DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Alternativtherapien

Die Fratzer-Therapie

Der mittlerweile verstorbene Dr. Fratzer propagierte einen Therapieansatz, dessen Grundlage eine linolsäurearme Ernährung mit der Zufuhr von Fischölkapseln, Muschelfleischextrakten, Selen sowie Vitamin E darstellt. Patienten müssen nach der Fratzer-Theorie eine tiefgreifende Umstellung der Ernährung durchführen mit einem Verzehrverbot linolsäure- und arachidonsäurehaltiger Lebensmittel. Ungesättigte Omega-3-Fettsäuren werden in Form von Fischöl zugeführt. Vitamin E soll zum Oxidationsschutz der ungesättigten Fettsäuren dienen. Weiterhin wird ein Präparat aus B-Vitaminen und Muschelfleischextrakt verabreicht.
Auf Grund eines angeblich nachgewiesenen Selenmangels bei MS-Patienten wird darüber hinaus ein Selenpräparat in Kombination mit einem Coenzym Q10 verabreicht. Als letzter Bestandteil der Therapie werden Corticosteroide in unterschiedlichen Dosierungen in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf eingesetzt.
Die Fratzer Therapie beruht auf teils unbewiesenen und teils umstrittenen Behauptungen wie z.B. Selenmangel, Mangel an essentiellen Fettsäuren bei MS Patienten und der Annahme, dass die Linolsäurezufuhr vermindert werden soll, da aus dieser Arachidonsäure aufgebaut würde. Neuere Untersuchungen ergaben allerdings, dass Linolsäure beim Menschen kaum zu Arachidonsäure umgebaut wird, bzw. dass es bei einer Aufnahme von mehr als 10 g Linolsäure pro Tag über eine Enzymhemmung sogar zu einem Absinken des Arachidonsäurespiegels kommt. Damit ist die Empfehlung die Linolsäurezufuhr zu reduzieren hinfällig.
Außerdem vermengt die Therapie diverse Therapiekonzepte (Antioxidation, Vitaminersatz, Mineralstoffersatz, Corticosteroide), die einen Rückschluss auf ein wirksames Therapieprinzip erschweren. Eine kontrollierte Studie oder ein wissenschaftlicher Report zu dieser Therapieform liegen nicht vor. Ein Teil der immer wieder vorgetragenen Einzelfallberichte mag auf einen schubrückbildenden Effekt von Corticosteroiden zurückzuführen sein. Die chronische Cortisoneinnahme kann zu Osteoporose und anderen schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Die geforderte Nahrungsumstellung kann zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität und in vielen Fällen zu einem Gewichtsverlust führen.

Quellenangaben:
- Umstrittene Therapien der MS (Teil 2): Kritische Betrachtung umstrittener und komplementärmedizinischer Therapien auf der Grundlage aktueller Hypothesen zur Krankheitsentstehung (Fortsetzung des Artikels aus AKTIV 191, 2/2001). In: AKTIV (Fachzeitschrift der DMSG) 03/2001, Nr. 192, S. 12.
- Dr. med. Dieter Pöhlau, Gudrun Werner: Gesund und bewusst essen bei Multipler Sklerose. Trias Verlag, 2003.

Redaktion: DMSG Bundesverband e.V.
31.05.2005

- 31.05.2005