DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Mundspray auf Cannabisbasis: Erstattungsbetrag für Multiple Sklerose-Therapeutikum vereinbart

Das Pharmaunternehmen und der GKV-Spitzenverband haben sich am 23. September 2013 auf einen Erstattungsbetrag für das Arzneimittel Sativex® (Wirkstoff: Cannabis sativa) geeinigt: Dorothea Pitschnau-Michel, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, begrüßt das Ergebnis der Verhandlungen als weiteren Schritt, um die Versorgung von MS-Patienten zu sichern, die auf eine Linderung ihrer spastischen Symptome hoffen.

Sativex® ist zugelassen als Add-on-Therapie zur Symptomverbesserung bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von Multipler Sklerose, die nicht angemessen auf eine andere antispastische Arzneimitteltherapie angesprochen haben. Es ist das erste Medikament auf Basis zweier Cannabinoide - Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Diese pflanzlichen Cannabinoide sind in der Lage, das körpereigene Cannabinoidsystem zu modulieren, was bei Respondern eine verbesserte Regulierung von Nervenimpulsen bewirkt. Das wiederum führt zu einer Verringerung der Spastik. 2011 wurde Sativex® zur Behandlung der Spastik bei MS in Europa zugelassen. Der DMSG-Bundesverband berichtete

Schwere Verhandlungen

Entsprechend des Arzneimittelneuordungsgesetzes (AMNOG) müssen neu zugelassene Medikamente hinsichtlich ihres Zusatznutzens im Vergleich zu bisherigen Therapien bewertet werden. Grundlage der aktuellen Verhandlungen war der Beschluss über die Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 21. Juni 2012, wo dem Medikament ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen attestiert wurde. Allerdings gestalteten sich die Preisverhandlungen schwierig. Nun sind die zweiten Verhandlungen zu diesem Arzneimittel unter mittlerweile geänderten Rahmenbedingungen hinsichtlich der Kriterien, die der Ermittlung des Erstattungsbetrags zugrunde gelegt werden, abgeschlossen. Die neuen Vertragsverhandlungen wurden aufgenommen, weil die Herstellerfirma den bestehenden Vertrag ordnungsgemäß zum Juni 2013 gekündigt hatte.

Die Einigung wird von den Verhandlungspartnern begrüßt

Sowohl der Geschäftsführer der Pharmafirma als auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland (GKV) bewerteten die Verhandlungen als konstruktiv und fair.

Dorothea Pitschnau-Michel, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, sieht in dem Ergebnis einen Fortschritt für die Versorgung von MS-Patienten mit Spastiken. Durch die Einigung auf einen Erstattungsbetrag ist nach entsprechender ärztlicher Diagnose gesichert, dass die Patienten das Medikament weiterhin erhalten können und die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das cannabishaltige Fertigarzneimittel übernehmen, wenn ein Betäubungsmittelrezept vorliegt.

Der DMSG-Bundesverband vertritt im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Interessen von MS-Erkrankten

Seit dem Jahr 2004 sind Patientenvertreter an den Beratungen des G-BA beteiligt. Die frühe Nutzenbewertung für Arzneimittel, die vom Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG) vorgeschrieben wird, ist einer der Arbeitsschwerpunkte der DMSG.

Als Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes äußerte sich Prof. Dr. med. Peter Flachenecker in einer Stellungnahme zur Bedeutung von Sativex® für die symptomatische Therapie der Multiplen Sklerose. Mehr

Quelle: Gemeinsame Presseinformation GKV und Herstellerfirma - 23. September 2013

- 23.09.2013