DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Neurowoche 2018: Der DMSG-Bundesverband berichtet über Neues aus Forschung und Therapie der Multiplen Sklerose

Die Multiple Sklerose -Forschung verzeichnet neue Fortschritte. „Erstmals wurde ein Biomarker im Blut identifiziert, der zuverlässige Aussagen über das Ausmaß neuronaler Schäden, den Krankheitsverlauf und das Ansprechen auf eine MS-Therapie erlaubt“, berichtete Prof. Dr. med. Frauke Zipp, Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. auf der Pressekonferenz der Neurowoche in Berlin. Darüberhinaus berichtete die MS-Expertin über eine positive Therapiestudie bei sekundär-chronisch progredienten Verlaufsformen der MS (SPMS): „Der S1P-Modulator Siponimod hat in einer Phase-3-Studie das Fortschreiten der SPMS verlangsamt.“

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Die Krankheit stellt Ärzte und Patienten vor große Herausforderungen, da sie bei jungen Erwachsenen zu Behinderungen des Bewegungsablaufs und zu kognitiven Einschränkungen führen kann und Immuntherapien der MS mit einer Vielzahl von Komplikationen einhergehen können. „Die MS-Therapie verzeichnete in den letzten zwei Dekaden wichtige Erfolge. Die geringe prognostische Sicherheit und die Behinderungsprogression sind aber weiterhin große Probleme“, verdeutlichte Frauke Zipp, Direktorin die Klinik und Poliklinik für Neurologie der Johannes Gutenberg Universität Mainz.

Blutmarker zeigt Nervenschädigung an

Durch einen neu entdeckten Biomarker im Blutserum lässt sich die Schwere der Nervenschädigung einfach und zuverlässig bestimmen. „Das Neurofilament-light-chain-protein (NfL) ist ein Bestandteil des neuronalen Zytoskeletts, das bei Multipler Sklerose und neurodegenerativen Erkrankungen im Blut auftaucht, wo es mittlerweile durch eine sehr sensitive Messmethode bestimmt werden kann“, erläuterte Zipp. „Obgleich noch viele Fragen zu klären sind, können wir davon ausgehen, dass NfL als prognostischer Serum-Biomarker und als Therapie-Response-Surrogat für Multiple Sklerose und Neurodegeneration infrage kommt.“

Positive Therapie-Studie bei SPMS: Siponimod bremst Progression

Hoffnung gibt es auch für Betroffene mit sekundär-chronisch progredienter MS. Die Entwicklung eines sekundär progredienten Verlaufs ist der entscheidende Faktor für die Langzeitprognose.

„Siponimod, ein selektiver Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulator, hat sich bei SPMS als wirksam erwiesen. Das ist die erste positive Phase-3-Therapiestudie explizit für SPMS mit einem Medikament aus der Gruppe derer gegen hochaktive MS“, berichtete Zipp in der Pressekonferenz.

Die Patienten waren in der Phase-3-Therapiestudie zu Beginn im Durchschnitt 48 Jahre alt, litten seit im Mittel etwa 17 Jahren an einer Multiplen Sklerose, befanden sich seit etwa vier Jahren im Stadium der SPMS, und 56 Prozent benötigten bereits Gehhilfen. „Bei diesen Patienten kam es unter einer durchschnittlich 18-monatigen Therapie im Vergleich zu Placebo zu einer 21-prozentigen Reduktion des Risikos einer bestätigten Behinderungsprogression, allerdings auch zu Nebenwirkungen ähnlich wie bei dem MS-Medikament Fingolimod“, so die Neurologin.

Zwar beruhten die Ergebnisse auf einem recht kurzen Beobachtungszeitraum, und sicherlich wünsche man sich noch durchschlagendere Effekte für die zumeist noch jungen Patienten, resümierte Zipp: „Aber es ist ein Fortschritt, und es bleibt spannend.“


Literatur:

Siller N et al. Serum neurofilament light chain is a biomarker of acute and chronic neuronal damage in early multiple sclerosis. Mult Scler 2018 Mar 1:1352458518765666

Khalil M et al. Neurofilaments as biomarkers in neurological disorders. Nat Rev Neurol. 2018; 14(10): 577-589

Kappos L et al. Siponimod versus placebo in secondary progressive multiple sclerosis (EXPAND): a double-blind, randomised, phase 3 study. Lancet 2018; 391(10127): 1263-1273. doi: 10.1016/S0140-6736(18)30475-6

 

Quelle: Fachpressekonferenz und PM der Deutschen Gesellschaft für Neurologie - 02.11.2018

- 05.11.2018