DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Stammzellen

Neustart für das Immunsystem: Stammzelltransplantation bei Multipler Sklerose im experimentellen Verfahren

Das Immunsystem von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) komplett auszuschalten und neu zu starten, könnte einen neuen Ansatz in der MS-Therapie eröffnen. Forscher aus den USA sind im Rahmen einer Phase II- Studie mit 24 Patienten auf diese These gestoßen, die in größeren Studien geprüft werden muss.

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Dieser Forschungsansatz ist ein weiterer Baustein im Rahmen der Stammzellforschung, der jetzt in weiteren Studien bestätigt werden muss.

Die radikale Behandlungsmethode zeigte, nach Angaben des Forscherteams um Dr. Richard Nash vom Colorado Blood Cancer Institute in Denver im Fachjournal „Neurology“, lang anhaltenden Erfolg. 69 Prozent der Teilnehmer befinden sich fünf Jahre nach einer Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation in Langzeitremission.

Für die HALT-MS-Studie wurden Patienten mit schubförmig remittierender MS (RR-MS) ausgewählt, die trotz medikamentöser Therapie unter aktiver Entzündung des ZNS, schweren Krankheitsschüben und zunehmender Behinderung litten. Ihnen wurden zunächst hämatopoetische Stammzellen aus dem Blut entnommen; dann erhielten sie eine Chemotherapie mit Carmustin, Etoposid, Cytarabin und Melphalan. Anschließend wurden den Patienten die eigenen Stammzellen zurückinfundiert. Mit dieser Prozedur verfolgten die Mediziner das Ziel, die krankheitsauslösenden Zellen zu beseitigen und einen Neustart des Immunsystems herbeizuführen.

Die Ergebnisse einer Zwischenauswertung nach drei Jahren waren vielversprechend: Bei 78 Prozent der Patienten waren seit der Behandlung weder ein Fortschreiten der Erkrankung, ein Schub oder neue Läsionen im Gehirn aufgetreten. Nach fünf Jahren hatte sich dieser Anteil auf 69 Prozent reduziert, was aus Sicht der Autoren aber dennoch den Start einer großen Phase-III-Studie rechtfertigt.

Bei den meisten Patienten hatte sich die MS stabilisiert, ohne dass sie weiter Medikamente einnehmen mussten, einige zeigten sogar Verbesserungen bei der Beweglichkeit oder anderen körperlichen Symptomen. Viele Patienten litten während und nach der Chemotherapie unter Nebenwirkungen. Diese waren zwar nicht heftiger als erwartet und es kam zu keinen bleibenden neurologischen Schäden. Dennoch ist diese Therapie ein sehr belastender Eingriff, der sicher nicht für jeden MS-Patienten infrage kommt. „Die Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation könnte eine Option für Patienten mit aktiver RR-MS werden, insbesondere dann, wenn sie auf vorhandene Therapien nicht ansprechen“, kommentiert Dr. med. Daniel Rotrosen, Abteilungsleiter bei der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde NIAID, die die Studie mitfinanzierte. Voraussetzung für die breite Anwendung sei jedoch, dass sich die Wirksamkeit in größeren Studien bestätigt.

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DOI: 10.1212/WNL.0000000000003660 02.02.2017 l PZ

 

Quellen: Neurology, Die Pharmazeutische Zeitung - 02.02.2017

- 03.02.2017