DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Alternativtherapien

Selbstversuch mit Naltrexone / Nemexin bei MS ?

In den letzten Wochen erreichten uns zahlreiche Anfragen hinsichtlich der Verwendung niedriger Dosierungen von Naltrexone (in den USA) bzw. Nemexin (in Deutschland) zur Behandlung der Multiplen Sklerose. Es gibt keine publizierten klinischen Daten, die die Verwendung von Naltrexone bei MS unterstützend bewerten!

Naltrexone ist ein Opiat-Antagonist. Es wird sowohl in den USA als auch in Deutschland (hier unter dem Namen Nemexin) im Rahmen einer medikamentengestützten Abstinenztherapie (Behandlung von Suchterkrankungen)verwendet und wirkt, indem es die für die Opiate im Zentralnervensystem empfänglichen Rezeptoren besetzt, so dass sie, wenn sie denn noch aufgenommen werden, dort nicht mehr ankoppeln und somit auch nicht mehr wirken können.

In bedeutend geringeren Dosierungen als für diesen Zweck wurde der Wirkstoff im Internet (als sogenanntes „Low Dose Naltrexone“ = LDN) als Behandlungsoption für eine Vielzahl von Erkrankungen, u.a. verschiedene Krebsformen, HIV/AIDS, Parkinson, Alzheimer, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sowie auch für Multiple Sklerose und andere Autoimmunerkrankungen angepriesen.

Es gibt jedoch keinerlei Veröffentlichungen zu placebokontrollierten klinischen Studien zum Nachweis von Sicherheit und Wirksamkeit von Naltrexone bei irgendeiner der oben zitierten Erkrankungen. Die Aktivitäten der Vermarktung beziehen sich lediglich auf anekdotische Berichte einzelner Personen. Als häufige Nebenwirkungen sind bei indikationsbezogener Behandlung Schlafstörungen, Angstzustände, Magen-Darmbeschwerden und Kopfschmerzen beschrieben.

Es wird behauptet dass Naltrexone bei Multipler Sklerose dahingehend wirkt, dass der Endorphinspiegel im Körper angehoben wird. Endorphine sind Stoffe, die u.a. als Neurotransmitter bzw. Hormone wirken und vegetative Körperfunktionen beeinflussen können. Dieses soll unter anderem auch zu einer Stärkung der Immunfunktion führen, was wiederum einen positiven Einfluss auf die Erkrankung ausüben soll.

Eine Stärkung bzw. allgemeine Anregung des Immunsystems wird jedoch für MS-Erkrankte in keinem Fall befürwortet! Der Grund dafür ist, dass es sich bei der MS um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei welcher das Immunsystem irrtümlicherweise das Myelin im Zentralnervensystem angreift. Das Ziel der gegenwärtig angewendeten Therapien besteht gerade darin, das überaktive Immunsystem zu bremsen und nicht, seine Aktivität noch weiter anzukurbeln!

Wir empfehlen MS-Erkrankten, jede Art Behandlung, ob Diät, Medikament oder anderes zu vermeiden, wofür mit der Aussage: „stärkt das Immunsystem“ geworben wird.

Quelle:

National MS Society, New York
Clinical Programs Department
In Zusammenarbeit mit
Allen Bowling, MD, PhD
Rocky Mountain MS Center
www.nationalmssociety.org

Redaktion:

DMSG Bundesverband e.V.

Prof. Dr. med. Peter Rieckmann
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates und Stellvertretender Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstandes des DMSG Bundesverband e.V.

10. September 2004

- 04.10.2004