DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Sobek-Stiftung würdigt international herausragende Multiple Sklerose-Forscher

Die Roman, Marga und Mareille Sobek-Stiftung hat mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und AMSEL e.V. ihren, mit 100.000 Euro europaweit höchstdotierten Preis für MS-Forschung an den Immunologen Prof. Dr. rer. nat. Ari Waisman (55) von der Universität Mainz verliehen. Der Sobek-Nachwuchspreis mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro ging an Dr. med. Veit Rothhammer (37), von der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München.

Sobek-Forschungspreis 2016 für Prof. Dr. rer. nat. Ari Waisman aus Mainz für bahnbrechende neue Technik der experimentellen Neurobiologie

Das Forschungsinteresse des 55-jährigen Immunologen Prof. Dr. rer. nat. Ari Waisman gilt den molekularen Mechanismen der Entzündung und der entzündlichen Gewebeschädigung im zentralen Nervensystem. Ein Arbeitsschwerpunkt des Direktors des Instituts für Molekulare Medizin der Universität Mainz umfasst die Entwicklung experimenteller Mausmodelle, die tiefere Einblicke in die Rolle und Regulation von Entzündungszellen im Gehirn ermöglichen. Ein wesentlicher Beitrag war die Entwicklung eines transgenen Mausmodells, das es ermöglicht, experimentell gezielt bestimmte Zellgruppen zu eliminieren. Damit lassen sich erstmals bestimmte schädliche Zellfunktionen im lebenden Organismus analysieren. Dieses Modell hat sich als bahnbrechende neue Technik der experimentellen Neurobiologie entwickelt. Die Erkenntnisse aus seinen Arbeiten sind entscheidend für das Verständnis der Erkrankungsmechanismen und haben zur erfolgreichen Entwicklung gegenwärtiger anti-entzündlicher und immunmodulierender Therapien beigetragen. Darüber hinaus schafften die Erkenntnisse über die Gewebsschädigung bei MS neue Konzepte für die zukünftige Entwicklung neuro-protektiver Therapieformen zum Schutz vor dem Gewebeuntergang.

Der in Rio de Janeiro geborene Waisman studierte in Israel Biologie, legte seine immunbiologische Doktorarbeit in Rehovot, Israel, ab. Er forschte bei namhaften Immunologen in Israel und an der Universität Köln. Im Jahr 2005 wurde er als Professor für Immunologie an die Medizinische Fakultät der Universität Mainz berufen, er war dort fünf Jahre lang Sektionsleiter in der I. Medizinischen Klinik. 2010 folgte der Aufstieg zum Direktor und Ordinarius des Instituts für Molekulare Medizin der Universität Mainz.

Der Laudator Ulrich Steinbach, Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Kunst Baden-Württemberg, hob besonders die große internationale Anerkennung für Waismans Forschungsleistungen hervor. Prof. Waisman hat seine Forschungsergebnisse seit 1990 in über 150 wissenschaftlichen Originalarbeiten publiziert, oft in erfolgreichen Kooperationen mit anderen MS-Forschern.

Neuen therapeutischen Strategien auf der Spur: Sobek-Nachwuchspreisträger 2016 ist Dr. med. Veit Rothhammer aus München

Der Neuroimmunologe Dr. med. Veit Rothhammer von der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München ist derzeit als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Harvard Medical School in Boston, USA. Der 37-jährige gebürtige Unterfranke promovierte an der Medizinischen Universitätsklinik II in Würzburg. In einer Arbeitsgruppe an der Neurologischen Klinik der TU München war Rothhammer maßgeblich an der Erforschung molekularer Rekrutierungs-mechanismen von Immunzellen in das zentrale Nervensystem beteiligt. Ebenso maßgeblich beteiligt war er an der Erforschung der Rolle von atypischen T-Zellen bei der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis, dem wichtigsten Tiermodell bei MS. Die atypischen T-Zellen können auf Umweltfaktoren, etwa Stoffe von Bakterien reagieren und dadurch Entzündungsvorgänge im Körper verändern. Zu dessen genauerer Erforschung erhielt Rothhammer das Stipendium in den USA. In einem dort erfolgreich bearbeiteten Projekt konnte er einen möglichen molekularen Weg aufzeigen, wie Vorgänge im Darm über freigesetzte Botenstoffe und Stoffwechselprodukte direkt Astrozyten des Gehirns beeinflussen können. Der Laudator Prof. Dr. med. Klaus V. Toyka, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Sobek-Stiftung, lobte diese „bahnbrechende wissenschaftliche Leistung Rothhammers, die neue therapeutische Strategien zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen des zentralen Nervensystems nahelegt.“

Seit dem Jahr 2000 hat die Sobek-Stiftung aus Renningen über 1,7 Millionen Euro für herausragende und wegweisende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose an Sobek-Forschungspreisträger und Sobek-Nachwuchspreisträger vergeben. Zum 17. Mal erfolgte die Preisverleihung der Sobek-Preise in Zusammenarbeit mit der AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. und dem DMSG-Bundesverband.

Quelle: AMSEL e.V. - 29.11.2016

29.11.2016