DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Forschung und Therapie

Multiple-Sklerose-Therapie mit Alemtuzumab: 4-Jahres Daten zeigen anhaltende Wirkung

Eine Verlängerungsstudie zu CARE-MS II hat gezeigt, dass mit Alemtuzumab behandelte Patienten mit hochaktiver schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (RRMS) bis zu vier Jahre frei von neuen aktiven Läsionen bleiben: Ein enges Monitoring bleibt weiterhin unabdingbar.

Der Wirkstoff Alemtuzumab (Handelsname Lemtrada®) zielt auf das CD52-Antigen ab, das in großer Zahl auf den B- und T-Zellen vorhanden ist. Dadurch werden diese Zellen aufgelöst und der zerstörerische Prozess gestoppt, bevor die Zellen dann im weiteren Verlauf "zurückkommen und das Immunsystem neu besiedeln", berichtet Dr. Ann Bass, MS-Expertin vom Neurology Center of San Antonio, Texas. Man nimmt an, dass die charakteristische Verteilung der B- und T-Zellen bei der Wiederbesiedelung das Immunsystem neu ausbalancieren.

Das Dosierungsschema für Alemtuzumab umfasst zwei Behandlungsphasen: In der ersten Phase wird der Wirkstoff an fünf aufeinander folgenden Tagen als intravenöse Infusion verabreicht (12 mg pro Tag). In der zweiten Phase, zwölf Monate später, an drei aufeinander folgenden Tagen in gleicher Dosierung. Die Hoffnung ist, dass danach weitere Behandlungen nicht oder erst später wieder notwendig werden.

"Der Wirkstoff trägt hohe Risiken für unerwünschte Nebenwirkungen wie Infusionsreaktionen, Magen- und Darmprobleme, Nierenerkrankungen, Infektionen und Erkrankungen der Schilddrüse, die ein umfangreiches Monitoring erfordern", betont Dr. Bass. Aus diesem Grund wird Alemtuzumab ausschließlich bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität eingesetzt, bei denen die bisher etablierten Therapien versagen. Hohe Krankheitsaktivität bedeutet: wiederholte Schübe, sichtbare Aktivitäten im MRT sowie Verschlechterung der Erkrankung und Zunahme der Behinderung trotz bestehender Therapie.

Die Ergebnisse der zweijährigen CARE-MS II Studie, einer der zwei entscheidenden Zulassungsstudien zu Alemtuzumab, hatten gezeigt, dass es unter einer Therapie mit Alemtuzumab (erste Behandlung und eine weitere nach 12 Monaten) - im Vergleich zu einer Therapie mit Interferon beta-1a (44mg) – zu einer um 49% geringeren jährlichen Schubrate und einer Verzögerung bei der Zunahme der Behinderung kam.

 

Eine wichtige Frage ist nun, wie lange die Wirkung anhält, bevor die Erkrankung wieder hervorbricht.

Eine Verlängerungsstudie soll Antworten auf die Frage nach der Dauer der Wirksamkeit geben

Nach Abschluss der zweijährigen, oben genannten, Originalstudie konnten sich diejenigen Patienten, die mit Interferon beta behandelt worden waren, entscheiden, mit Alemtuzumab weiterzumachen. Diejenigen, die es schon während der Studie bekommen hatten, standen vor der Frage, falls nötig, eine dritte oder vierte Behandlungsphase zu beginnen.

Analysiert wurden MRT-Daten einschließlich Gadolinium-Anreicherung, neue oder sich vergrößernde T2- und neue T1-Läsionen, gänzliches Fehlen von Aktivität sowie das Ausmaß eines Verlustes an Gehirnvolumen.
Aus dem Kreis der ursprünglichen Studienteilnehmer wechselten 393 (92,9%) in die Verlängerungsphase. Nach einer Gesamtzeit von 4 Jahren hatten 67,7% dieser Patienten immer noch nicht mehr als die ersten zwei Behandlungen. 24,2% benötigten einmal eine weitere Behandlungsphase und 7,4% zweimal.

Der Anteil an Patienten, die frei von Gadolinium anreichernden Läsionen waren, also keine entzündlichen Aktivitäten zeigten, betrug 86,5% nach drei und 89,1% nach vier Jahren. Die Anzahl neuer oder sich vergrößernder T1- oder T2-Läsionen blieb stabil. Im dritten bzw. vierten Jahr waren die meisten der Patienten frei von Aktivitäten im MRT (68,4% bzw. 69,9%).

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten unter Alemtuzumab noch Jahre nach der Behandlung frei von neuer, im MRT sichtbarer, Krankheitsaktivität bleiben können. Ursache dafür könnte der Mechanismus der durch den Wirkstoff hervorgerufenen Zerstörung der Lymphozyten und die darauf folgende Wiederbesiedelung sein. Weitere Langzeitbeobachtungen sind wichtig, um diese Thesen zu festigen.

Ein umfangreiches Monitoring, aufgrund der bestehenden Gefahr von Nebenwirkungen, bleibt trotz allem bei der Therapie mit Alemtuzumab unverzichtbar.

Qualitätshandbuch zu Alemtuzumab

Im Qualitätshandbuch Alemtuzumab haben das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) und die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. praxisbezogene Behandlungshinweise für Neurologen zum Einsatz von Alemtuzumab in der MS-Therapie zusammengestellt. Auch eine Patientenaufklärung ist hier zu finden.
Die Inhalte sind auch als App für Smartphones und Tablet-PCs abrufbar. Mehr

Quelle: Medsape Multispeciality © 1994-2015 by WebMD LLC, ms-uk - 04. Juni 2015

- 08.07.2015