DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Primär progrediente Multiple Sklerose: Fingolimod enttäuscht in Phase III Studie

Kein signifikanter Unterschied zwischen Fingolimod und Placebo bei INFORMS: Zur großen Enttäuschung vieler MS-Erkrankter gab die Herstellerfirma von Fingolimod heute bekannt, dass der Wirkstoff in der Phase III Studie bei primär progredienter MS (Studienname: INFORMS) keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit zu einem Placebo zeigen konnte. Zielparameter waren erwartete Änderungen hinsichtlich der Krankheitsprogression in diversen Behinderungsskalen.

Die primär progrediente MS (PPMS) ist eine Verlaufsform, die etwa 10% der MS-Erkrankten betrifft. Typisch ist, dass Schübe hier weitestgehend fehlen und aktive Läsionen im MRT viel weniger nachweisbar sind. Es wird vermutet, dass bei PPMS die irreversiblen Schäden im Zentralen Nervensystem (ZNS) durch einen in der Ursache noch nicht voll aufgeklärten Verlust an Nervenzellen zustande kommen und so zu einer schnelleren, kontinuierlichen Zunahme der Behinderung führen, was die Lebensqualität der Betroffenen in hohem Maße beeinträchtigt. Diese progrediente Form der Erkrankung wird in der Regel zu einem späteren Zeitpunkt als die RRMS diagnostiziert – wenn bereits irreparable Schäden im ZNS aufgetreten sind. Trotz vielfältiger Bemühungen von Forschern in aller Welt (wir berichteten) gibt es bis heute keine zugelassenen Therapien, die den Verlauf der progredienten MS beeinflussen kann. Immer noch liegt hier der Schwerpunkt der Behandlungen ausschließlich auf symptomatischen Therapien.

Auf den Spuren von PPMS und der schubförmigen Form der MS

Die INFORMS Studie basiert auf Erkenntnissen, dass Fingolimod ins ZNS übertreten kann und mit den dort befindlichen, die Nervenzellen schädigenden, Zellen interagiert. Die Annahme war, dass dieser Effekt, der bei der schubförmigen MS bereits gut bekannt ist, bei PPMS ebenfalls relevant sein könnte. Bei RRMS konnte eine gute Wirksamkeit gezeigt werden – die enttäuschenden Ergebnisse der INFORMS Studie weisen nun ein weiteres Mal darauf hin, dass PPMS und die schubförmige Form der MS unterschiedliche ihnen zugrunde liegende Mechanismen haben.

Die INFORMS Studie ist eine doppeltblinde, multizentrische, placebokontrollierte Studie, die die Sicherheit und Wirksamkeit von Fingolimod (0,5 mg) gegen Placebo bei PPMS-Patienten testet. Sie ist die bisher umfangreichste PPMS Studie und umfasst 970 Studienteilnehmer/innen im Alter von 25 bis 69 Jahren. 148 Zentren nehmen teil, die sich über 18 Länder, unter anderen auch Deutschland, verteilen. Die Patienten werden über mindestens drei Jahre behandelt. Primärer Endpunkt ist, die Wirksamkeit von Fingolimod gegen Placebo dahingehend zu testen, dass eine über drei Monate anhaltende Reduktion der Krankheitsprogression festgestellt werden kann, eine Verzögerung einer vorab bestätigten Krankheitsprogression. Gemessen wurde der Effekt mit einer Kombination von EDSS (Expanded Disability Status Scale), einem Stecktest zur Messung der Funktion der oberen Gliedmaßen (9-Loch Test) und der Gehgeschwindigkeit (25-foot Timed Walk Test).

Die Herstellerfirma will nun die Ergebnisse sorgfältig weiter analysieren, um möglicherweise neue Einsichten in den Krankheitsverlauf bei PPMS zu finden. Darüber hinaus hat sie auch den Wirkstoff Siponimod (BAF312), eine Weiterentwicklung von Fingolimod, inzwischen in einer großen Phase III Studie bei sekundär progredienter MS (SPMS).

Quelle: www.ms-uk.org - 01. Dezember 2014
Bild: fotolia

- 01.12.2014