DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Ocrelizumab in Phase III: Wirksam bei primär progredienter Multipler Sklerose?

Ocrelizumab wird derzeit zur Behandlung sowohl der schubförmigen als auch der primär progredienten Multiple Sklerose in Phase III erprobt. Nun hat die Herstellerfirma erste Ergebnisse bekannt gegeben, die insbesondere für PPMS-Erkrankte interessant sein könnten.

Ocrelizumab kann das Fortschreiten der Behinderung verlangsamen, so eine Pressemitteilung der Herstellerfirma. Diese Aussage betrifft eine Phase III-Studie, die unter der Bezeichnung ORATORIO läuft und 732 Patienten mit primär progredienter MS (PPMS) einschließt. Genauere Ergebnisse sollen im Oktober 2015 veröffentlicht werden.

Hintergrund

Bisher gibt es noch keine verlaufsbeeinflussende Therapie für die primär progrediente Verlaufsform der MS, die sich durch ein stetiges Fortschreiten ohne die sonst für MS typischen Schübe und darauf folgende Erholungsphasen auszeichnet. Mehrere bisher untersuchte Wirkstoffe zeigten leider keine positiven Ergebnisse. Umso wichtiger ist es, neue Wirkstoffe immer auch auf ihre Wirksamkeit bei PPMS zu testen, um hier Fortschritte zu erzielen.

Ocrelizumab: Wirkstoff aus der Gruppe der monoklonalen Antikörper

Der Wirkstoff zielt auf ein Molekül (CD20), das sich an der Oberfläche von B-Zellen befindet und kann diese Zellen unwirksam machen. B-Zellen sind Bestandteile des Immunsystems und man weiß von ihnen, dass sie an den krankmachenden Vorgängen bei Multipler Sklerose beteiligt sind. Vorläufige positive Resultate aus zwei Phase III-Studien mit Ocrelizumab bei schubförmiger MS sind bereits auf der DGN-Tagung in Düsseldorf vorgestellt worden. Der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft bereits berichtete im Abschnitt "Neue Substanzen in der Pipeline". Allerdings sind auch diese Ergebnisse noch nicht veröffentlicht.

Die Studie

Die Studie zur Wirkung von Ocrelizumab bei primär progredienter MS, ORATORIO genannt, schloss 732 PPMS-Patienten aus vielen Teilen der Welt ein. Auf Zufallsbasis erhielten die Teilnehmer entweder Ocrelizumab oder ein Placebo alle 6 Monate als intravenöse Infusion. Über die Studiendauer hinweg wurde beobachtet, ob sich die Symptome veränderten und ob das Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten werden konnte. Als Messinstrument diente die EDSS-Skala. Gemessen wurden auch Veränderungen in der Gehgeschwindigkeit sowie im MRT. Und nicht zuletzt waren Sicherheit und Verträglichkeit wichtige Studienziele.

Ergebnisse

Entsprechend der Pressemitteilung der Herstellerfirma reduzierte eine Behandlung mit Ocrelizumab das Voranschreiten klinisch feststellbarer Behinderungen im Vergleich zu Placebo signifikant. Infusionsreaktionen und ernsthafte Infektionen traten in beiden Gruppen mit annähernd gleicher Häufigkeit auf. Weitere Ergebnisse wurden in der Pressemitteilung nicht bekannt gegeben – dies soll auf der demnächst anstehenden Jahrestagung des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) geschehen, die vom 7.-10. Oktober in Barcelona stattfinden wird.
Wir sind gespannt auf die dann sicherlich detaillierter dargestellten Ergebnisse und Sicherheitsinformationen. Sollten sich die Ergebnisse so positiv darstellen, wie bisher berichtet, wäre das ein großer Fortschritt besonders für Menschen mit primär progredienter MS. Die Herstellerfirma plant, in 2016 die Zulassungsanträge für beide Indikationen zu stellen.

 

Mehr zu Ocrelizumab und den Studien lesen Sie im DMSG-Portal

Experten-Interview zur progredienten Verlaufsform der MS

"Die intensive Erforschung der Ursachen ist absolut vorrangig": Prof. Dr. med. Reinhard Hohlfeld, Vorsitzender im Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. beantwortet im Interview Fragen zum Thema "Progressive MS". Mehr

Quelle: Research News NMSS, USA 28. September 2015

- 29.09.2015