DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Neues zur Frage: "Beeinflusst Kaffee das Multiple Sklerose-Risiko?"

Im letzten Jahr hat der DMSG-Bundesverband über eine Studie berichtet, dass starker Kaffeegenuss das Risiko für Multiple Sklerose (MS) verringern könnte: Jetzt untersuchte eine weitere Studie, wie hoch der Kaffeeverbrauch sein müsste, um diese Wirkung zu erzielen.

Eine kürzlich online im "Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry" veröffentlichte Studie hat ergeben, dass der Genuss von sechs Tassen Kaffee täglich das Risiko, eine Multiple Sklerose zu entwickeln, senken könnte. Der Grund dafür seien neuroprotektive und anti-entzündliche Eigenschaften des Koffeins, so sagen Forscher eines internationalen Teams unter der Leitung von Dr. A.K. Hedström vom Karolinska Institut für Umweltmedizin in Stockholm. Erste Hinweise zu dieser Problematik hatte die Gruppe bereits auf dem 67. Jahrestreffen der American Academy of Neurology in Washington, DC zu Anfang des Jahres 2015 gegeben.

Zur Erinnerung 

Das Forscher sammelten retrospektive Daten aus zwei größeren Studien: einer schwedischen Studie mit 1.620 MS-Fällen und 2.788 Kontrollpersonen sowie einer Studie aus den USA mit 1.159 Fällen und 1.172 Kontrollen. In beiden Studien waren die Teilnehmer gebeten worden, rückschauend neben anderen Einflussfaktoren ihre Gewohnheiten zum Kaffeegenuss zu beschreiben. Die Forscher verglichen dann den Kaffeeverbrauch vor dem Ausbruch der MS bei den Erkrankten mit dem der gesunden Vergleichs-Personen. Im Ergebnis zeigte sich in beiden Studien übereinstimmend ein höheres MS-Risiko immer dann, wenn weniger Kaffee getrunken wurde. Das Ergebnis wurde auch dann nicht beeinflusst, wenn andere bekannte Risikofaktoren mit herangezogen wurden, wie Rauchen oder das Gewicht im Jugendalter.

Laut Studien senkt der Genuss von mindestens sechs Tassen Kaffee pro Tag das MS-Risiko um ein Viertel

Die schwedische Studie fand insgesamt ein um 28-30% geringeres MS-Risiko bei denjenigen Versuchspersonen, die sechs oder mehr Tassen Kaffee täglich (900 ml) zu sich nahmen. In der US-amerikanischen Studie fanden sich ähnliche Ergebnisse: Hier ergab sich ein um 26-31% geringeres Risiko im Vergleich zu denjenigen Versuchspersonen, die keinen Kaffee tranken. Diese Ergebnisse unterstützen, gemeinsam mit den Aussagen früherer Untersuchungen im Tierversuch die Annahme, dass Koffein neben seiner stimulierenden Wirkung auf das zentrale Nervensystem auch nervenschützende (neuroprotektive) Eigenschaften hat und darüber hinaus die Produktion entzündungsfördernder Zytokine hemmt. Um diese Zusammenhänge noch genauer aufzuklären, sind weitere Untersuchungen notwendig, betonen die Forscher.

Fast 2800 MS-Erkrankte beteiligten sich an der Studie

Für die vorliegende Studie zu betonen sei auch, dass sie auf einer relativ großen Gruppe von insgesamt 2.779 MS-Fällen basiert und auch detaillierte Informationen zu anderen Einflussfaktoren bietet. Während Rauchen zum Beispiel allgemein das MS-Risiko erhöht, ist der schützende Effekt eines hohen Kaffee-Gebrauchs nicht davon abhängig, ob jemand geraucht hat oder nicht. Aber auch wenn der schützende Einfluss des Kaffeetrinkens auf die Entstehung einer Multiplen Sklerose weiterhin untersucht werden muss, trägt die Studie doch zu der wachsenden Erkenntnis bei, dass Kaffee positive Wirkungen auf die Gesundheit haben kann. Darüber hinaus können weitere Untersuchungen zu einem besseren Verständnis der MS-Entstehung beitragen und möglicherweise zu neuen Therapieansätzen führen.

…und was, wenn die MS schon da ist?

Auf diese Frage gibt die vorliegende Studie keine Antwort. Es wird aber angenommen, dass zahlreiche Lifestyle-Faktoren die Aktivität der Erkrankung beeinflussen können. Zum Beispiel fand eine im Jahr 2012 im "European Journal of Neurology” veröffentlichte Studie, dass regelmäßiger Verzehr von Fisch, moderates Trinken von Alkohol und gelegentlicher Kaffeegenuss dabei helfen kann, die Progression einer schubförmigen MS zu verzögern. Das traf allerdings nur dann zu, wenn der EDSS-Wert der Erkrankten unter 6,0 lag. Bei höheren Behinderungsgraden und auch bei progredienten Formen der MS konnte dieser Effekt nicht gefunden werden. Natürlich sollen diese Aussagen nicht dazu führen, bei vorliegender MS nun übermäßig Alkohol oder Kaffee zu trinken – sie zeigen aber, dass es vermutlich noch viele unerforschte Zusammenhänge zwischen Ernährungsfaktoren und MS gibt, denen nachzugehen interessant wäre. 

Meinungen zum Konsum von Kaffee und Multiple Sklerose

Zu den aktuellen Studien haben José Maria Andreas Wijnants und Elaine Kingwell von der Universität in Vancouver, Kanada, einen interessanten Kommentar geschrieben unter dem Titel: "Time to wake up and smell the coffee? Coffee consumption and multiple sclerosis". Sie merken an, dass Kaffee mit geschätzt 2,25 Billionen Tassen pro Tag weltweit das beliebteste Getränk ist – wobei einer der wichtigsten Gründe für diese Beliebtheit der Koffein-Gehalt ist. Koffein macht schnell wach und aufmerksam. Darüber hinaus, so weist zunehmend die Evidenzlage nach, kann Kaffee die Gesundheit auch langfristig positiv beeinflussen, betonen Wijnands und Kingwell. Dazu gehört zum Beispiel der Schutz vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson. Ein Einfluss des Kaffeetrinkens auf die Prävention von Multipler Sklerose ist dagegen bisher noch wenig erforscht.

Quelle: multiplesclerosisnewstoday, ms-uk - 04. März 2016

- 17.03.2016