DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Bremst grüner Tee Entzündungsprozesse im Zentralen Nervensystem?

09. 01. 2006 - Eine regelrechte Geheimwaffe in Sachen Gesundheitsförderung scheint grüner Tee zu sein.

Jüngsten Untersuchungen an der Charité zufolge, könnte der grüne Tee auch eine neue Therapieoption für Patienten mit Multipler Sklerose liefern. Ein bestimmter Inhaltsstoff bremst offensichtlich den chronischen Entzündungsprozess im zentralen Nervensystem, der für die Erkrankung typisch ist.

Wissenschaftler um Prof. Frauke Zipp vom Institut für Neuroimmunologie der Berliner Charité untersuchten die Substanz Epigallocatechin-3-Gallat (EGCG), die für die erhofften positiven Effekte des grünen Tees verantwortlich ist. Dieser Naturstoff aus der Gruppe der Flavanoide, der in geringer Menge auch in schwarzem Tee enthalten ist, kann offensichtlich sowohl ein fehlgeleitetes Immunsystem drosseln als auch die Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen des Immunsystems schützen, fanden die Forscher heraus, als sie die Wirksamkeit der Substanz im Tierversuch und in Kulturen von menschlichen Immun- und Nervenzellen überprüften.

„Mit EGCG haben wir erstmals einen Inhaltsstoff gefunden, der, oral verabreicht, über unabhängige immunmodulatorische und nervenzellschützende Eigenschaften verfügt“, so Dr. Orhan Aktas, der die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Studie zusammen mit seinem Kollegen Dr. Timour Prozorovki durchführte. „EGCG scheint die zerstörerischen Krankheitsprozesse der Multiplen Sklerose von zwei Seiten anzugreifen. Zudem hat die Substanz den Vorteil, dass sie wahrscheinlich kaum Nebenwirkungen verursacht“.

Die Wissenschaftler wiesen nach, dass EGCG in das Wachstum aktivierter Immunzellen, der T-Lymphozyten, eingreift und die Verbreitung dieser Zellen hemmt. Gleichzeitig kann EGCG die Nervenzellen vor verschiedenen schädlichen Substanzen schützen, die das Immunsystem freisetzt. „Unsere Versuche haben gezeigt, dass EGCG auch bei bereits erkrankten Tieren wirkt. Dies entspricht der Behandlungssituation bei Patienten, die sich nach dem ersten Schub bei ihrem Arzt vorstellen“, erläutert Dr. Aktas. Ob eine Behandlung mit EGCG bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose wirksam und sicher ist, soll nun in weiteren Studien untersucht werden. Sollten diese Studien positiv ausfallen, stünde mit EGCG vielleicht bald eine neue Therapie für Menschen, die an MS erkrankt sind, zur Verfügung.

Quelle:

BMBF Newsletter Nr. 21

Redaktion:

DMSG, Bundesverband
09. Januar 2006

- 09.01.2006