DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Risikofaktoren für suizidgefährdete schwer an Multiple Sklerose Erkrankte identifiziert

Schwer an Multipler Sklerose (MS) erkrankt zu sein, bringt sowohl körperlich als auch psychisch viele Herausforderungen und Unsicherheiten mit sich. Als Teil einer deutschlandweiten Studie zu ungestillten Bedürfnissen von Menschen, die sehr stark unter ihrer MS leiden, hat das Zentrum für Palliativmedizin der Universität zu Köln unter der wissenschaftlichen Projektleitung von Prof. Dr. Raymond Voltz, Direktor dieses Zentrums und Mitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes, eine umfangreiche Befragung durchgeführt.

Ein Teil der Datenauswertung galt der Identifikation und Analyse von Risikofaktoren für Suizidgedanken bei diesen schwer betroffenen MS-Patienten. Da die bisher erforschten Risikofaktoren für Suizidalität bei MS-Erkrankten weitgehend deckungsgleich mit denen der Allgemeinbevölkerung sind, hat sich diese Studie speziell den subjektiv schwer Betroffenen gewidmet, unabhängig von MS-Verlaufsform oder EDSS. Fragestellungen waren zum einen, wie häufig suizidale Gedanken in dieser Patientengruppe auftreten und zum anderen, ob es individuelle, unabhängige Faktoren gibt, die die Häufigkeit dieser Gedanken erhöhen, bzw. verringern. Besonders wichtig ist es hier, die Perspektive der Betroffenen einzunehmen, um daraus Unterstützungs-Ansätze entwickeln zu können, die sich auf die Lebenswelten der Erkrankten beziehen.

Fast ein Viertel der Befragten hat sehr oft Suizidgedanken

22,1% der befragten Patienten in dieser Studie hatten sehr häufig suizidale Gedanken. Bei der Berechnung der Risikofaktoren ergaben sich sechs statistisch signifikante Faktoren. Drei davon haben eine protektive (schützende) Wirkung: „eine Bestimmung im Leben zu haben“, „produktiv zu sein / gewesen zu sein“ sowie „Glaube und Spiritualität“. Die drei anderen Faktoren erhöhen das Risiko für suizidale Gedanken: „Depression“, „nicht mehr in der Lage sein, seine Freizeit wie gewohnt zu gestalten“, und „sich sozial isoliert und ausgeschlossen zu fühlen“. Die Ergebnisse zeigen, dass schwer betroffene MS-Erkrankte besonders leiden, wenn ihre biografische Kontinuität verloren scheint. Damit ist gemeint, dass das Leben nicht mehr so wie bisher gestaltet werden kann und ein anderer Weg gefunden werden muss, um sich weiterhin wertvoll und wichtig zu empfinden.

Diese Ergebnisse, die im Journal of Palliative Medicine veröffentlicht wurden, können dazu beitragen, in Zukunft potenziell Suizid-gefährdete MS-Patienten frühzeitig zu identifizieren, um so gezielter intervenieren zu können. Die Integration von Palliativmedizin bietet hier eine gute Ergänzung in der Begleitung und Therapie schwer erkrankter MS-Patienten.

Beratungs-Hotline für schwer an MS- Erkrankte

Seit dem 01. September 2014 informieren Mitarbeiter des Zentrums für Palliativmedizin der Uniklinik Köln in Kooperation mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. über bestehende palliative und hospizliche Versorgungsmöglichkeiten und beraten individuell, ob und inwiefern das Hinzuziehen dieses Versorgungsansatzes sinnvoll sein könnte. Das Angebot der Hotline richtet sich an schwer betroffene MS Erkrankte mit belastenden Symptomen, an deren Angehörige sowie Gesundheitsexperten, die Informationen zu palliativen und hospizlichen Versorgungsstrukturen wünschen:

  • Mittwochs zwischen 9 und 11 Uhr erreichen Sie unter der Rufnummer 0221-478-98400 qualifizierte Mitarbeiter, die Sie in Ihrer Situation beraten können.

Auch außerhalb dieser Sprechzeit ist ein Anruf möglich. Sollten die Mitarbeiter persönlich nicht erreichbar sein, sichert ein Anrufbeantworter einen möglichst zeitnahen Rückruf. Die Hotline bietet keine psychologische Beratung oder Telefon-Seelsorge. Hierzu wenden Sie sich bitte an die entsprechenden Stellen der DMSG.

- 13.07.2016