DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Welche Rolle spielt die Lage der Läsionen?

Ein Forscherteam aus Italien lenkt bei der Entscheidung über den Beginn einer immunmodulierenden Therapie der Multiplen Sklerose den Blick auf die in der MRT-Diagnose lokalisierten betroffenen Bereiche im Gehirn: Diese sogenannten Läsionsorte könnten nach einem ersten Schub wertvolle Hinweise zum MS-Risiko liefern.

Wenn der Verlauf des ersten MS-Schubs auf eine ungünstige Prognose hindeutet, wird Patienten heute häufig zum Start einer immunmodulierenden Therapie geraten. Eine lange Dauer und eine schlechte Rückbildung der Symptome, ein Beginn mit vielen verschiedenen Symptomen, frühe motorische und zerebelläre Beschwerden sowie im MRT sichtbare multiple Läsionen sind Anzeichen dafür, dass in naher Zukunft mit weiteren Schüben zu rechnen ist.
Forscher um Dr. Antonio Giorgio aus Siena in Italien haben untersucht, welche Bedeutung die Läsionsorte im Gehirn für die Prognose haben.

Dazu haben sie ein Jahr lang den Krankheitsverlauf bei 1165 Patienten mit einem klinisch isolierten Syndrom (CIS) beobachtet. Das heißt: Menschen, bei denen nach einem ersten Schub der Verdacht auf eine MS bestand.
26 Prozent dieser Gruppe entwickelten innerhalb von zwölf Monaten eine klinisch manifeste MS. Wie erwartetet, zeigten Patienten, die innerhalb eines Jahres an MS erkrankten, bei der ersten MRT-Untersuchung zu Beginn der Studie eine deutlich höherer Läsionslast als solche, bei denen weitere Schüben ausblieben.

Größere Unterschiede gab es bei Patienten mit einem Läsionsbeginn im Hirnstamm und Kleinhirn: Bei den Patienten aus dieser Gruppe, die eine klinische MS entwickelten, war das Läsionsvolumen zu Beginn im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie bei denjenigen ohne spätere MS-Manifestation.

Dagegen schien die Läsionslast im Rückenmark oder im Bereich des Sehnerven nur wenig prognostische Relevanz zu haben - sie zeigte sich bei späteren MS-Patienten und auch jenen ohne klinische MS ähnlich hoch.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Läsionen besonders als Risikofaktor relevant zu sein scheinen in Hirnarealen, die von Fasern durchzogen werden, die in sensorische und motorische Körperfunktionen involviert sind, berichten die Forscher. Der Läsionsort könnte demnach eine wichtige Rolle spielen, wenn über den Beginn einer immunmodulierenden Therapie zu entscheiden ist.

Quelle: Neurology 2013; 80(3): 234

- 01.02.2013