, vermehrt und dann in die Rückenmarksflüssigkeit injiziert. Nach der Behandlung von 7 Personen mit einer Dosis und 2 Personen mit je drei Dosen traten keine Sicherheitsprobleme auf. (Zum Abstract)

Messung der natürlichen Myelin-Reparatur mittels PET

Für Untersuchungen zur Myelin-Reparatur ist es besonders wichtig, Methoden zu haben, die diese auch exakt nachweisen können. Dr. Benedetta Bodini (Hôpital Pitié-Salpêtrière, Paris) und internationale Kollegen benutzten ein spezielles, modernes, bildgebendes Verfahren, PET genannt (Positronen Emissions Tomographie), um die natürlich ablaufende Myelin-Reparatur bei 20 MS-Erkrankten zu verfolgen. Ihre Resultate verglichen sie mit Standardmessungen, wie sie für den Schweregrad der Erkrankung verwendet werden. Dabei konnten die Forscher Veränderungen in der Myelin-Reparatur zeigen, messen und auch darstellen, wie die Reparaturfähigkeit mit dem individuellen Krankheitsstatus in Verbindung steht. Nun müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob PET ein nutzbringender Weg ist, um Reparaturvorgänge in klinischen Studien verfolgen zu können. (Abstract S29.008)

Sie haben den ersten Teil der AAN-Serie verpasst? Kein Problem. Hier können sie den Bericht lesen:

 

Quelle: Research News NMSS, USA vom 04. Mai 2015

- 12.05.2015