DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Schübe bei MS: Häufigkeit und Therapie

Eine aktuelle Auswertung aus dem MS-Register der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. untersucht die Verbreitung und Behandlung von Schüben bei MS. Neben starken kurzfristigen Beeinträchtigungen der MS-Erkrankten durch die Schübe selbst, sind diese ein wichtiger Indikator für die langfristige Krankheitsprogression.

 

Anhand der aktuellen MS-Registerdaten von Erkrankten mit einer schubförmigen MS-Verlaufsform und einer vollständigen Schubdokumentation (17.482 Patienten) wurde die Auftrittshäufigkeit von MS-Schüben dargestellt. Die durchschnittliche Anzahl an Schüben pro Person im Jahr vor der letzten Visite liegt im MS-Register geschlechterübergreifend bei 0,16. Dennoch können je nach Schwere der Erkrankung starke Unterschiede zwischen einzelnen MS-Erkrankten vorliegen.

So gibt es Erkrankte, die bis zu sechs Schübe im letzten Jahr hatten, wenngleich 87 Prozent der an MS Erkrankten in diesem Jahr schubfrei waren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Schübe auftreten, nimmt mit zunehmender Krankheitsdauer ab. Im ersten Jahr der Erkrankung sind Schübe als sogenanntes Erstsymptom fast immer vorhanden und markieren oft den Beginn der MS-Erkrankung. Im Krankheitsverlauf nimmt die durchschnittliche Anzahl an Schüben in den ersten drei Jahrzehnten der Erkrankung von 0,25 im zweiten Jahr auf 0,10 im dritten Jahrzehnt ab.

 

Nach über 40 Jahren Erkrankungsdauer ist eine leichte Zunahme der Schubrate zu beobachten. Während im ersten Jahr noch knapp 80 Prozent der Schübe stationär versorgt werden, erfolgt die Therapie mit Fortschreiten der Erkrankung mehrheitlich ambulant (insgesamt 57 Prozent). In 90 Prozent der Fälle findet eine Behandlung mit intravenöser Infusion von Glukokortikoid- Steroiden (GKS) statt. Eine Eskalationstherapie ist in 9,4 Prozent der Fälle erforderlich.

 

Glukokortikoid-Steroide (GKS) sind Hormone der Nebennierenrinde, welche auch als Kortisone bezeichnet werden. Diese wirken entzündungshemmend und immunsuppressiv.

Die Eskalationstherapie definiert sich als Therapie für einen besonders schweren Verlauf, bei dem viele Schübe trotz Basistherapie auftreten. Häufigste Verfahren sind hochdosierte GKS, Plasmapherese und Immunadsorption.

Bei einer Plasmapherese wird das flüssige Blutplasma des Patienten entfernt, welches eine Rolle bei Entzündungsprozessen spielt, und durch normales oder humanes Albumin ersetzt.

Bei einer Immunadsorption werden Autoantikörper und Immunkomplexe aus dem Blutplasma des Patienten entfernt und das gereinigte Plasma dem Patienten wieder zurückgeführt.

Mehr Informationen zum Thema Schübe und Verlaufsformen bei MS finden Sie in der Broschüre "Multiple Sklerose: Verlaufsformen, Behandlung und Therapie", die Sie im Online-Shop auf www.dmsg.de und bei den Landesverbänden erhalten. 

Über das MS-Register

Schätzungen zufolge leben in Deutschland rund 252.000 MS-Erkrankte. Verlässliche Daten zur Prävalenz (Häufigkeit) der Erkrankung lagen lange Zeit nicht vor. Auch Fragen zur Versorgung, wie zum Beispiel die Anwendung verschiedener Therapieformen bei MS-Patienten waren nur ansatzweise bekannt.

Um standardisierte Daten über die Versorgungssituation innerhalb Deutschlands und den Einfluss der Erkrankung auf die Berufs- und Arbeitswelt zu erhalten, initiierte die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. im Jahre 2001 den Aufbau eines MS-Registers. Mittlerweile beteiligen sich über 190 MS-Zentren an der Dokumentation.

Der DMSG-Bundesverband gewährt in der "Grafik des Quartals" Einblick in aktuelle Zahlen rund um die Erkrankung MS. Mehr über das MS-Register der DMSG, Bundesverband e.V. erfahren Sie hier.

 

Quelle: msfp, DMSG-Bundesverband e.V., 27.10.2020

- 27.10.2020