DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Internationale Umfrage der MS-Gesellschaften zeigt: Einfache Maßnahmen erleichtern Multiple Sklerose –Erkrankten die Teilhabe am Berufsleben

Pünktlich zum Welt MS Tag hat die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. gute Nachrichten: Die Zahl der MS-Erkrankten, die frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, könnte sinken. Der Grund: Einfache Unterstützungsmaßnahmen zeigen nachhaltige Wirkung. Der Haken: Nicht alle wissen davon und nutzen die Möglichkeiten.

Die Multiple Sclerosis International Federation (MSIF), der auch der DMSG- Bundesverband angehört, hatte im Vorfeld des Welt MS Tages 2016 zur Teilnahme an der größten weltweiten Umfrage zum Thema Multiple Sklerose und Beruf aufgerufen. 12.233 Menschen aus 93 Ländern haben am Global MS Employment Report teilgenommen – ein Anstieg in Höhe von 40 Prozent im Vergleich zur Umfrage im Jahr 2010.

Mit den Ergebnissen will die MSIF ihren aktuell 46 Mitgliedsgesellschaften rund um den Globus Fakten an die Hand geben, um sich in ihrem jeweiligen Land in Politik und Wirtschaft für Änderungen und Anpassungen einzusetzen, die helfen, die Chancen für MS-Erkrankte im zu erhöhen. Denn: Die Diagnose MS bedeutet nicht zwangsläufig, sich in seiner Berufstätigkeit einschränken zu müssen oder sogar berufsunfähig zu werden.

Wesentliches Ergebnis der Studie: Eine signifikante Zahl MS-Erkrankter scheidet früher aus dem Berufsleben aus als nötig

Obwohl viele Menschen mit MS mitten im Berufsleben stehen, scheidet noch immer ein großer Anteil frühzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Das kann am Gesundheitszustand liegen, der sich massiv verschlechtert, aber auch an der unzureichenden Kenntnis über wirksame Unterstützungsmaßnahmen im Arbeitsleben.

So ergab der aktuelle Report, dass 43 Prozent der befragten nicht berufstätigen MS-Erkrankten innerhalb von drei Jahren nach der Diagnose aufgehört hatten, zu arbeiten. Diese Zahl steigt auf 70 Prozent nach zehn Jahren.

62 Prozent der Nicht-Berufstätigen gaben an, dass die Fatigue sie daran gehindert habe, weiterzuarbeiten. Ein Fortschritt: In der vorausgegangenen Studie in 2010 waren es noch 85 Prozent.

Ferner ist der Studie zu entnehmen, dass seit der letzten Erhebung eingeleitete Änderungen der Arbeitsbedingungen Erfolge zeigen: So haben weniger Menschen ihre Arbeitszeit reduziert oder eine kurze Auszeit genommen im Vergleich zu den Daten aus 2010.

Das Fazit: Effektive Änderungen und Anpassungen im Arbeitsumfeld können MS-Erkrankten den Verbleib im Berufsleben erleichtern.

Die internationale Umfrage setzt auf eine Verbesserung der rechtlichen und arbeitspolitischen Rahmenbedingungen.

Arbeitgeber und Politik müssen sensibilisiert werden

So schließt der Bericht auch Empfehlungen für Arbeitgeber, Politiker und Forscher mit ein. MS-Erkrankten wird nahegelegt, ihren Arbeitgeber frühzeitig nach der Diagnose zu informieren, so dass Anpassungen am Arbeitsplatz rechtzeitig vorgenommen werden können. Arbeitgeber erhalten Tipps, wie die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem an MS erkrankten Arbeitnehmer trotz der Krankheit weitergeführt werden kann. Videos

Werden die Chancen nicht genutzt, Beschäftigungsverhältnisse durch geeignete Fördermaßnahmen, Anpassungen beim Arbeitsumfeld und/oder der Arbeitszeit langfristig zu sichern, hat es für die Betroffenen und die Arbeitgeber erhebliche Folgen. Arbeit ist nicht nur ein wichtiger Faktor für die finanzielle Unabhängigkeit und das Selbstbewusstsein von Menschen. Arbeitgeber verlieren qualifizierte und berufserfahrene Mitarbeiter.

Die Bandbreite der Förderinstrumente ist groß

Technische Hilfen wie Sehhilfen, Gehhilfen, Hebegeräte oder Kfz-Anpassungen unterstützen eingeschränkte Körperfunktionen oder gleichen diese aus. Aufgrund des rasanten technischen Fortschritts, werden die Produkte immer differenzierter und besser an individuelle Bedürfnisse anpassbar. Organisatorische Veränderungen in den Betrieben wie flexible Arbeitszeiten, die z.B. MS-Erkrankten mit Fatigue bei Bedarf Pausen ermöglichen, oder der Wechsel von Tätigkeiten lassen sich häufig ohne großen Zeit- und Kostenaufwand umsetzen. Die personelle Unterstützung durch eine externe Arbeitsassistenz ist ein weiterer Lösungsansatz, wenn die Arbeitsfähigkeit durch die Erkrankung eingeschränkt ist.

Zudem bieten die DMSG-Landesverbände, die Reha-Teams der Rehabilitationsträger und die Integrationsämter kostenlose Informations- und Beratungsgespräche für Arbeitgeber und Arbeitnehmer an.

Expertenforum: Selbstbestimmt leben - mit MS

Die Berufstätigkeit bildet für viele Menschen eine wichtige Säule im Leben. Die Angst um den Arbeitsplatz und die Entscheidung, ob man den Arbeitgeber über die MS-Diagnose informiert, ist auch ein Thema im Dokumentarfilm "Kleine Graue Wolke" von Sabine Marina. Vom 25.05. bis 01.06.2016 beantwortet die junge Regisseurin im Expertenforum Ihre Fragen. Zum Expertenforum 

- 25.05.2016