DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Auf den Spuren der sekundär progredienten Multiplen Sklerose (SPMS)

Die kontinuierlich fortschreitende Verlaufsform der MS, SPMS genannt, entwickelt sich oft nach vielen Jahren aus einem schubförmigen Verlauf. Die Ursachen dafür sind noch unklar. Zwei aktuelle Studien versuchen, Teilfragen zu lösen.

Zu Beginn verläuft eine Multiple Sklerose in Schüben, das heißt, es treten in gewissen Abständen mehr oder weniger heftige Symptome auf, die länger als 24 Stunden, oft Tage lang, anhalten, sich danach aber ganz oder teilweise zurückbilden. Diese schubförmige Verlaufsform der MS bleibt zumeist über viele Jahre bestehen, kann allerdings dann in ein langsames, kontinuierliches Fortschreiten der MS mit oder ohne zusätzliche Schübe (sekundär progrediente MS; SPMS) übergehen. Dabei nehmen dann die Symptome und Beschwerden allmählich zu.

Was diese Veränderung in der Verlaufsform letztlich auslöst, ist nicht bekannt. Auch effektive Therapien gibt es dafür bisher nicht. In den letzten Jahren ist daher die Erforschung der progredienten Verlaufsformen immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Aktuelle Beispiele berichten wir hier.

Kann die Entwicklung einer sekundär progredienten MS verzögert werden?

Eine wichtige, bisher aber noch nicht wirklich verstandene Beobachtung ist, dass einige MS-Erkrankte sich schneller und besser von Schüben erholen können als andere. Der Krankheitsverlauf der progredienten MS ist dadurch gekennzeichnet, dass neurologische Schädigungen (Behinderungen, Verlust körperlicher und/oder geistiger Funktionen) mit oder ohne das Eintreten von Schüben zunehmen. Dabei hat man festgestellt, dass der Beginn eines SPMS Verlaufes eher vom Alter der Erkrankten und weniger von der Dauer der Erkrankung abhängig – auf jeden Fall aber der zumeist bestimmende Faktor für eine schlechte Langzeitprognose ist. Andere Faktoren, die mit einer schlechten Langzeitprognose zusammenhängen, sind die Stellen im ZNS in denen die ersten Läsionen gefunden wurden, die Häufigkeit früher Schübe und eine unvollständige Wiederherstellung nach diesen. So können sich Behinderungen zusätzlich anhäufen.

Amerikanische Forscher von der Mayo Klinik weisen darauf hin, dass eine komplette oder annähernd komplette Erholung nach früh im Krankheitsverlauf auftretenden Schüben möglicherweise den Beginn einer sekundär progredienten MS verzögern oder sogar verhindern könnte. Sie hatten eine große Anzahl von Patienten mit sekundär progredienter MS untersucht und gefunden, dass eine schlechte Wiederherstellung nach frühen Schüben im Vergleich zu nahezu vollständigen Remissionen zu einem beträchtlich früheren Einsetzen der progredienten Verlaufsform führte.

Diese Ergebnisse könnten unter anderem dazu beitragen, individuellere Therapieentscheidungen treffen zu können. Die Wissenschaftler schlagen zum Beispiel vor, dass ein früher und wirksamerer Behandlungsplan für jene Patienten aufgestellt werden sollte, die schwere Schübe haben oder sich besonders schlecht von diesen erholen. Ein anderer Ansatz, einer SPMS wirksam entgegentreten zu können wäre es, so schnell als möglich Methoden und Wege zu finden, auf denen Neubildung von zerstörtem Myelin und Reparaturvorgänge möglich wären. Dadurch könnte eine schnellere und bessere Remission von Schüben und eine Verzögerung des Beginns einer progressiven Verlaufsform erreicht werden.

Quelle: www.msif.org - 09.11.2015 (last updated) Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 30. November 2015

- 30.11.2015