DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Fingolimod: Rote-Hand-Brief klärt über arzneimittelinduzierte Leberschäden und deren Risikominimierung auf

In Abstimmung mit der europäischen und nationalen Regulierungsbehörde informiert der Hersteller von Fingolimod (Handelsname Gilenya®) in einem Rote-Hand-Brief über arzneimittelinduzierten Leberschäden und Handlungsempfehlungen zur Risikominimierung.

 

Fingolimod ist zur Therapie der hochaktiven schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose (RRMS) bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen ab zehn Jahren zugelassen:

  • Patienten mit hochaktiver Erkrankung trotz Behandlung mit einem vollständigen und angemessenen Zyklus mit mindestens einer krankheitsmodifizierenden Therapie.

oder

  • Patienten mit rasch fortschreitender schwerer RRMS, definiert durch zwei oder mehr Schübe mit Behinderungsprogression in einem Jahr, und mit einer oder mehr Gadolinium anreichernden Läsionen im MRT des Gehirns oder mit einer signifikanten Erhöhung der T2-Läsionen im Vergleich zu einer kürzlich durchgeführten MRT.

Während einer Therapie mit Fingolimod kann es als Nebenwirkung zu erhöhten Leberenzymwerten kommen. Die Erhöhung der Leberenzymwerte (Alanin-Aminotransferase [ALT, auch GPT], Gammaglutamyltransferase [GGT], Aspartattransaminase [AST, auch GOT]) zeigt eine Schädigung des Organs und seiner Funktion an. Bei rechtzeitigem Handeln, kann dieser entgegengewirkt werden.

Im aktuellen Rote-Hand-Brief wird über drei Fälle von Leberversagen, die eine Lebertransplantation erforderte berichtet. Zusätzlich sind Fälle mit klinisch signifikanter Leberschädigung berichtet. Anzeichen einer Leberschädigung, einschließlich deutlich erhöhter Leberenzymwerte im Serum und erhöhtem Gesamtbilirubin, wurden bereits zehn Tage nach der ersten Dosis von Fingolimod aber auch nach länger andauernder Therapie berichtet.

Erhöhte Leberenzymwerte sind eine sehr häufige Nebenwirkung von Fingolimod, aber aufgrund des Schweregrads und des Ausmaßes von kürzlich berichteten Fällen wurden die Empfehlungen zu Therapieabbruch sowie zur Überwachung verstärkt und verdeutlicht, um das Risiko von arzneimittelinduzierten Leberschäden zu minimieren. Bilirubin sollte zusammen mit Leberenzymwerten überprüft werden und Leberfunktionstests sollten in regelmäßigen Abständen bis zwei Monate nach Beendigung der Fingolimod-Behandlung durchgeführt werden. Bei Auftreten klinischer Symptome, die auf eine Leberfunktionsstörung hinweisen, sollte die Behandlung mit Fingolimod abgesetzt werden, falls eine signifikante Schädigung der Leber bestätigt wurde. Die Therapie sollte nicht fortgesetzt werden, außer es kann eine andere plausible Ursache für die Anzeichen und Symptome der Leberschädigung festgestellt werden.

Zusammenfassend gilt:

  • Fälle von akutem Leberversagen, die eine Lebertransplantation erforderten, und klinisch relevante Leberschäden wurden bei mit Fingolimod behandelten Patienten berichtet.
  • Die Handlungsempfehlungen für die Überwachung der Leberfunktion und die Kriterien für einen Therapieabbruch wurden mit zusätzlichen Details ergänzt, um das Risiko arzneimittelinduzierter Leberschäden zu minimieren:

     ● Leberfunktionstests einschließlich Serumbilirubin sollten vor Therapiebeginn und in den Monaten 1, 3, 6, 9 und 12 der Therapie und danach regelmäßig bis zwei Monate nach Beendigung der Fingolimod-Behandlung durchgeführt werden.

     ● Bei Abwesenheit klinischer Symptome, falls die Werte der Lebertransaminasen: 

        auf mehr als das 3-Fache, aber weniger als das 5-Fache der Obergrenze des Normalwertes und ohne einen Anstieg des Serumbilirubins ansteigen, sollte eine häufigere Überwachung einschließlich Serumbilirubin und alkalischer Phosphatase eingeleitet werden.

        auf mehr als das 5-Fache oder auf mehr als das 3-Fache der Obergrenze des Normalwertes mit gleichzeitigem Anstieg des Serumbilirubins ansteigen, sollte die Behandlung mit Fingolimod unterbrochen werden. Falls sich die Serumspiegel normalisieren, kann die Fingolimod-Behandlung unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Bewertung für den Patienten wieder aufgenommen werden.

      ● Bei Vorliegen klinischer Symptome, die auf eine Leberfunktionsstörung hinweisen:  Leberenzyme und Bilirubin sollten umgehend überprüft werden und bei Bestätigung einer relevanten Schädigung der Leber sollte Fingolimod abgesetzt werden.

Hier finden Sie den "Rote-Hand-Brief zu Gilenya® (Fingolimod): Aktualisierte Empfehlungen, um das Risiko arzneimittelinduzierter Leberschäden zu minimieren" 

Expertenkommentar von Prof. Dr. med. Luisa Klotz, Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes

"Eine Erhöhung der Leberwerte unter Fingolimod ist an sich gut bekannt und verändert insofern nicht die Nutzen-Risiko-Bewertung des Medikamentes aus unserer Sicht. Die Schwere der hier gelisteten - wenigen - Fälle zeigt jedoch noch einmal deutlich auf, wie wichtig es ist die Leberwerte unter der Therapie konsequent zu monitorieren und bei entsprechenden Erhöhungen entsprechend zu reagieren. Der aktuelle Rote-Hand-Brief möchte hierfür nochmals sensibilisieren."

 

Quelle: Rote-Hand-Briefe und Informationsbriefe, Bundesinsttitut für Arzneimittelund Medizinprodukte (BfArM), Wirkstoff Fingolimod, 10.11.2020, https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2020/rhb-gilenya.html 
DMSG-Bundesverband e.V., 13.11.2020

- 13.11.2020