DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Symptomatische Therapie

Donepezil hilft auch bei MS dem Gedächtnis auf die Sprünge

Das Alzheimer-Mittel Donepezil kann offenbar bei MS-Patienten mit beginnenden Gedächtnisstörungen die Gedächtnisleistung verbessern.

Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der State University of New York in Stony Brook/USA im Verlauf einer Studie mit 69 Patienten. Warum dieses Medikament dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen kann, ist jedoch noch weitgehend ungeklärt.

Mehr oder weniger stark ausgeprägte kognitive Störungen, etwa des Lernens, des Gedächtnisses und der Informationsverarbeitung, werden bei jedem zweiten MS-Patienten beobachtet. „ Diese Begleiterscheinungen stellen eine wesentliche Behinderung bei der Alltagsbewältigung dar“, betont Dr. Lauren Krupp, Leiter der US-Studie.

69 MS-Erkrankte mit leichten kognitiven Störungen – der Minimal Status Test (MMSE) durfte nicht unter 26 Punkten liegen - wurden randomisiert entweder mit täglich 10mg Donepezil oder mit Placebo behandelt. Nach einem halben Jahr zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen der Verum- und der Placebo-Gruppe bei der Durchführung des spezifischen Gedächtnistestes Selective Reminding Test (SRT). Hierbei müssen sich die Patienten zwölf gelistete Wörter merken und diese mehrmals auswendig wiederholen.

Der positive Therapieeffekt blieb bedeutsam nach Berücksichtigung etwa des MS-Subtyps, des Grads der körperlichen Behinderung und der Interferon-Therapie. Sowohl die Patienten als auch die behandelnden Ärzte stellten eine Verbesserung fest. Zwar gab es einen nicht signifikanten Trend zu vermehrtem Auftreten von Durchfällen und zu vermehrten MS-Schüben, insgesamt aber wurde die Therapie sehr gut toleriert.

Über die Wirkweise des Cholinesterase-Hemmers bei Multipler Sklerose gibt es bislang nur Spekulationen. So führen die Demyelinisierung und die axonale Schädigung bei MS zu einer Verminderung der cholinergen Aktivität, zudem wird der Botenstoff Acetylcholin vom Vorderhirn zum Kortex über periventrikuläre Wege transportiert, die typischerweise bei MS geschädigt sind. Die US-Neurologen vermuten, dass der positive Effekt zumindest teilweise auch auf die verbesserte Glucose-Aufnahme des Gehirns unter Donepezil-Gabe zurückgeführt werden könnte.

Quelle:
Ärzte Zeitung 2/2005

Redaktion:
DMSG Bundesverband e.V.
22.März.2005

- 22.03.2005