DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Neuartige Therapie der Multiplen Sklerose auf dem Prüfstand

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) erhalten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Förderung in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro für die Entwicklung einer neuartigen Therapie gegen Multiple Sklerose.

Das Projekt mit dem Namen "NANOdeLIVER" läuft drei Jahre. In dieser Phase wird zunächst die Sicherheit eines neuen Wirkstoffs getestet. In einem späteren Schritt soll die Wirksamkeit geprüft und mit vorhandenen Medikamenten verglichen werden.

"Wir wollen ein mögliches neues Arzneimittel für die Behandlung der Multiplen Sklerose klinisch testen", erklärt Projektleiter Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Herkel von der I. Medizinischen Klinik des UKE. Ziel sei es, die bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose fehlgeleiteten, krankmachenden Immunantworten gezielt zu unterdrücken. "Herkömmliche Medikamente, sogenannte Immunsupressiva, beeinflussen unterschiedslos alle Immunantworten, auch die für den Organismus erwünschten. Die neue Behandlung könnte sehr viel zielgerichteter sein." Im Labor habe das neue Prinzip seine Effektivität bereits unter Beweis gestellt. Dr. Herkel: "Jetzt wollen wir sehen, ob es auch in der klinischen Praxis funktioniert."

Entwickelt wurde das neuartige Therapiekonzept am Sonderforschungsbereich (SFB) 841 des UKE. Im Zentrum des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten SFB stehen Leberentzündungen. Den Bogen von der Leber zu Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose konnten die Forscher schlagen: "Wir koppeln die krankheitsauslösenden Bestandteile an winzige Nanopartikel und bringen sie über die Blutbahn in bestimmte Leberzellen", sagt Johannes Herkel. Die Leberzellen würden dann die Immuntoleranz herstellen, also die überschießende Immunantwort unterdrücken.

Mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereitgestellten Fördergeld kann die arzneimittelrechtskonforme Herstellung der Nanopartikel, deren toxikologische Testung sowie eine erste klinische Prüfung finanziert werden. "Es geht im ersten Schritt darum, zu zeigen, dass wir das Mittel sauber herstellen können und dass es unbedenklich ist", erläutert Dr. Herkel. Erst in der nächsten Projektphase könne die Wirksamkeit entsprechend den strengen Anforderungen an klinischen Studien untersucht werden.

Die Multiple Sklerose dient den UKE-Forschern als Modellkrankheit für Autoimmunerkrankungen. Gemeinsames Kennzeichen dieser Erkrankungen ist ein fehlgeleitetes Immunsystem: Statt gegen körperfremde Krankheitserreger - wie im Falle einer Infektion - wenden sich die Abwehrzellen gegen Bestandteile (Autoantigene) des eigenen Körpers. Weitere Autoimmunerkrankungen sind beispielsweise Diabetes Typ I oder Rheumatoide Arthritis.

An dem Forschungsvorhaben sind neben der I. Medizinischen Klinik noch zwei weitere UKE-Einrichtungen beteiligt: das Institut für Biochemie und Molekulare Zellbiologie (IBMZ, Prof. Dr. rer. nat. Jörg Heeren) und das Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (inims, Prof. Dr. med. Christoph Heesen, Mitglied im Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.). Das Forschungsvorhaben ist zudem Teil des Konsortialverbunds "NEU²" - ein Zusammenschluss des UKE mit verschiedenen Unternehmen und Forschungseinrichtungen (u.a. Merck KGaA, Biotest AG, Evotec AG, European ScreeningPort, Bionamics GmbH). Ziel des Verbunds ist die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und diagnostischer Konzepte bei Multipler Sklerose und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Weitere Informationen dazu im Internet: www.neu-quadrat.de

Quelle: PM UKE Hamburg-Eppendorf – 07. August 2014

- 11.08.2014