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DMSG Aktuell

Die DMSG hilft Multiple Sklerose -Erkrankten aus der Ukraine

An MS erkrankte Flüchtende aus der Ukraine stehen nach ihrer Ankunft in Deutschland vor vielen Fragen. Bild: unsplash

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) unterstützt an Multipler Sklerose erkrankte Flüchtende mit Informationen und hilft Menschen mit MS in der Ukraine. „MS-Erkrankte dürfen in dieser
humanitären Notlage nicht vergessen werden“, betont DMSG-Bundesgeschäftsführer Herbert Temmes.

Seit dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 sind bis Anfang Juni 2022 laut Schätzungen des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) rund 7,3 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Gemäß einer Auswertung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden bis Ende April bereits mehr als 610.100 Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland erfasst. Innerhalb der Ukraine sind ebenfalls mehrere Millionen Menschen auf der Flucht vor dem Kriegsgeschehen. Unter diesen Flüchtlingen sind auch Menschen mit Multipler Sklerose. Bei einer Einwohnerzahl von 41 Millionen Menschen in der Ukraine ist bei einer geschätzten Prävalenz von 100 Menschen mit MS auf 100.000 Einwohner mit mindestens 41.000 Menschen mit MS in der Ukraine vor Kriegsbeginn auszugehen.

Einer Umfrage des Bundesinnenministeriums zufolge sind von den nach Deutschland Geflüchteten 82 Prozent Frauen, die überwiegend mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen sind.(1)
Die DMSG nimmt daher an, dass bereits mehrere hundert Menschen mit MS, insbesondere Frauen, nach Deutschland geflohen sind. Die inzwischen bekannten Strapazen und langen Wege, die die Menschen aus der Ukraine teilweise auch zu Fuß auf sich nehmen mussten, um über die Grenze in sichere Anrainerstaaten wie Polen, Rumänien, die Slowakei, Ungarn oder Moldawien zu gelangen, bedeutet aber gerade auch, dass MS- Erkrankte, die auf Gehhilfen, Rollatoren oder Rollstühle angewiesen sind, das Land eher nicht verlassen konnten.
„Uns haben vereinzelt Berichte über in ihren Wohnungen in umkämpften Städten ausharrende MS-Erkrankte mit Behinderungen erreicht“, sagt Herbert Temmes, Bundesgeschäftsführer der DMSG. „Wir sind in Kontakt mit Hilfsorganisationen in der Ukraine, um diesen Menschen vor Ort zu helfen.“ Die DMSG schließt sich eindringlich dem Appell des Deutschen Behindertenrates an: „Menschen mit Behinderungen dürfen in dieser humanitären Notlage nicht vergessen werden. Wir sorgen uns um ihren Schutz und ihre Sicherheit besonders. Denn für Menschen mit Behinderungen sind Fluchtoptionen enorm eingeschränkt, insbesondere, wenn sie in Heimen leben. Sie müssen deshalb im besonderen Fokus von Evakuierungsanstrengungen und Hilfsprogrammen stehen!“(2)

„Die bisherigen Erfahrungen mit geflüchteten Menschen mit MS aus der Ukraine zeigen, dass es vor allem darum geht, ihnen schnell den Zugang zum deutschen Gesundheitssystem zu ermöglichen. Die Belastungen durch die Flucht und auch die damit verbundenen Infektionsrisiken können die MS aktivieren. Die Therapie von Schüben und die Fortführung der Immuntherapien muss unverzüglich geleistet werden können, ebenso die notwendigen Kontrolluntersuchungen. Wochenlanges Warten auf eine Registrierung und damit kein Zugang zu deutschen Ärzten oder Kliniken ist für MS-Erkrankte gefährlich“, so Herbert Temmes weiter. „Wir sehen hier auch diejenigen Unternehmen in einer besonderen Pflicht, die diese Medikamenten-Studien in der Ukraine durchgeführt haben. Wir stehen mit diesen Firmen im Austausch über die Angebote der Weiterversorgung hier in Deutschland.“

Hilfe vor Ort

In einem Fall ist es der DMSG in Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma und Helfern vor Ort bereits gelungen, eine junge Frau in der Ukraine mit dem dringend benötigten MS-Medikament zu versorgen. Vermittelt wurde der Kontakt über Dr. med. Amar Mardini, der sich als Arzt ehrenamtlich in der Ukraine engagiert.

