DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Wie viele Multiple Sklerose–Erkrankte gibt es in Deutschland? Bundesversicherungsamt rechnet mit mehr als 200.000

Die Anzahl MS-Erkrankter in Deutschland wurde bislang auf rund 130.000 geschätzt. Eine Untersuchung des Bundesversicherungsamtes in Bonn lässt vermuten, dass diese Zahl möglicherweise deutlich höher sein könnte als bisher angenommen. Die Auswertung zeigte, dass im Jahr 2010 mehr als 200.000 gesetzlich Krankenversicherte (GKV) eine Diagnose MS hatten.

Für die Untersuchung wurden Daten von allen gesetzlich Krankenversicherten – über 90 % der Bevölkerung – herangezogen. Somit konnte erstmals eine flächendeckende, bevölkerungsbezogene Angabe zum generellen Auftreten, zur geschlechterbezogenen sowie regionalen Verteilung der MS errechnet werden.

Die Krankenversicherungsdaten ermöglichen erstmals eine flächendeckende Datenerhebung

Die für das Jahr 2010 gemeldeten ambulanten und stationären Diagnosen, ambulanten Verordnungs-, Stamm- sowie Kostendaten waren Grundlage der durchgeführten Untersuchung. Auch Daten von Personen, die ihre Krankenversicherung im Jahr 2010 wechselten, konnten über die einheitliche Krankenversicherungsnummer in die Auswertung miteinbezogen werden.
Die Ergebnisse zeigen, dass 199.505 gesetzlich Krankenversicherte eine Diagnose der Multiplen Sklerose erhielten. Unter Berücksichtigung der 12.700 MS-Erkrankten in der privaten Krankenversicherung im Jahr 2010, ist insgesamt von weitaus mehr als 200.000 Erkrankten auszugehen.
37 % der Diagnostizierten konnten keiner spezifischen Verlaufsform zugeordnet werden. Spezifische MS-Diagnosen konnten in 63% gestellt werden, davon entfielen 33% auf die schubförmig verlaufende MS, 7% auf die primär chronisch und weitere 7% auf die sekundär chronisch verlaufende MS. 16% der MS-diagnostizierten GK-Versicherten erhielt in einem Jahr mehr als eine Diagnose mit Zuordnungen zu zwei oder mehr Verlaufsformen.

Etwa 70% aller MS-Erkrankten sind Frauen

In Bezug auf die Verteilung nach Geschlecht und Alter bestätigen die Ergebnisse annährend die bisher bekannten Verteilungen. Etwa 70% aller MS-Erkrankten sind Frauen und das Durchschnittsalter wurde insgesamt mit 49,4 Jahren angegeben. Interessanterweise offenbarte sich bei den Ergebnissen ein West-Ost-Gefälle, das sich durch alle Altersgruppen bei Frauen und Männern gleichermaßen zieht. Dieser Unterschied in der geografischen Verteilung der MS kann nicht mit dem unterschiedlichen Hygienestatus in West und Ost, der zu Zeiten der deutsch-deutschen Teilung existierte, erklärt werden. Da sich nach der Wiedervereinigung die Lebensverhältnisse rasch angeglichen haben, es somit keinen unterschiedlichen Hygienestatus mehr gibt, stellt sich die Frage nach den Gründen für dieses nicht altersbezogene West-Ostgefälle.
Wie aussagekräftig die Daten sind, bleibt abzuklären. Jedoch geben sie deutlich den Hinweis, dass viel mehr Menschen an MS erkrankt sind als bisher angenommen.

Quelle: Epidemiologie der Multiplen Sklerose in Deutschland, Autoren: Petersen, Wirrmann, Arndt, Göpffarth - Bundesversicherungsamt, Bonn, erschienen im Nervenarzt, Ausgabe 85, Jahr 2014

Quelle: Nervenarzt, Ausgabe 85

- 20.01.2015