DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) vor dem Aus?

Gesellschafter und wissenschaftlicher Beirat der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) haben mit Unverständnis auf die Entscheidung von GKV-Spitzenverband und dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung reagiert, die Aufgaben der UPD künftig an die Firma Sanvartis zu übertragen und so die bewährte Struktur der unabhängigen Patientenberatung zu zerschlagen: Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband e.V.unterstützt den Protest gegen diesen Beschluss.

Die unabhängige Einzelberatung der DMSG für Multiple Sklerose-Erkrankte und ihre Angehörigen ist jedoch nicht betroffen und wird weiterhin in den 16 Landesverbänden angeboten. Mehr

Der bisherige Verbund der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) soll allerdings nicht über das Jahresende 2015 hinaus finanziert werden. 21 Beratungsstellen stehen vor dem Aus. Rund 80.000 Menschen sind dort pro Jahr von den Mitarbeitern der UPD beraten worden. Mehr

Die Gesellschafter der UPD gGmbH befürchten jetzt, dass durch die Entscheidung vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und dem Patientenbeauftragten, Staatssekretär Karl-Josef Laumann, die hohe Qualität und die unabhängige Unterstützung für ratsuchende Patienten auf der Strecke bleiben könnten.

Seit Jahren fordern Politik und Patientenorganisationen eine Stärkung der Patienten im Gesundheitswesen. Patienten sollen auf Augenhöhe mit ihren Ärzten kommunizieren, ihre Rechte kennen und gegebenenfalls auch durchsetzen können. Wenn dies weiter gelten soll, muss die unabhängige Patientenberatung aus Sicht der Ratsuchenden vertrauenswürdig sein: Unabhängige Patientenberatung sollte in die Hände von anerkannten unabhängigen Patientenberatungsorganisationen gehören.

Vor diesem Hintergrund hat die Entscheidung zur Vergabe der Patientenberatung an das gewinnorientierte Unternehmen Sanvartis GmbH auf gesellschaftlicher und politischer Ebene eine Welle des Protestes ausgelöst:

"Dass die bestehende Unabhängige Patientenberatung Deutschland aufgelöst wird, ist nicht nachvollziehbar. Die Beratung in gemeinsamer Trägerschaft von Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbund unabhängige Patientenberatung hat sich als eine bewährte und gut funktionierende Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten bewiesen", betont Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland in einer gemeinsamen Pressemitteilung der UPD-Gesellschafter.

"Einen negativen Beigeschmack hat diese Entscheidung auch vor dem Hintergrund, dass künftig ein privatwirtschaftliches gewinnorientiertes Unternehmen und bisheriger Dienstleister für verschiedene Krankenkassen Patientenberatung anbieten darf. Das Wort unabhängig ist nicht
mehr angebracht", kritisiert Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Erfahrene Beraterinnen und Berater verlieren nun ihren Job. Neues Personal muss vom neuen Träger aufgebaut werden. "Dies geht auf Kosten der Beratungsqualität", sagt Günter Hölling, Vorstand des Verbunds unabhängige Patientenberatung. Die Ratsuchenden und die wissenschaftliche Begleitung der bisherigen Patientenberatung seien sehr zufrieden mit der hohen Qualität der Beratung und Empathie der Berater, betont er.

Auch die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats der UPD, Prof. Marie-Luise Dierks, Prof. Rolf Rosenbrock, Prof. Dr. Ullrich Bauer und Prof. Dr. Raimund Geene haben in einer Pressemitteilung Stellung genommen:

"Wir sind als Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats entsetzt über die uns völlig unverständliche Entscheidung, die erfolgreiche Arbeit der UPD zu beenden. Die Vergabe an die Sanvartis GmbH entspricht in keiner Weise den Vergabekriterien für eine Unabhängigkeit und Neutralität in der Patientenberatung. Substanzielle Kritikpunkte, die im Beirat vorgetragen wurden und zwingend den Ausschluss dieses Bewerbers zur Folge hätten haben müssen, wurden offenbar ignoriert.

Wir äußern unser Verständnis für die Kritik des Ärztekammerpräsidenten Montgomery, nach dem die Kassen versuchen, "sich die Beratungsstelle unter den Nagel zu reißen". Schon seit Jahren kritisieren wir im Beirat Versuche der Vereinnahmung der Patientenberatung durch die GKV. Weil auch der Bundestag diese Problematik gesehen hat, wurde per Gesetzesänderung entschieden, dass der Vorsitz des Beirats mit erweiterten Befugnissen nunmehr auf den Patientenbeauftragten der Bundesregierung übergehe, mit dem die Vergabe der Patientenberatung abzustimmen sei.

Unsere besondere Enttäuschung gilt nun dem Patientenbeauftragten, Staatssekretär Karl-Josef Laumann. Statt als Vorsitzender des Beirats die Erfolge im Aufbau der unabhängigen und neutralen Patientenberatung zu sichern, polemisiert er seit einigen Monaten gegen die UPD mit dem nunmehr offensichtlich gewordenen Ziel der Umwandlung der unabhängigen und neutralen Patientenberatung in ein kassennahes Call-Center."

Mehr Informationen über die Arbeit der UPD finden Sie hier

Quelle: Gemeinsame PM der UPD-Gesellschafter, Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbund unabhängige Patientenberatung VuP vom 10. Juli 2015 sowie Stellungnahme vom wissenschaftlichen Beirat der UPD - 13. Juli 2015

- 13.07.2015