DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Therapien

Multiple Sklerose: Herzprobleme vor der Erstanwendung von Fingolimod erkennen

Eine deutsche Forschergruppe um Prof. Dr. med. Max-Josef Hilz und Prof. Dr. med. Ralf Linker, Mitglied im Ärztlichen Beirat des Bundesverbandes der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, vermutet, dass spezielle Läsionen dafür verantwortlich sind, wenn es zu Beginn einer MS-Therapie mit Fingolimod zu Problemen mit der Herzfunktion kommt.

Es ist bekannt, dass bei der Erstanwendung von Fingolimod eine verlangsamte Herzschlagfrequenz und Herz-Rhythmus-Störungen auftreten können. Mehr
Aus diesem Grund muss nach ärztlich überwachter Ersteinnahme eine mindestens sechsstündige Überwachung des Patienten gewährleistet werden. Eine längere Überwachung ist notwendig, wenn die Herzfrequenz innerhalb der geforderten Zeit noch nicht wieder angestiegen ist. Unklar ist noch, warum einige MS-Patienten länger brauchen, bis sich ihre Herzfrequenz wieder normalisiert oder warum einige weitere Herzprobleme bekommen.

Fehlfunktionen schon vor Therapiebeginn erkennen

Prof. Dr. med. Ralf Linker, Geschäftsführender Oberarzt, Leitung Neuroimmunologie, Neurologische Klinik,
Universitätsklinikum Erlangen, Mitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes

In ihrer Studie stellen die Forscher von der Universität Erlangen-Nürnberg um Prof. Dr. med. Max-Josef Hilz und Prof. Dr. med. Ralf Linker, der auch Mitglied im Ärztlichen Beirat der DMSG, Bundesverband e.V. ist, eine interessante Hypothese auf:
Sie vermuten, dass bei den betroffenen Patienten Fehlfunktionen im autonomen Nervensystem, das auch den Herzschlag kontrolliert, auf krankheitsbedingte Veränderungen (Läsionen) im entsprechenden Kontrollbereich im Gehirn zurückzuführen sind.

Basierend auf dieser Annahme untersuchte das Team, ob Standarduntersuchungen zur Prüfung der Herzfunktion dafür geeignet sind, solche Fehlfunktionen vor dem Start einer Fingolimod-Therapie anzuzeigen und auf diese Weise Patienten herauszufiltern, bei denen es länger dauert, bis die Herzfrequenz sich wieder normalisiert.

Blutdruck und EKG geben Hinweise im Vorfeld der Therapie

Bei 21 MS-Erkrankten und 20 gesunden Kontrollpersonen wurden EKG-Untersuchungen und Blutdruckmessungen in Ruhe, nach dem Aufstehen und nach rhythmischem tiefem Atmen vorgenommen, bevor diese mit der Einnahme von Fingolimod begannen. Die Ergebnisse zeigten, dass sieben Patienten längere Zeit benötigten, bevor sich ihre Herzfrequenz wieder normalisierte und dass bestimmte Werte aus EKG-Untersuchungen und Blutdruckmessungen bereits vorab darauf hinweisen konnten. Die Wissenschaftler betonen, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um die kardiovaskulären Probleme bei der Fingolimod-Therapie, auch im Vergleich mit anderen verlaufsmodifizierenden Therapien zu untersuchen.

 

Hintergrundinformationen zu Fingolimod

  • Am 18. März 2011 hat die Europäische Zulassungsbehörde (EMA) den Wirkstoff Fingolimod - Handelsname ‚Gilenya®‘ - für die Therapie der hochaktiven schubförmigen Multiplen Sklerose zugelassen. Der Ärztliche Beirat des DMSG-Bundesverbandes hat sich bereits am 23. März 2011 in einer Stellungnahme zur EU-Zulassung von Fingolimod zur Therapie der hochaktiven schubförmigen MS geäußert. Mehr
  • Zuletzt hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) für Fingolimod bei Multipler Sklerose Hinweise auf Zusatznutzen bei bestimmten Patientengruppen erkannt. Mehr
  • Interaktive Infomationen auch über die Therapie mit Fingolimod bietet das DMSG-Internet-Tool "MS behandeln. Mehr
  • Weitere Informationen erhalten Sie im Patientenaufklärungsbogen des Qualitätshandbuches "Fingolimod", erstellt vom Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) in Abstimmung mit dem Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes, und bei Ihrem behandelnden Arzt. Mehr

Quelle: Multiple Sclerosis News Today © BioNews Services 2015

- 28.07.2015