DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Empfehlungen aus der aktualisierten Leitlinie der DGN

KKNMS und DGN informieren auf der Neurowoche 2014 über Änderungen und Ergänzungen in den Diagnose- und Therapieempfehlungen zu Multipler Sklerose

Zwei Neuzulassungen in 2013, zwei weitere in 2014 – das Angebot an verfügbaren MS-Therapeutika wächst. Die stetigen Entwicklungen in Therapie und Diagnostik steigern die Komplexität der MS-Behandlung und machen Behandlungsrichtlinien unerlässlich. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) unterstützen Neurologen daher mit einer Leitlinie zur Therapie der Multiplen Sklerose. Prof. Dr. med. Ralf Gold, Koordinator der Leitliniengruppe und Mitglied der Vorstände von DGN, KKNMS und Ärztlichem Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V., stellte die Aktualisierungen 2014 auf der diesjährigen Neurowoche in München vor.

"Mit der Leitlinie möchten wir behandelnden Neurologen eine Handreichung zur Behandlung von MS-Patienten zur Verfügung stellen. Ziel ist es, Erkenntnisse der Wissenschaft schnellstmöglich in die Praxis zu transferieren und damit eine bestmögliche Patientenversorgung zu gewährleisten", so Prof. Gold. Die Aktualisierungen enthalten Empfehlungen zu neuen wie bestehenden Therapien.

Risiko-Nutzen-Profile von Alemtuzumab, Dimethylfumarat und Teriflunomid

So wird eine Einführung zu den 2013 neu zugelassenen Medikamenten Alemtuzumab, Dimethylfumarat und Teriflunomid gegeben. Schwerpunkt dabei ist die Einschätzung des Risiko-Nutzen-Profils dieser Wirkstoffe – eine besonders wichtige Information bei Therapeutika, die neu auf dem Markt sind, erklärt Prof. Gold: "Die Sicherheitsprofile von Dimethylfumarat und Teriflunomid kennen wir durch die Vorgängersubstanzen bereits relativ gut. Anders bei Alemtuzumab – zudem ist dies ein monoklonaler Antikörper, der tief und nachhaltig in das Immunsystem eingreift, was Nachuntersuchungen über vier Jahre notwendig macht."

Stufentherapieschema der Multiplen Sklerose

Die drei neuen Therapien sowie der im Juli zugelassene Wirkstoff Peg-Interferon wurden in das Stufentherapieschema der MS eingefügt. Hier wurden zudem grundlegende Änderungen in der Bezeichnung der Stufen vorgenommen: Die Unterscheidung zwischen milden/moderaten und (hoch)aktiven Verlaufsformen ersetzt die Unterscheidung zwischen Basis- und Eskalationstherapie. Dies trägt den regulatorischen Entscheidungen Rechnung, die schon frühzeitig die Einstellung auf oder Umstellung innerhalb der Immuntherapeutika im Sinne der Therapieoptimierung ermöglichen.

Die Arbeitsgruppe zur Erstellung der Leitlinie, die Prof. Gold leitet, nahm in die Aktualisierung auch neue Erkenntnisse zu bestehenden Therapien auf. So stellte Gold vor, dass bei einer Phase-3b-Studie die etablierten kardialen Sicherheitsvorkehrungen bei der Erstgabe von Fingolimod bestätigt wurden. Zudem sei das generelle Sicherheitsprofil von Fingolimod nun mit über 200.000 Patientenjahren zunehmend gut verstanden: "Soweit momentan beurteilbar, führt die Behandlung mit Fingolimod nicht zu wesentlichen Immunkompetenzproblemen oder der Entwicklung von Neoplasien", so Gold.
Bei der Therapie der Neuromyelitis optica (NMO) rät die Leitlinie von der Gabe MS-spezifischer Therapeutika ab, da hierunter Verschlechterungen beobachtet wurden. Dagegen gewinnt Rituximab bei der Behandlung der NMO einen zunehmenden Stellenwert – das Medikament zeigt eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit auch über einen längeren Zeitraum.

Die nächste, umfassende Aktualisierung der MS-Leitlinie kündigte Prof. Gold für 2016 an

Dort sollen auch die Informationen zu den neu zugelassenen Therapien vertieft werden. Bis dahin können diese in den Qualitätshandbüchern des KKNMS nachgelesen werden. Mit den Behandlungshinweisen zu Alemtuzumab, Dimethylfumarat und Teriflunomid reagieren das KKNMS und der DMSG-Bundesverband auf die drei Neuzulassungen zur MS-Therapie. Mehr

Die Handbücher können noch während der Neurowoche am Stand des Kompetenznetzes (Nr. 3, ICM-Foyer Obergeschoss) abgeholt oder über sekretariat@kkn-ms.de bezogen werden. Die Aktualisierung der Leitlinie ist verfügbar auf den Internetseiten von DMSG-Bundesverband, DGN und KKNMS. Das aktualisierte Stufentherapieschema sowie sämtliche Therapiehinweise sind abrufbar in der kostenlosen MS-App des KKNMS.

Quelle: PM von DGN, KKNMS. Bilder: DGN, Fotolia - 17.September 2014

- 17.09.2014