DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Radiologisch isoliertes Syndrom kann erste Anhaltspunkte liefern

Wissenschaftler präsentieren seltene Einblicke in ein sehr frühes Stadium der Multiplen Sklerose (MS). Eine frühzeitige Erkennung der Primär Progredienten Verlaufsform (PPMS) könnte Therapiechancen verbessern.

Die Diagnose einer MS kann eine große Herausforderung sein. Zumeist verläuft die Krankheit über längere Zeit und in verschiedenen Stadien. Oft wird zuerst ein CIS diagnostiziert. Die Bezeichnung "Klinisch isoliertes Syndrom" (CIS) wird verwendet, um eine erste Episode neurologischer Symptome zu beschreiben, die mindestens 24 Stunden anhält und die durch Entzündungen und Myelinverlust an einer oder mehreren Stellen in Gehirn und Rückenmark charakterisiert wird. Menschen, die ein solches erstes Ereignis erleben, können nachfolgend eine klinisch definierte MS entwickeln – das muss aber nicht zwingend so sein. Einige krankheitsmodifizierende Medikamente sind bereits für dieses erste Stadium zugelassen.

Das "Radiologisch Isolierte Syndrom" (RIS) als Indikator

Einige Menschen haben spezifische "klinisch stille” Läsionen (Bereiche entzündeten oder zerstörten Gewebes), was bedeutet, dass sie keine Symptome verspüren. Die Läsionen allerdings sind bereits im MRT sichtbar. Dieses Phänomen nennt man "radiologisch isoliertes Syndrom" (RIS) – genau wie ein CIS kann es sich in eine MS weiterentwickeln, muss aber nicht. Die Forschung widmet dem RIS zunehmend Aufmerksamkeit und es ist bereits eine Debatte darüber entflammt, ob Menschen mit RIS ebenfalls von einer Frühtherapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten profitieren könnten.

Primär progrediente MS (PPMS) ist eine im Vergleich zur schubförmigen MS seltenere Verlaufsform mit schleichender Verschlechterung ohne Schübe: Etwa 10% aller MS-Erkrankten fallen darunter. Hier ist eine frühzeitige Diagnose besonders schwierig.

Männliches Geschlecht und Nachweis von Läsionen im Rückenmark sind von zentraler Bedeutung für eine Prognose

Ein Team um Dr. Orhun Kantarci von der Mayo Clinic hat sich mit frühen Symptomen der MS und deren Diagnose im MRT beschäftigt und die Ergebnisse in der Zeitschrift ‚Annals of Neurology‘ veröffentlicht. Die Wissenschaftler untersuchten Daten von 453 Menschen aus 5 Ländern, die mit einem RIS diagnostiziert worden waren, aus einer Datenbank mit 210 MS-Erkrankten aus Minnesota und von 754 Patienten mit progressiver MS.

Von den 453 RIS-Patienten gab es bei 128 (28%) einen weitergehenden Verlauf zu einem CIS oder zu schubförmiger MS. 15 (11,7%) entwickelten eine primär progrediente MS. Dabei handelte es sich mehrheitlich um Männer, die darüberhinaus zum Zeitpunkt der Diagnose ein um etwa 10 Jahre höheres Lebensalter aufwiesen als diejenigen, die ein CIS oder eine schubförmige MS entwickelten. Diese Zahlen entsprechen denen, die immer wieder in der Literatur genannt werden. Für 12 der 15 PPMS-Patienten sind auch Rückenmarks-Aufnahmen dokumentiert worden, die alle ebenfalls Läsionen zeigten.

Fazit

Bei Menschen mit einem RIS tritt eine PPMS mit der gleichen Häufigkeit auf, wie es insgesamt bei MS berichtet wird - auch in altersabhängigem Zusammenhang. Daneben sind das männliche Geschlecht sowie ein eindeutiger Nachweis von Läsionen im Rückenmark von großer Bedeutung für eine Voraussage hinsichtlich PPMS. Durch die Einbeziehung von RIS-Patienten konnte ein seltener Einblick in frühe Krankheitsstadien gefunden werden, was die Bedeutung von Forschungen zum Thema "radiologisch isoliertes Syndrom" noch erhöht.

Quelle: nationalmssociety - 04. Februar 2016
 

- 23.02.2016