DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Neuer Wirkstoff: Daclizumab zur Behandlung der Multiplen Sklerose erhält EU-Zulassung

Die europäische Kommission hat Daclizumab (Handelsname Zinbryta®) mit der erteilten Zulassung für den deutschen Markt freigegeben. Damit wird erwachsenen Multiple-Sklerose-Erkrankten mit schubförmiger Verlaufsform in Deutschland eine weitere Behandlungsoption in Form einer selbstdurchzuführenden Injektion zur Verfügung stehen. Auf Nachfrage des Bundesverbandes teilte der Hersteller mit, die Markteinführung für Herbst 2016 zu planen.

Bereits im Mai hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) in seiner Sitzung Ende April Daclizumab HYP eine „positive Opinion“ ausgesprochen.
Der DMSG-Bundesverband berichtete. Nun hat die Europäische Kommission die Zulassung für den europäischen Markt erteilt. Im Folgenden ist das Wichtigste kurz zusammengefasst:

Wirkungsmechanismus

Daclizumab ist ein monoklonaler Antikörper. Er ist gegen eine spezifische Untereinheit des Interleukin-2-Rezeptors, das sogenannte Oberflächenprotein CD-25 auf aktivierten T-Zellen, gerichtet und wirkt damit immunmodulierend. Die Bindung an CD-25 soll das Wachstum der aktivierten T-Zellen eindämmen und somit auf die Zerstörung der Myelinscheiden und der Entstehung von typischen Entzündungsherden Einfluss haben. Zusätzlich steht den sogenannten Natürlichen Killerzellen (NK) vermehrt der Wachstumsfaktor Interleukin-2 zur Verfügung, denen eine wichtige Rolle bei der Hemmung der Krankheitsaktivität zugeschrieben wird. Mit Daclizumab erhöht sich die Anzahl dieser Natürlichen Killerzellen.

Anwendung

Die Verabreichung des Antikörpers Daclizumab in einer 150 mg Lösung erfolgt monatlich über eine Selbstinjektion unter die Haut (subkutan).

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Bei bereits bestehenden Lebererkrankungen oder verschlechterten Leberwerten, autoimmunvermittelten Beschwerden der Leber, wie Autoimmunhepatitis oder einer Allergie auf Daclizumab ist die Anwendung kontraindiziert. Derzeit liegen noch keine offiziellen Unterlagen auf der Website der EMA vor. (Europäischer Öffentlicher Beurteilungsbericht, engl. European Public Assessment Report, kurz EPAR). Deshalb beziehen sich die Angaben zu den Kontraindikationen auf die Informationen der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA)

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen, mit einem Auftreten von 5 % in den Zulassungsstudien, waren erhöhte ALT-Werte (Alanin-Aminotransferase, eine Art von Leberenzymen), Hautreaktionen (u.a. Ausschläge und Ekzeme), Infektionen (insbesondere des Nasen-Rachen-Raumes, der oberen Luftwege und des Harntraktes), gastrointestinale Probleme und Depressionen. Das Auftreten potentiell, sehr seltener Nebenwirkungen kann nicht ausgeschlossen werden, da bisher keine Langzeiterfahrungen mit Daclizumab in der MS-Therapie vorliegen. Die häufigsten Gründe für das Unterbrechen der Therapie mit Daclizumab in den Zulassungsstudien waren Leber- und Hautreaktionen. Die Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen des Herstellers werden voraussichtlich Angaben, wie Leberschäden, Hautreaktionen, Depressionen, Infektionen, Magen-Darm-Erkrankungen und Lymphopenie enthalten.

Über die Zulassungsstudien

Die Zulassung erfolgte auf der Basis der Ergebnisse zweier großer Studien (DECIDE und SELECT) an ca. 2400 Patienten. Demnach zeigte sich in der DECIDE-Studie eine 45% verringerte Anzahl der Schubraten durch Daclizumab (150 mg, subcutan) im Gegensatz zur Therapie mit Interferon beta-1a. Zusätzlich waren nach einer Beobachtungszeit von 96 Wochen 54% weniger neu aufgetretene Läsionen im Gehirn nachweisbar als unter der Vergleichstherapie. Der Einfluss auf die Behinderungs-Progression war dagegen vergleichbar mit der der Interferon-Therapie. Die Nebenwirkungen - allgemeine Infektionen, schwerwiegende Infektionen, Hautreaktionen und Veränderungen der Leberwerte - waren in der Daclizumab-Gruppe erhöht. In einer weiteren Studie (SELECT), in der der Effekt auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Erkrankungsaktivität gemessen wurde, zeigten sich - im Vergleich zu Placebo - Verbesserungen.

Quellen:

  • Pressemitteilung des Herstellers  
  • Drugs@FDA, FDA Approved Drug Products
  • Kappos L1 et al. Daclizumab HYP versus Interferon Beta-1a in Relapsing Multiple Sclerosis. N Engl J Med. 2015 Oct 8;373(15):1418-28.
  • Phillips G et. al. Assessing the impact of multiple sclerosis disease activity and daclizumab HYP treatment on patient-reported outcomes: Results from the SELECT trial. Mult Scler Relat Disord. 2016 Mar;6:66-72. 

 

 

- 07.07.2016