DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Hormone und MS – eine unglückliche Allianz?

Anormale Hormonwerte könnten eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose spielen – zu dieser Erkenntnis gelangten Wissenschaftler der Universität La Sapienza in Rom.

Die Ergebnisse dieser Studie, in der die Hormonwerte von 25 Männern und 35 Frauen mit Multipler Sklerose sowie von 36 gesunden Menschen untersucht und verglichen wurden, zeigten unter anderem, dass Frauen mit einem niedrigeren Testosteronspiegel eine größere Schädigung des Gehirngewebes aufweisen. Bei erkrankten und gesunden Männern dagegen konnte kein Unterschied bei den Testosteronwerten festgestellt werden. Jedoch litten die Männer mit den höchsten Estradiolwerten unter den größten Gehirngewebsschädigungen.

Die Tatsache, dass doppelt so viele Frauen wie Männer an MS erkranken und diese während einer Schwangerschaft deutlich weniger ausgeprägt ist, legt die Vermutung nahe, dass Hormone im Krankheitsverlauf eine wesentliche Rolle übernehmen. Für die aktuelle Studie wurden die Werte einer Reihe von Hormonen verglichen. Auswirkungen fanden sich jedoch nur bei den Hormonen Testosteron und Estradiol.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden nach bestimmten Kriterien ausgesucht: Sie waren durchschnittlich 32 Jahre alt, MS-Patienten litten in der Regel seit sechs Jahren an der wiederkehrenden Form der Erkrankung. Die Frauen wurden in beiden Phasen des menstruellen Zyklus getestet, um Hormonschwankungen zu erfassen. Keine der Frauen nahm die Pille, alle wiesen einen normalen Menstruationszyklus auf. Von allen Probanden wurden MRI-Scans erstellt, um Gehirnbereiche mit Gewebeschäden und Entzündungen sichtbar zu machen.

Die Forscher stellten fest, dass Frauen mit MS während ihres gesamten Zyklus über geringere Mengen des männlichen Hormons Testosteron verfügten als gesunde. Zudem wurden mehr Läsionen gefunden, die durch die Entzündung während der rezidiven Phase verursacht werden. Es gab innerhalb dieser Gruppe allerdings auch Frauen mit relativ hohen Testosteronwerten. Diese Frauen zeigten eher Anzeichen von irreversiblen Gewebeschäden, die in der Phase auftreten, in der das Gewebe nicht entzündet ist.

Quelle:
Pharmarundschau 05/2

Redaktion:
DMSG Bundesverband e.V.
22. März 2005

- 22.03.2005