DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Statine - Forschung an Lipidsenkern bringt neue Hoffnung für die Behandlung der Multiplen Sklerose

Seit wenigen Jahren ist bekannt, dass die weltweit zur Senkung erhöhter Cholesterinspiegel verwendeten Statine auch entzündungshemmend und immunmodulierend wirken können. Es gab u.a. Berichte, dass Statine bei Herztransplantationen Abstoßungsreaktionen verhindern können. Diese Erkenntnisse nutzten Forscher von der Stanford-Universität in Kalifornien, um im Tiermodell die Wirkung dieser Stoffe auch auf Multiple Sklerose zu testen.

Es wurden mehrere Gruppen von Mäusen, die an unterschiedlichen Formen einer der MS ähnelnden Erkrankung (EAE) litten, mit einem Medikament namens Atorvastatin behandelt. Die Ergebnisse waren nach Aussage der Forscher sehr beeindruckend. Die behandelten Mäuse wiesen beträchtlich weniger entzündliche Reaktionen und Schübe auf als die nicht behandelten.

Atorvastatin scheint auf die T-Zellen des Immunsystems zu wirken, welche bei Multipler Sklerose die Markscheiden der Nervenzellen angreifen. Bei der Entstehung der Multiplen Sklerose erhalten diese T-Zellen eine molekulare Fehlinformation in der Richtung, dass die Markscheiden der Gehirnzellen körperfremde Merkmale enthalten und deshalb (wie z.B. Bakterien und Viren bei Infektionen) bekämpft werden müssen. Diese T-Zellen wandeln sich darauf folgend um und bilden Botenstoffe (sog. Zytokine), welche den Angriff auf die Markscheiden einleiten. Diese Botenstoffproduktion wird durch das verabreichte Atorvastatin gehemmt. Mehr noch, die genannten T-Zellen wandeln sich in solche um, die schützende Botenstoffe produzieren. Es wird also „der Schuldige zum Wohltäter“ gemacht. Denn wenn man nun diese umgewandelten T-Zellen aus den mit Atorvastatin behandelten Mäusen isoliert und Mäuse damit spritzt, die keine Behandlung bekommen haben, werden diese ebenfalls vor einem Ausbruch der EAE geschützt.

Da die Ergebnisse aus Tierversuchen nur in den seltensten Fälle auf den Menschen anwendbar sind, fordern die Forscher nun klinische Versuche, um zu testen, inwieweit die verschiedenen Formen der MS beim Menschen auf eine Behandlung mit Statinen ansprechen.

November 2002

- 09.12.2002