Mehr erfahren Sie in Kürze auf www.dmsg.de.

Die DMSG hilft mit finanzieller Unterstützung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung

Dank eines finanziellen Zuschusses in Höhe von 66.000 Euro durch die Gemeinnützige Hertie-Stiftung konnte die DMSG bundesweit eine zentrale Stelle einrichten, um Geflüchteten auch juristisch fundierte Hilfe zukommen zu lassen.

  • Kontakt über dmsg@dmsg.de.

Ansprechpartnerin für an MS erkrankte Flüchtende aus der Ukraine:

Neu im Team des DMSG-Bundesverbandes ist  Dr. Alina Beckermann. Die promovierte Volljuristin beherrscht Russisch und Ukrainisch und wird dem Bundesverband als Referentin für Flüchtlingsfragen an zwei Tagen in der Woche (dienstags- und donnerstagsvormittags) dabei behilflich sein, Anfragen von geflüchteten MS-Betroffenen aus der Ukraine telefonisch und schriftlich zu bearbeiten und unterstützt bei der Koordination von Hilfen.

Zudem stellt die DMSG spezielle Informationen in ukrainischer Sprache bereit, um den Zugang zu den MS-Therapien für Geflüchtete zu ermöglichen. Sprachmittler aus dem Kreis der DMSG-Mitglieder haben sich bereit erklärt, Geflüchteten zu helfen. DMSG-Mitarbeiter mit ukrainischen oder russischen Sprachkenntnissen ermöglichen weitere Hilfe und Beratung.

Flüchtende aus der Ukraine können sich auch an die Kontaktstellen der DMSG-Landesverbände wenden. 
Eine Übersicht mit den Kontakten in den einzelnen Bundesländern finden Sie 
hier.

Die DMSG begrüßt die Entscheidung, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern in Anspruch nehmen können und nicht nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Allerdings darf dieser Wechsel der Zuständigkeiten nicht zu Lasten der Flüchtlinge und ihrer Versorgung erfolgen. „Menschen, die aus der Ukraine zu uns fliehen, um vor den Schrecken des Krieges in Sicherheit zu kommen, leiden bereits allein aufgrund der Kriegssituation“, so Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes. „MS-Erkrankte tragen eine zusätzliche Belastung mit sich, da zum Beispiel die Medikamentenversorgung und medizinische Betreuung sichergestellt werden müssen. Das kann Unsicherheiten auslösen, denen die DMSG vorausblickend entgegenwirken möchte.“

Internationale Zusammenarbeit der MS-Gesellschaften

Auch auf europäischer Ebene sind die MS-Gesellschaften über die Europäische MS-Plattform (EMSP) verbunden und unterstützen sich gegenseitig, insbesondere aber derzeit die besonders engagierten nationalen MS-Gesellschaften in Polen, der Slowakei, Rumäniens und Ungarns. Kontakt zu Mitgliedern der ukrainischen MS-Gesellschaften bzw. einzelnen Gruppen besteht ebenfalls und hilft dabei mit, Geflüchteten mit MS notwendige MS-Therapien zu vermitteln.

Quellen

1 Bundesinnenministerium Pressemitteilung (4.4.2022) Befragungvon Geflüchteten: 84Prozent sind Frauen, 58Prozent sind gemeinsam mit ihren Kinderngeflüchtet und BMI (4.4.2022), Befragungukrainischer Kriegsflüchtlinge
2 www.deutscher-behindertenrat.de

DMSG-Bundesverband - 14.07.2022 (aktualisiert 25.07.2022)
Redaktion: DMSG-Bundesverband - 14.07.2022 (aktualisiert 25.07.2022)

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